Herzogenaurach
Institution

Eine Familie kuriert Herzogenaurach seit 60 Jahren

Die Stadtapotheke ist seit 60 Jahren in Familienhand und seit 60 Jahren in der Herzogenauracher Hauptstraße. Daran hat auch ein Umzug nichts geändert.
Artikel drucken Artikel einbetten
Tiegelchen und Töpfchen so weit das Auge reicht. Auf der historischen Aufnahme  ist der Innenraum der früheren Stadtapotheke Herzogenaurach zu sehen.
Tiegelchen und Töpfchen so weit das Auge reicht. Auf der historischen Aufnahme ist der Innenraum der früheren Stadtapotheke Herzogenaurach zu sehen.
Acht Apotheken versorgen die rund 24.000 Einwohner im Stadtgebiet von Herzogenaurach (Landkreis Erlangen-Höchstadt) nebst seinen Ortsteilen mit Arzneimitteln. Die zweitälteste von ihnen, die Stadtapotheke, kann am kommenden Wochenende ihr 60-jähriges Bestehen feiern und stolz darauf sein, dass die Apotheke in all den Jahren immer im Familienbesitz geblieben und von der Familie Costa-Wirth betrieben worden ist.

Genau am 18. November 1952 eröffnete Apotheker Hans Costa seine Apotheke in der Hauptstraße Nr. 42, "Am Ansbacher Tor", wie es in den ersten Werbeanzeigen formuliert war. Die beiden Stadttürme und zwischen ihnen das Herzogenauracher Stadtwappen waren das unverkennbare Markenzeichen von Hans Costas Apotheke. Heute findet sich dort die Redaktion des Fränkischen Tags.

Für die Herzogenauracher war der "neue" Apotheker aber längst kein "Neuer" mehr. Costa hatte bereits 1941 im Reservelazarett "Liebfrauenhaus" in der Erlanger Straße in seinem Beruf gearbeitet. Dort hatte er auch seine Frau Hilde kennengelernt, mit der er später in der Glockengasse eine Wohnung fand.

Alte Apothekerdynastie

Hans Costa entstammte einer altbairisch-fränkischen Apothekerdynastie. Sein Vater Theodor hatte seine Ausbildung bei Max Pettenkofer (dem "Vater der Hygiene in Wissenschaft und Alltag") in der "Leib und Hof Apotheke" in der Münchner Residenzstraße absolviert. Ab 1903 führte ihn sein beruflicher Weg über das kleine Sulzbürg in der westlichen Oberpfalz in den Nürnberger Stadtteil Johannis.

Sohn Hans, immerhin schon 30 Jahre alt, durfte 1937 beim Tod des Vaters trotz abgeschlossener Ausbildung die väterliche Apotheke in Nürnberg noch nicht übernehmen. Kurz nach Kriegsbeginn wurde Hans Costa zum Militär gezogenen, zum Heeresapotheker ernannt und 1940 in ein Heereslazarett in Arras/Frankreich kommandiert.

Ankunft in Herzogenaurach

Da er schwer an Ruhr erkrankte, wurde er in ein Reservelazarett in Nürnberg verlegt und nach seiner Genesung 1941 ans Lazarett im Herzogenauracher Liebfrauenhaus versetzt. Die einzige Apotheke der Stadt, 1830 von Carl Leopold Beyschlag eröffnet, war bei Kriegsende 1945 unter amerikanische Verwaltung gestellt worden. Franz Auer pachtete 1946 die Beyschlag'sche Apotheke und Hans Costa arbeitete dort, bevor er zum 1. Oktober 1948 die einzige Apotheke in Herzogenaurach in Eigenregie führte. Die Alliierten gaben sie 1952 an die Familie Beyschlag-Sehring zurück. Da erhielt Hans Costa die Konzession für eine eigene Apotheke in der Aurachstadt .

In der Zeit des Wirtschaftswunders florierte das Geschäft: Die Einwohnerzahl Herzogenaurachs hatte sich mit dem Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen und der Expansion der aufstrebenden Industrie von 4500 fast verdoppelt und dank des großen Hinterlands profitierte die "Stadt-Apotheke" von Kunden aus dem Zenn-, Aurach- und Seebachgrund. "Es waren goldene Jahre", resümierte Hans Costa im Alter.

Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre machte sich Hans Costa auf die Suche nach einem Nachfolger. Nach geltendem Recht musste und muss auch heute noch ein Apotheker mit abgeschlossenem Pharma-Studium in der Apotheke tätig sein. Enkelsohn Stephan Wirth war bereit, in die Fußstapfen des Großvaters zu treten. Er hatte gerade erst mit dem Studium begonnen.

Die Tochter machte weiter

Mit tüchtigen Mitarbeitern, unter ihnen vor allem Hans-Hermann Missere und Manfred Krauser, konnte die Apotheke weitergeführt werden. Nach dem Tod Hans Costas (1989) betrieb Tochter Brigitte Wirth die Apotheke ein Jahr lang, dann drohte die Schließung.

Zum Glück hatten Schwiegertochter Kerstin und wenig später Sohn Stephan das Studium abgeschlossen, so dass die Stadt-Apotheke im Familiensitz betrieben werden konnte. Gleichzeitig bot sich der Familie Wirth auch die Gelegenheit, nur einen Steinwurf entfernt - im Geburtshaus des damaligen Bürgermeisters Hans Ort - eine neue Apotheke nach modernsten Gesichtspunkten einzurichten. Am 23. April 1991 eröffnete die "neue Stadt-Apotheke" unter der Führung von Stephan und Kerstin Wirth in der Hauptstraße 36.

Der Apotheker wird als Fachmann für den Umgang mit Arzneimitteln auch in Zukunft im Gesundheitswesen unverzichtbar bleiben", so Stephan Wirth zum 60-jährigen Jubiläum der Stadt-Apotheke.
Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren