Weisendorf
Konzert

Eine Botschaft für Frieden und Toleranz

Die Herzo Singers bekamen in Weisendorf für Lorenz Maierhofers "Ethno-Mass for Peace" viel Applaus.
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Die Herzo Singers zeigten mit Liedern aus verschiedenen Kulturen ihr breites gesangliches Spektrum. Foto: Richard Sänger
Die Herzo Singers zeigten mit Liedern aus verschiedenen Kulturen ihr breites gesangliches Spektrum. Foto: Richard Sänger
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Der Ruf nach Frieden war in der Weisendorfer evangelischen Kirche unüberhörbar. Der internationale Chor Herzo Singers unter der Leitung von Gerald Fink präsentierte die "Ethno-Mass for Peace" von Lorenz Maierhofer. Der Komponist hat darin Gesänge aus vielen Teilen der Welt verbunden.
",Ethno-Mass for Peace‘, eine Völkermesse für den Frieden, ist eine klangvolle Botschaft von singenden Menschen für Frieden, Toleranz, Versöhnung, Menschenrechte", wie es Fink formulierte, nachdem der Chor mit dem Hymnus "Peace to the World" in die Kirche eingezogen war und damit den Auftakt für ein bewegendes Konzert gab.
Wie Fink erläuterte, muss die Idee des Weltfriedens im Herzen verankert sein, die Musik könne uns das auf besondere Weise nahebringen. "Dann müssen auch Taten folgen, bei uns und überall auf der Welt", so Gerald Fink.
Die Idee zu dieser Messe kam dem österreichischen Komponisten Maierhofer vor dem Beginn des zweiten Irakkriegs im Frühjahr 2003. Nach Meinung des Komponisten und Chorpädagogen müsse eine Sprache verwendet werden, die die Menschen verstehen. Dass dies gelungen ist, zeigten die Interpretation durch die Herzo Singers und auch die Reaktion der Konzertbesucher, die sich mitnehmen ließen vom Rhythmus und den Bewegungen der Sängerinnen und Sänger.
Maierhofer hatte zu jedem Lied auch nachdenkliche Texte und Zitate von Persönlichkeiten des Friedens, insbesondere Friedensnobelpreisträgern, vorgesehen, die von Alfred Sammetinger auf Deutsch und von Ray Schiele auf Englisch vorgetragen wurden.
Das Zitat von Mutter Teresa, der Symbolfigur für gelebte Menschlichkeit schlechthin, "Let us always meet each other with smile, for the smile is the beginning of love", (Lasst uns einander immer mit einem Lächeln begegnen, denn ein Lächeln ist der Beginn der Liebe) und dem Negro-Spiritual "Peace to the World" markierten den Anfang. Gerald Fink nahm dabei auch die Zuhörer mit, und gemeinsam wurde kraftvoll "Love to the World, love to the World, oh let us sing - for love our World" gesungen.
Am Tag vor seiner Ermordung am 23. März 1980 predigte Erzbischof Oscar Romero: "Wir leiden mit jenen, die verschwunden sind, jenen, die aus ihren Häusern fliehen mussten, und jenen, die gefoltert wurden. Im Namen Gottes, im Namen dieser leidenden Menschen, flehe ich, bitte ich, befehle ich: Beendet die Unterdrückung." Maierhofer widmete ihm das Negro-Spiritual "Burden Down, Lord", (Nimm mir die Last ab, Herr).
Dem ugandischen Lied "Singa Yesu Singa" (Lobt den Herrn) ging ein Zitat von Martin Luther King voraus. Der Kämpfer für die Gleichberechtigung der Schwarzen sagte 1996 in New York: "Dunkelheit kann nicht mit Dunkelheit vertrieben werden, nur mit Licht!"
Die guatemaltekische Menschenrechtsaktivistin Rigoberta Menchú erhielt 1992 als jüngste Preisträgerin den Friedensnobelpreis. "Was ich am Leben am meisten schätze, ist die Fähigkeit zu träumen - in den schwierigsten Momenten ... zu träumen von einer besseren Zukunft", und diese bessere Zukunft wird im indianischen Lied: "Ah Kezhegun" (Wenn der Tag erwacht, ist der Himmel erleuchtet) ausgedrückt.
"Dies wissen wir. Die Erde gehört nicht den Menschen; der Mensch gehört zur Erde. Alles steht in Verbindung ... Dies wissen wir. Es gibt keinen Tod, nur einen Wechsel der Welten ... Nimm nur Erinnerungen mit, hinterlasse nur Fußspuren", erklärte der Stammesführer Chief Seattle 1854 bei Vertragsverhandlungen mit weißen Siedlern. Das Lied "The River Is Flowing" (Der Fluss fließt weiter und weiter, bis zum Meer) soll den göttlichen Fluss des Lebens symbolisieren.


Vom Papst bis zu Nelson Mandela

Vielstimmig pries dann der Chor den Herrn mit dem Gospel-Song aus Botswana: "Sana, Sananina" (Preist den Herrn), und es wurde Papst Johannes Paul II. zitiert, der für einen Dialog der Kirchen stand. "Gott pflanzte in das Menschenherz den instinktiven inneren Antrieb, in Frieden und Harmonie zu leben. Dieser Wunsch ist tiefer verwurzelt und eingeprägt als jeder Impuls zur Gewalt ... Gehet in die Zukunft und haltet das Licht des Friedens hoch!", sagte der Papst beim Friedensgebet der Weltreligionen im Januar 2002.
Der Zulu-Gesang "Hamabani Kahle" (Geht in Frieden) - ein Friedensgruß, wurde mit einem Zitat des ersten schwarzen Erzbischofs in Kapstadt eingeleitet. Bei der Provinzialsynode in Swaziland im August 1992 warb Erzbischof Desmond Tutu für Frieden und Freude: "Wir sind Instrumente des Friedens, der Versöhnung und der Gerechtigkeit in den Händen Gottes."
Bei dem fröhlichen indianischen Lied "Kuwate" (Wir sind vereint mit der Sonne) wählte Maierhofer einen Ausschnitt aus einer Rede des Friedensnobelpreisträgers Adolfo Pérez Esquivel: "In einer Welt ohne Seele gibt es keine Menschen, nur Märkte, keine Bürger, nur Konsumenten, keine Nationen, nur Konzerne, keine Städte, nur Ballungsräume. Alles hat einen Preis, aber nichts hat Wert ... Menschenwürde, kulturelle Identitäten und das Leben selbst sind Werte, die nicht an der Börse gehandelt werden können!"
Mit der Biografie und einem Zitat von Nelson Mandela kündigten die beiden Sprecher das Ende des begeisternden Chor-Konzertes an. "Wir wissen genau, dass niemand von uns völlig allein erfolgreich sein kann. Deshalb müssen wir gemeinsam handeln, als ein vereintes Volk ... für die Geburt einer neuen Welt", sagte Mandela in seiner Antrittsrede als Präsident von Südafrika.
Nach dem Gospel "Yakanaka Vangheri" (Stimmt alle ein in unser Lied), bei dem ein Solist von der Empore aus mit dem Chor im Wechsel sang, brach ein stürmischer Beifall los, und der Chor kam um eine Zugabe nicht herum.
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