Höchstadt a. d. Aisch
Interview

Ein Roman in einem Monat

Sabrina Ruhmann hat ihren ersten Liebesroman geschrieben, in dem sie den Leser nach Island entführt.
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Foto Steinbauer GmbH
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Heiter, romantisch und spannend - so beschreibt Sabrina Ruhmann die Stimmung ihres ersten Liebesromans "Bruchlandung auf Wolke 7", der am 6. Oktober als E-Book erschienen ist. Die 32-jährige Autorin hat neben dem Schreiben eine weitere große Leidenschaft: Das Reisen. In ihren Romanen entführt sie die Leser deshalb gerne in Länder, in denen sie selbst schon war. Ihre fränkischen Wurzeln sind trotz des häufigen Fernwehs fest verankert: Aufgewachsen in Burghaslach, lebte sie seit dem Studium in Erlangen, Nürnberg und bis vor jetzt in der Nähe von Hersbruck. Nun zieht es sie wieder in die Nähe der Heimat: Noch in diesem Jahr ist ein Umzug ins eigene Haus in Steppach bei Pommersfelden geplant. Im vergangenen November stellte sie sich einer besonderen Herausforderung und verfasste ihren neuen Roman in nur einem Monat.
Auf 200 Seiten entführt sie ihre Leser nach Island, ein Land voller Gegensätze, die sich in den Charakteren der Hauptpersonen widerspiegeln.

Wer erlebt in Ihrem Roman eine Bruchlandung auf Wolke 7?
Sabrina Ruhmann: Eine Frau, die Luxus liebt, und ein Backpacker (ein Rucksacktourist, Anm. der Red.). Sie kennen sich noch nicht, sitzen aber im gleichen Flugzeug nach Edinburgh. Gerade als es über Island fliegt, bricht dort ein Vulkan aus, dessen Asche in die Flugbahn der Maschine weht. Deshalb müssen sie auf Island notlanden. "Wolke 7" ist eine Metapher für die Insel Island, auf der sich die beiden verlieben.

Was macht Island zur perfekten Wolke 7?
Ich bin im letzten Jahr selbst nach Island gereist und mag es, wenn ich meine Geschichten in Ländern spielen lasse, in denen ich selbst schon einmal war. Dadurch kann ich die Atmosphäre gut beschreiben und für den Leser ist es wie eine Reise, weil ich viel davon einbaue, was das Land und seine Kultur ausmacht. In Island ist das zum Beispiel der Glaube an Elfen und Trolle. Außerdem gibt dieses Land meiner Handlung noch mehr Dramatik. Die Einöde, in der die Protagonisten landen, ist eine wahre Herausforderung für die luxusliebende Frau.

Wie kommt es dazu, dass sich die Protagonisten trotz ihrer Verschiedenheit näher kennenlernen?
Bei der Bruchlandung wird die Handtasche der Frau geklaut. Der Backpacker hilft ihr bei der Suche nach dem Dieb und sie ist währenddessen auf ihn und seinen sehr beschränkten Geldbeutel angewiesen. Beide haben komplett verschiedene Vorstellungen vom Reisen und so ergeben sich einige lustige Situationen.

Island bringt die gegensätzlichen Charaktere also noch mehr hervor?
Es passt als Kulisse sehr gut, weil Island genauso wie die Hauptpersonen voller Gegensätze ist. Dieser Satz aus mein Buch trifft es ganz gut: "Er und sie waren so unterschiedlich wie Feuer und Eis. Doch Island war der Beweis, dass beides nebeneinander existieren konnte."

Entspringen die Hauptpersonen Ihrer Fantasie oder sind sie von realen Personen inspiriert?
Mike, den Backpacker, habe ich mir ausgedacht, aber die weibliche Protagonistin hat sicherlich einige Gemeinsamkeiten mit mir. Ich genieße beim Reisen auch gerne den Komfort und bestimmt teilen wir noch weitere Charakterzüge, da es beinahe unmöglich ist, sich beim Schreiben komplett von seinen Protagonisten zu distanzieren.

Wie beschreiben Sie Ihren Schreibstil?
Flüssig, leicht zu lesen und nicht gekünstelt. Früher habe ich mich bemüht, die einzelnen Sätze auszuschmücken, aber mittlerweile habe ich gemerkt, dass es besonders der Zusammenklang der Sätze ist, der den Leser in den Text zieht.

Wie lange haben Sie bis zum Erscheinungstag am Buch gearbeitet?
Ziemlich genau ein Jahr, wobei die Idee schon vor ungefähr zwei Jahren entstanden ist, als ich im Flugzeug saß. Viele meiner Ideen kommen aus heiterem Himmel. Damals habe ich noch gedacht, ich sei reine Fantasy-Autorin und habe die Idee abgetan, weil ich nicht wusste, ob ich Liebesromane überhaupt schreiben kann. Im November letzten Jahres gab es eine weltweite Aktion mit dem Ziel, einen ganzen Roman mit 50 000 Wörtern in einem Monat zu schreiben. Bei ihr habe ich meine Idee ausprobiert.

Wie haben Sie es geschafft, so viel in einem Monat zu schreiben?
Da ich eher langsam im Schreiben bin, dachte ich zuerst, dass es unmöglich sei. Dann habe ich aber so einen Ehrgeiz entwickelt, weil ich meinen Fortschritt immer auf der Website der Aktion vor Augen hatte. Diese Herausforderung hat mich gereizt. Ich wusste, wenn ich 1600 Wörter pro Tag schaffe, erreiche ich das Ziel. Das Schwierige ist es, durchzuhalten und jeden Tag zu schreiben. In dieser Zeit hatte ich meinen Laptop immer dabei und in jeder freien Minute aufgeklappt. Es war sehr stressig, weil alles andere, wie zum Beispiel die Hausarbeit, liegen bleiben musste.

Konnten Sie Ihre Gedanken überhaupt noch von der Geschichte lösen?
Nein, aber das ist auch ein großer Vorteil, weil man voll in der Geschichte drinnen ist. Es war eine anstrengende aber auch wertvolle Erfahrung, die meinen Schreibstil nachhaltig verändert hat. Ich habe gelernt, schneller zu schreiben und einfach den Gedanken freien Lauf zu lassen, ohne allzu viel zu filtern. Viele lustige Stellen wären anders gar nicht entstanden.

Wie ging es nach dem Wettbewerb weiter
Schon währenddessen hat der LYX Verlag regelmäßig über den Wettbewerb und ein paar Autoren berichtet und auch ihre Geschichten mitgelesen. Kurz nach der Aktion haben sie sich bei mir gemeldet, da ihnen mein Roman gefallen hat und ich habe Ihnen das Manuskript geschickt. Nach etwa einem Jahr Lektorats- und Korrekturarbeit ist der Roman nun als E-Book erschienen.

Ist eine gedruckte Version auch in Planung?
Wenn es nach mir ginge, sehr gerne. Das gedruckte Buch muss man sich aber erarbeiten. Wie überall muss man auch in der Buchbranche erstmal klein anfangen. Für die Verlage stellen E-Books eine kostengünstige Möglichkeit dar, Autoren kennenzulernen und Neues auszuprobieren.

Welche Möglichkeiten hat der Leser, an das E-Book zu kommen?
Kaufen kann man es ganz normal auf Amazon und in anderen Online-Shops, wie zum Beispiel Thalia. Zum Lesen braucht man einen eReader oder eine App auf dem Smartphone, Tablet oder Laptop.

Haben Sie vor, eine Lesung in der Region zu halten?
Ich habe zwar noch keine konkreten Pläne, aber das kann ich mir gut vorstellen. Auf meiner Facebookseite habe ich schon einmal geübt und online das erste Kapitel vorgelesen.

Haben Sie jetzt genug vom Schreiben oder sind schon neue Projekte in Planung?
Vom Schreiben werde ich nie genug bekommen und mein Kopf ist voller Ideen. Zurzeit ist ein weiterer romantischer und witziger Roman fast abgeschlossen. Außerdem bin ich ein Teil der Autorengruppe "Federschwinger", mit der wir im Winter eine Anthologie heraus bringen werden.

Vervollständigen Sie den Satz: Schreiben bedeutet für mich...
... mich zu verwirklichen. Geschichten, die zuerst nur in meinem Kopf sind, erwachen zum Leben. Es ist total schön, sie dann selbst zu lesen und zu sehen, dass man etwas erschaffen hat, was vorher nur als Idee existiert hat.
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