Erlangen
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Erlangen ist für 300 Asylbewerber vorbereitet

Am Montag rechnet Oberbürgermeister Florian Janik mit dem Eintreffen der ersten Flüchtlinge. Woher sie kommen und wie lange sie bleiben, weiß bislang wohl noch niemand. Die Unterstützung seitens der Bürger ist riesig, doch es gibt auch kritische Stimmen.
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Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik informiert die Medien über den aktuellen Stand in Sachen Asylbewerber.Fotos: Max Kaltenhäuser
Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik informiert die Medien über den aktuellen Stand in Sachen Asylbewerber.Fotos: Max Kaltenhäuser
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Es sind schockierende Bilder, die katastrophale Zustände in der Zirndorfer Asyleinrichtung zeigen. Hochbett an Hochbett, Privatsphäre Mangelware. Dort, wo sich eigentlich Hoffnungen auf ein neues, besseres Leben breitmachen sollen, herrschen Tristesse und Verzweiflung.

Die Frage, ob unter solchen Umständen noch humanitäre Hilfe möglich ist, lässt sich durch die Zahlen schnell beantworten. So befanden sich Ende August mehr als 1600 Flüchtlinge in der Zirndorfer Erstaufnahmeeinrichtung, die jedoch lediglich für 650 Bewohner ausgelegt ist. "Das Leben und die Gesundheit der Flüchtlinge in Zirndorf sind gefährdet", weiß auch Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik (SPD). Grund genug, um zu handeln.

Am Mittwochnachmittag habe Janik einen Anruf des mittelfränkischen Regierungspräsidenten Thomas Bauer erhalten, der sich über mögliche Unterstützung aus Erlangen informieren wollte. Für Janik gab es da keinen Grund, noch weiter zu überlegen: "Wir sind zwar formal zu Hilfe verpflichtet, aber für uns ist das humanitäre Arbeit, die wir gerne ableisten wollen." Eine starke Entscheidung, die jedoch einiges vom Oberbürgermeister und seinem politischen Gremium abverlangt. Immerhin sollte die Stadt Erlangen als Außenstelle der Zirndorfer Asylanteneinrichtung innerhalb weniger Tage die Verpflegung und Unterbringung von etwa 300 Menschen sicherstellen.

Kiosk wird zur Essensausgabe

Einen passenden Ort habe man schnell gefunden. Das Freibad-West schloss am Donnerstag offiziell seine Pforten und wurde innerhalb weniger Stunden zur Auffangstation umfunktioniert. Drei große beheizte Zelte sollen ab Montag Flüchtlingen aus aller Welt in den nächsten Tagen und Wochen ein Dach über dem Kopf bieten. Der sonst normalerweise bereits eingeschlafene, alte Kiosk wird zur Essensausgabe reaktiviert.

Doch damit nicht genug: Zudem mussten die Verantwortlichen weitere Sponsoren und Helfer finden, die sich auch um eine geregelte Verpflegung kümmern. Mithilfe einer lokalen Großbäckerei, eines ansässigen Supermarktes und des Studentenwerks sollen den Hilfesuchenden in den nächsten Wochen täglich drei vollwertige Mahlzeiten angeboten werden. Drei Mitarbeiter des Sozialamtes werden zusätzlich als Ansprechpartner für die Flüchtlinge rund um die Uhr vor Ort sein. "Wir haben unglaubliche Unterstützung erfahren und ich bin beeindruckt, wie offen die Stadt Erlangen reagiert", lobt Oberbürgermeister Florian Janik die Hilfsbereitschaft seiner Bürger.

Allerdings muss auch mit unangenehmen Folgen der Hilfsbereitschaft gerechnet werden. "Wir rechnen damit, dass wahrscheinlich jeder Zehnte krank sein wird. Deswegen müssen wir uns fragen, wie diese Menschen zur bestmöglichen medizinischen Versorgung kommen", erklärt Peter Lederer, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Erlangen. Von ansteckenden Krankheiten gehe man bislang jedoch noch nicht aus.

Dem einen oder anderen Erlanger dürfte aber dennoch die regelmäßige Anwesenheit des Katastrophenschutzes und sämtlicher Rettungsdienste zu denken geben. Schließlich wissen auch die Erlanger Verantwortlichen nicht, woher und aus welchem Umfeld die rund 300 Asylbewerber stammen werden. Deshalb sind auch das Bayerische Rote Kreuz und der Arbeiter-Samariter-Bund für jegliche Notfälle alarmiert. Vier Stunden am Tag werden Rettungskräfte beider Organisationen im Freibad sein, um erste gesundheitliche Beschwerden entgegenzunehmen.

"Uns geht es darum, dass wir erste Krankheitssymptome erkennen und dann gemeinsam mit den Erlanger Ärzten handeln. Außerdem kennen viele der Betroffenen ja unser Gesundheitssystem noch nicht. Also wollen wir verhindern, dass wegen Kleinigkeiten wie Bauchschmerzen gleich der Rettungsdienst gerufen wird", erklärt der stellvertretende BRK-Rettungsschutzleiter Thomas Heideloff auf Nachfrage unserer Zeitung. In enger Kooperation mit dem ASB habe man hierfür ein umfangreiches Gesundheitskonzept aufgestellt. Somit sei man laut Heideloff auch auf sämtliche Ausnahmezustände vorbereitet: "Wir haben in Notfällen die Chance, mit sämtlichen Fachärzten aus Erlangen zu kooperieren und sind für alle Fälle gewappnet."

Auch die Frage, wie lange die Hilfsbedürftigen von nun an in Erlangen stationiert sein werden, konnte am Samstag von der politischen Führung noch nicht eindeutig beantwortet werden. Vorerst stand ein Zeitraum von drei Wochen zur Diskussion. Bei Bedarf kann die Unterbringung in den beheizten Zelten allerdings problemlos verlängert werden.

Es gibt auch kritische Stimmen

Dass es aber durchaus auch kritische Stimmen aus der Bevölkerung gibt, weiß auch Bürgermeister Florian Janik. Zwar habe man in Erlangen auf der Suche nach Unterstützung "offene Türen eingerannt". Jedoch wurde das Stadtoberhaupt durchaus auch mit negativer Kritik konfrontiert. "Natürlich haben wir auch einzelne negative Stimmen dazu gehört. Aber wir sehen es als unsere Aufgabe an zu helfen. Und jedem Kritiker empfehle ich, nach Zirndorf zu schauen und sich selbst ein Bild von der prekären Lage zu machen."

Wie kann man helfen?
Auch Sie wollen den Betroffenen in Erlangen helfen? Ab dem heutigen Montag wird das Sozialreferat sämtliche Hilfsangebote über eine Telefonhotline entgegennehmen und koordinieren. Unter 09131/86-1888 und 09131/86-1889 können hilfsbereite Bürger ihre Unterstützung in sämtlichen Bereichen anbieten. Bürgermeister Florian Janik bittet darum, jegliche Hilfe vorher telefonisch mit dem Sozialreferat abzusprechen.

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