Veranstaltung

Ein Koffer voller Ideen für Helsinki

Der Verein Karpfenland Aischgrund darf sein Gesamtkonzept in dieser Woche auf einer Fachtagung in Helsinki einem internationalen Publikum präsentieren.
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Gerald Brehm, Vorsitzender des Vereins Karpfenland Aischgrund, packt gemeinsam mit PR-Referentin Regina Dukart den Koffer für eine Fachtagung in Helsinki.  Foto: Christian Enz
Gerald Brehm, Vorsitzender des Vereins Karpfenland Aischgrund, packt gemeinsam mit PR-Referentin Regina Dukart den Koffer für eine Fachtagung in Helsinki. Foto: Christian Enz
Die traditionsreiche Weiherlandschaft zu fördern, das ist seit 1999 das Ziel des Vereins Karpfenland Aischgrund. Neben Beratung gehören dazu auch Öffentlichkeitsarbeit und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder. Ein europäisches Vorzeigeprojekt, das nun bei einer Fachtagung in Helsinki präsentiert wird.

"Der Aischgrund ist bekannt für seine hohe Lebensqualität", sagt Gerald Brehm. Und, so ergänzt Höchstadts Bürgermeister, sei ein Aischgrund ohne Karpfen oder malerische Weiher undenkbar. Allerdings ist es längst keine Selbstverständlichkeit mehr, dass junge Menschen sich für die körperlich anstrengende Arbeit als Karpfenbauer begeistern. "Über Jahrhunderte hinweg war es ein Privileg Karpfen züchten zu dürfen", erinnert Gerald Brehm. "Heute ist damit nur noch schwer ein Schnitt zu machen. Da überlegen die jungen Leute, ob sie die Arbeit der Vorfahren fortführen wollen."

Eine fatale Entwicklung - denn aus Altersgründen stehen zunehmend landwirtschaftliche Betriebe zur Übergabe an. Es droht die Aufgabe von Teichwirtschaften und das Versanden der natürlichen Wasserreservate. Aus diesem Grund wurde 1999 der Verein Karpfenland Aischgrund ins Leben gerufen. Er bündelt von der Quelle bei Burgbernheim bis zur Mündung bei Trailsdorf Kräfte. "Unser Ziel ist es, den Teichbauern ein gutes Auskommen zu ermöglichen", erklärt Regina Dukart. Dabei, so die PR-Referentin, berücksichtige der Verein nicht nur die direkten Anrainer. "Uns eint nicht das gut 80 Kilometer lange Flussbett, sondern Kultur, Heimatverbundenheit und die Liebe zu gutem Karpfen".

Deshalb haben sich 71 Städte und Gemeinden sowie vier Erlanger Ortsteile der Initiative um Gerald Brehm, den Mühlhausener Fischfachhändler Walter Jakob und Gastronom Peter Holzmann (Neustadt) angeschlossen.
"Von Anfang an haben wir uns gefragt, wie wir die kleinteiligen Fischzuchten dauerhaft wirtschaftlich stabilisieren können", erklärt Brehm. "Eine strategische Herausforderung, denn im osteuropäischen Raum gibt es starke Konkurrenz."


Gibt es Fördermittel von der EU?

Aus dieser Erkenntnis heraus entstand die Idee einer langfristigen Strukturentwicklung. "Die Eintragung des Aischgründer Karpfens als geschützte geografische Angabe war dabei ein wichtiges Etappenziel", erläutert Regina Dukart von Karpfenland Aischgrund. "Die Vitalisierung des sanften Tourismus ebenso." Vor Jahren wurde deshalb ein professionelles Tourismusbüro eingerichtet. "Auch außerhalb der Kurstadt Bad Windsheim nehmen seither Tages- und Übernachtungsgästezahlen zu", sagt Dukart. Dies sorgt einerseits für erhöhte Nachfrage nach Aischgründer Karpfen in den gastronomischen Betrieben. Andererseits ermöglicht der Tourismus den Teichbauern zusätzliche Einnahmequellen. Dazu hoffe man auch auf Fördermittel der Europäischen Union.

Mit Freude registrierte der Vorstand deshalb auch das Interesse am Gesamtkonzept Karpfenland Aischgrund. Dafür entsendet der Karpfen-Förderverein am Montag Regina Dukart nach Helsinki. Die Studentin lebt seit drei Jahren in Höchstadt. Die Liebe zur Fischerei hat sie von Kindesbeinen an entwickelt. "Mein Vater hat mich schon von klein auf mit zum Angeln genommen. Da war es klar, dass ich den Jugendfischereischein gemacht habe", sagt sie. "Zusammen mit lauter Jungs - da musste ich schnell hineinwachsen." ez



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