Erlangen

Erlanger Ärzte planen erste Gebärmutter- Transplantation in Deutschland

Der Traum vom eigenen Kind könnte nun auch für Frauen ohne Gebärmutter wahr werden. Matthias Beckmann und Ralf Dittrich planen die erste Transplantation.
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Professor Ralf Dittrich, Experte für Reproduktionsmedizin, in seinem Erlanger Labor  Foto: Uniklinikum Erlangen
Professor Ralf Dittrich, Experte für Reproduktionsmedizin, in seinem Erlanger Labor Foto: Uniklinikum Erlangen
Die Idee hatte Ralf Dittrich schon länger. Er artikulierte sie erstmals im Auto seinem Kollegen Matthias Beckmann gegenüber. Der Biologe und der Direktor der Erlanger Frauenklinik befanden sich auf der Rückfahrt von einem Kongress in Wien. Die Transplantation einer Gebärmutter, um Frauen ohne Uterus noch den Traum vom eigenen Baby zu ermöglichen, so Dittrichs Vorschlag. Für ihn ein faszinierender Gedanke. Für den weniger euphorischen Beckmann immerhin bedenkenswert, weil technisch vorstellbar. Ein konkreter Plan reifte erst später heran.

Aus zwei Gründen: Zum einen hatte inzwischen der schwedische Wissenschaftler Mats Brännström in Göteborg die erste Uterus-Transplantation erfolgreich durchgeführt. Neun weitere Versuche folgten, von denen sieben erfolgreich waren. Zum anderen hatten sich zwischenzeitlich einige Frauen bei Professor Beckmann gemeldet und von ihrem Kinderwunsch erzählt. Trotz einer fehlenden Gebärmutter.

In Deutschland gibt es immerhin 15 000 Frauen im gebärfähigen Alter, die dieses Schicksal teilen. Unter der Unfähigkeit ein eigenes Kind bekommen zu können, würden viele dieser Frauen schrecklich leiden. Weshalb die Professoren Beckmann und Dittrich gerne helfen wollten und sich jetzt in Erlangen ganz gezielt auf die erste Gebärmuttertransplantation in Deutschland vorbereiten.


Eingriff mit Risiko

Kein ungefährliches Unterfangen. Für alle Beteiligten mit gewissen Risiken behaftet. Für die drei Frauen, die in Erlangen eine solche Transplantation wünschen, aber ebenso für die beteiligten Wissenschaftler.
Mit dem Nierentransplantationszentrum steht in Erlangen das für eine Transplantation notwendige Know How und Instrumentarium zur Verfügung. Und der Fahrplan steht auch schon.

So wurde bei der Würzburger Bezirksregierung, sie ist frankenweit zuständig, ein Antrag auf Tierversuche mit Schafen gestellt. Die Operateure können so die notwendigen Fertigkeiten für den Eingriff einüben. Antragsgenehmigung bis Mitte des Jahres, danach der benötigte Versuchszeitraum, das alles könnte bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Im Verlauf des Jahres 2017 soll dann transplantiert werden. Ein entsprechender Antrag bei den zuständigen Ministerien ist ebenfalls in Vorbereitung.


Woher die Spenderorgane?

Wobei Dittrich, ein gebürtiger Bamberger, zugibt, dass bei der Frage der Spenderorgane noch nicht restlos geklärt ist, ob eine Lebendspende bevorzugt werden sollte, oder das Organ einer Hirntoten. Das sei alles auch eine ethische Frage. Mit dem gespendeten Organ würde zwar neues Leben geschaffen, was aber so nicht in den Spenderausweisen stehe. Hier wäre Rücksprache mit den Verwandten notwendig.

Bei der Lebendspende, zum Beispiel eines Verwandten, könnte man mögliche Abstoßungstendenzen reduzieren. Aber auch hier müsse das Spenderrisiko bedacht werden. Auch ein möglicher psychischer Druck durch die Verwandtschaft. Nach der Transplantation, möglichst im Jahr 2017, gilt es ein Jahr zu warten, ehe eine künstliche Befruchtung vorgenommen werden kann. In dieser Zeit würden mögliche Abstoßungstendenzen durch Medikamente unterdrückt. Die Geburt selbst würde dann nach etwa acht Monaten per Kaiserschnitt eingeleitet. Aus Sicherheitserwägungen. Die Kosten, zwischen 50 000 und 100 000 Euro, werden vorerst aus Forschungsmitteln finanziert. Der Erfolg, er ist dennoch nicht garantiert. Erst unlängst versuchte sich ein amerikanisches Team an einer Gebärmutter-Transplantation - und scheiterte. Die Chirurgen in Cleveland (Ohio) mussten das transplantierte Organ nach zwei Wochen wieder entfernen.

Die Erlanger Wissenschaftler wissen um das Risiko. Das hält sie allerdings nicht davon ab, es im Interesse der betroffenen Frauen dennoch zu versuchen.
Ralf Dittrich: "Wir lassen uns Zeit. Und wir bereiten uns sehr sorgfältig vor."



Erlanger Frauenklinik ganz innovativ



Die Mediziner in der Erlanger Frauenklinik bewiesen in der Vergangenheit schon wiederholt ihre Spitzenstellung im Land.

Retortenbaby So wurde beispielsweise das erste deutsche Retortenbaby in Erlangen geboren.

Eingefrorene Eizelle Auch das erste deutsche Kind aus eingefrorenen Eizellen verdankt seine Existenz den Erlanger Wissenschaftlern.

Gefrorenes Eierstockgewebe Auch da waren die Erlanger die Vorreiter. Das erste deutsche Baby aus gefrorenem Eierstockgewebe, es kam ebenfalls aus Erlangen.
Während das Gewebe sicher im flüssigen Stickstoff lagerte, erhielt die Frau wegen einer Krebserkrankung Bestrahlungen.

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