Es ist der Schrei, der ihm nicht aus dem Kopf geht. Ein Schrei, der durch Mark und Bein geht, wenn man weiß, dass es um den eigenen Hund geht. Das, was Roland Römer passiert ist, wünscht er keinem. "Es war ein ganz normaler Sonntag", erinnert er sich zurück. Wie so oft sind er und die fünfjährige Labradorhündin Lissy entlang der Äcker in Richtung Wald gelaufen. Wie so oft schnupperte der Hund die Wege entlang und genoss das Hundeleben.

Bis zu dem Moment, da sie ein wenig in den Maisacker lief, offensichtlich eine Fährte aufnehmend. "Und dann hörte ich den Schrei, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht", sagt Römer. Etwa einen Meter vom Feldrand entfernt - im Maisfeld - fand er seine Hündin vor. "Sie war in einer eisernen Falle gefangen. Der rechte Vorderlauf steckte fest und Lissy versuchte die eiserne Falle aufzubeißen." Mit Muskelkraft schaffte Römer es nicht, die Falle zu öffnen. Er ließ die Hündin alleine zurück, um Hilfe zu holen, um Werkzeug ranzuschleppen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Oberreichenbach wegen Attacken gegen Hunde in die Schlagzeilen gerät. Im Jahr 2004 starben vier Hunde. Es war damals eine aufgeheizte Stimmung, als die Oberreichenbacher Bürger sich trafen und der Polizei vorhielten, dass sie nichts täten. Die Polizei musste sich damals anhören, dass sie kein allzugroßes Interesse an dem Fall hätten.

Im jetzigen Fall ermittelt die Polizei auch, möchte sich zum Stand der Ermittlungen aber nicht äußern. Römer ist bei seinem Aktionismus auch nicht ganz wohl. "Es ist jemand von hier und natürlich habe ich Angst, dass demnächst vergiftete Köder über meinen Gartenzaun fliegen." Doch er ist sich sicher, dass nur Druck auf den Menschen wirkt, der nicht davor scheut mit dieser unlauteren Methode auch die Gesundheit von Menschen zu riskieren.

Die Angst geht um


"Da hätte genauso gut ein Kind reintreten können", sagt der Vater von zwei Kindern. Sein Söhne, 8 und 15 Jahre alt, spielen wie viele Kinder aus der Siedlung dort am Waldesrand.

Im vergangenen Winter habe es erst einen Vorfall gegeben. Eine Oberreichenbacherin ist mit ihren Fingern in solch eine Falle geraten als sie Steine aufsammeln wollte. Nur die dicken Handschuhe schützten sie vor einer größeren Verletzung.

So viel Glück hatte seine Hündin dann letztlich nicht. Direkt nach dem Unfall ging es nach Neustadt an der Aisch in die dortige tierärztliche Notklinik. "Die haben Lissy erst einmal mit Schmerzmittel versorgt und die Wunde angeschaut." Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Hündin ihren Kopf in die Falle gesteckt hätte, um den Köder, Rehpansen, zu fressen. Die Tierärztin, die Römer dann am drauffolgenden Montag konsultierte, wies auf den Fall 2004 hin - "Da war mir klar, dass etwas geschehen muss." Diese dort aufgestellten Fallen sind verboten. Wer die Fangjagd ausübt, hat Verfahren zu wählen, die dem zu fangenden Wild keine vermeidbaren Schmerzen und Leiden zufügen und Gefahren für Menschen und nicht jagdbare Tiere gering halten. Bei der Jagd mit Fanggeräten sind Geräte zu verwenden, die unversehrt lebend fangen oder sofort töten. Fanggeräte dürfen nur verwendet werden, wenn sie ihre Funktion zuverlässig erfüllen. So steht es in diversen Jagdgesetzen.
Weiterhin heißt es: Die Jagd mit Fanggeräten darf nur von Personen ausgeübt werden, die an einem anerkannten Ausbildungslehrgang für die Fangjagd teilgenommen haben.

Sprich: Menschen dürfen durch diese Fallen gar nicht in eine Gefahr geraten. Für den Besitzer des Maisackers, Karl Kreß, der einen kleinen Direktverbrauchermarkt im Ortskern Oberreichenbachs betreibt, ein unverständliches Vorgehen. Er kritisiert zwar, dass nicht jeder auf die Ackerflächen Rücksicht nehme, aber "solche Fallen machen aus landwirtschaftlicher Sicht keinerlei Sinn". Er ergänzt: "Bei einem Maisfeld hat man vielleicht Angst vor Wildschweinen, aber dafür stelle ich nicht solche Fallen auf."

Lissy hat es eine Kralle gekostet, aufgebissene Lefzen und die Frage, ob sie das Geschehene verkraftet. "Sie ist ein agiler Hund", weiß Römer, und sie sei schon wieder am Herumtollen interessiert, aber der Vorfall ist erst eine Woche her.

Von wegen "friedliches Dorf"


Römer möchte das Bewusstsein schärfen. Er hofft, dass irgendjemand etwas mitbekommen hat. Dass vielleicht auch der Fallensteller mitbekommt, dass man ihn sucht und er sein perverses Werkeln einstellt. Wenn nicht? Ob die Strafen abschreckend sind, weiß man nicht. Für das illegale Aufstellen von Fallen drohen immerhin saftige Geldbußen. Sollte es ein Jäger sein, der diese Fallen aufstellt, drohen bei einer Verurteilung über 60 Tagessätze, aber auch der Entzug des Jagdscheins. Sollte es zu Verletzungen von Menschen kommen, ist das Delikt der fahrlässig herbeigeführten Körperverletzung unter Umständen relevant. Nach Paragraf 229 des Strafgesetzbuches kann eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren verhängt werden. Doch das ist für Römer gar nicht wichtig. "Wir sind hier doch am Dorf. Da kann es doch nicht sein, dass so etwas passiert!"