Auch eine Woche nach dem tödlichen Unfall des erst 18-jährigen Nikolas brennen unzählige Kerzen am Zaun des Instituts Notre Dame de Vie. Neben Blumen ziert nun auch ein Holzkreuz mit liebevoll gestalteter Aufschrift die Mauer an der Unglückstelle. Aus Draht haben die Freunde Kathrin (16), Michi (17), Oli (15) und Marco (17 Jahre alt) künstlerisch Name, Geburts- und Todesjahr gebogen und auf dem hellen Holz befestigt.

"Michi ist Schreiner, er hat das Holz bearbeitet", berichtet Kathrin. "Auf der Rückseite haben wir unsere Namen eingebrannt. Nikis Stiefvater hat abgeklärt, dass dieses Kreuz dauerhaft hängen bleiben darf!"

Die letzten Tage verbrachte Marco zudem mit der Planung eines Zweiradcorso durch Weisendorf. Per Facebook informierte er den Freundeskreis des Verstorbenen über seine Pläne und stieß auf große Befürwortung. "Mein Vater unterstützte mich bei der Umsetzung.
Die Fahrt musste ja bei den Behörden angemeldet werden, damit es keinen Ärger gibt", berichtet der Schüler von den Vorbereitungen.


Lob von der Polizei


"Die Feuerwehren von Weisendorf und Buch haben ihre Unterstützung zugesagt und auch die Polizei wird zur Sicherheit vor Ort sein." In seinem Aufruf bat der junge Mann auch ausdrücklich nur um Teilnahme am Korso von Nikolas Freunden und Bekannten, um so Störungen und Ärgernisse auszuschließen. Dies begrüßte vor allem die Polizei. Polizeioberkommissar Düthorn war auch beim Unfall im Einsatz und erinnert sich: "Es war ungewöhnlich, dass so viele Jugendliche den Unfall miterlebt haben. Diesen Umstand galt es zu bewältigen, was mit der psychologischen Betreuung im Hotel nebenan gut gelungen ist." Die Organisation der Rundfahrt beurteilte Düthorn positiv und zeigte sich beeindruckt von den friedlichen Aktionen der Jugendlichen.

Trotz des traurigen Anlasses macht sich bei Marco leise Vorfreude bemerkbar: "Ich hoffe halt, dass so viele Leute wie möglich kommen und es ein guter und erfolgreicher Tag für Nikis Andenken wird!" Da sprach er vielen aus der Seele, denn es trafen weit über 30 motorisierte Zweiräder zum vereinbarten Treffpunkt am Buswendekreis vor der Weisendorfer Schule ein, ein paar Fahrräder und etliche Fußgänger schlossen sich an.

Die Gefährte wurden vorher noch mit von den Organisatoren beschafften schwarzen Bändchen als Trauerflor geschmückt. Einige verzierten die Mopeds mit Blumen und Bildern ihres Freundes. Viele Schilder mit verschiedenen Aufschriften wurden an Gefährten oder Jacken befestigt. "Nick, danke - servus" war nur eines davon. "Das war Nikis Spruch", erklären Franzi und Tina (beide 16 Jahre alt), Maxi (17) und der 19-jährige Tobias.


Große Verbundenheit


Als der Zeitpunkt der Abfahrt gekommen war, starteten alle ihre Maschinen. Ein Grollen durchzog den Platz und jeder der Anwesenden spürte die große Verbundenheit aller in dieser gemeinsamen Sache. Allen voran Marco auf seinem strahlend weißen Moped. Friedlich und im Schritt-Tempo fuhr der Korso in einer Schleife oberhalb des Reuther Weges, vorbei an der Unfallstelle, rund um den alten Sportplatz und schließlich wieder zur Unglückstelle zurück.

Schon von weitem hörte man die Motorengeräusche und manch einer hupte. Nichts spiegelt die Stimmung besser wider, als das sich in der Dämmerung die Auracher Bergstraße hinab windende Lichtermeer von Kerzen und Scheinwerfern der rund 50 Teilnehmer.

Stolz über das gute Gelingen erreichten die Fahrer die Unfallstelle und legten ihre Blumen und Kerzen am Zaun ab. Erste Tränen flossen und manche Jugendliche lagen sich in den Armen, um sich gegenseitig Halt und Trost zu geben. Natürlich drehen sich viele Gespräche immer wieder um den tragischen Unfall, doch Vorwürfe und Schuldzuweisungen gehören nicht dazu. Sylke Trebisch-Rost, selbst Mutter eines 17-jährigen Rollerfahrers, sprach aus, was viele der Anwesenden bedrückte: "Sorgen macht man sich ja immer, aber nach dem tragischen Unfall noch mehr. So nah vor der eigenen Haustür, es kann einfach immer etwas passieren."

Auch die Familie des verunglückten Nikolas war vor Ort und zeigte sich überwältigt von so viel Zuspruch und Liebe für Nikolas. Selbst seine Mutter Brigitte hinterließ auf dem Kartonaufbau des Rolleranhängers einen letzten Gruß, neben den unzähligen Namen der Freunde ihres Sohnes. In einer gemeinsamen Schweigeminute wurde noch einmal des unsagbaren Verlusts gedacht und es war, als würde selbst der Verkehr für diesen Moment stillstehen, so in sich gekehrt verharrte die Gruppe am Gehsteig.
Einige der jungen Leute entschlossen sich noch zu einem spontanen Besuch des Grabes ihres Freundes.