"Wir wollen ja nicht die Schaufel draufhauen", sagt Rainer Scheckenbach. Und die Biker verstehen diese Sprache. Nein, bei der Polizeikontrolle gehe es in erster Linie um Sicherheit und Information. Um Prävention eben, damit möglichst nichts passiert im Straßenverkehr, erklärt der Polizeihauptkommissar.
Überhaupt kommt der Höchstadter Polizist mit den Motorradfahrern gut zurecht. Schließlich fährt er selbst gern und weiß daher, wovon er spricht. Am Ende der Kontrolle in Gremsdorf im Landkreis Erlangen-Höchstadt wünscht er sich eine Postkarte von seinen Bikern, wenn sie zu Hause angekommen sind. Anzunehmen, dass dieses Feedback schon bald bei der Höchstadter Polizeiinspektion eintrifft. Denn abgesehen von einer einzigen Beanstandung war bei der Motorrad-Kontrolle alles okay - und das bei einer Gruppe von 20 Fahrern plus zwei Beifahrern.
Auf der B 470, in Höhe des Pendlerparkplatzes bei Gremsdorf, wurde die Biker-Gruppe aus dem Raum Mainz/Wiesbaden von der Polizei zur Kontrolle herausgewunken. Keine Hells Angels und kein Motorrad-Club, sondern einfach Leute mit Spaß am Motorrad fahren. Von Obertrubach in der Fränkischen Schweiz kommend, waren sie am Wochenende Richtung Heimat unterwegs.
Motorräder, eventuell noch "aufgemotzte Pkw" nahmen die sieben Polizeibeamten, darunter drei von der Verkehrspolizei Nürnberg, unter die Lupe. "Das sind absolute Spezialisten, die sich mit der Materie gut auskennen", sagt Scheckenbach über seine Nürnberger Kollegen. Außerdem stand Thomas Hamann vom Tüv für spezielle Anforderungen bereit.
Fahre ein Motorrad mit technischen Mängeln zu einem Unfall, sei der Fahrer regresspflichtig. Die Spezialisten wissen natürlich, worauf sie bei den schweren Maschinen ihr Augenmerk richten müssen. Es sind die Auspuffanlagen und dabei besonders der sogenannte dB-Eater, das auswechselbare Bauteil des Schalldämpfers. Denn das Dröhnen des Motors sorgt bei manchem Biker "für Gefühle wie Glockenläuten zu Weihnachten". Es gebe Fahrer, die den dB-Eater unter dem Sitz deponiert hätten und ihn erst bei der Kontrolle hervorholen. Ist er ohne Dezibel-Killer unterwegs, läuft der Fahrer nämlich Gefahr, dass sein Bike stillgelegt - ein Weiterfahren untersagt - wird.
Nun, einer aus der 20 Personen starken Mainzer Gruppe wird dennoch mit einer Ordnungswidrigkeitsanzeige rechnen müssen. Dem kontrollierenden Polizeibeamten war eine Veränderung am Auspuff aufgefallen. Der Biker bekam einen Mängelbericht, durfte aber weiterfahren.
"Verkehrssicherheit ist oberstes Gebot", sagt Scheckenbach. In diesem Jahr habe es im Inspektionsbereich noch keinen Motorradunfall gegeben. "Die Kontrollen sprechen sich rum und kommen sowohl bei der Bevölkerung als auch bei den Motorradfahrern gut an." Manche Fahrer würden sich sogar freuen, wenn sie angehalten werden.
Gegen das Fahren in Gruppen habe die Polizei nichts einzuwenden - so lange sie anständig unterwegs sind. "Die lassen immer eine Lücke, damit ein Pkw überholen kann." Dann zeigt er auf eine Fahrerin an der Spitze des Korsos. Sie ist über ein Mikro mit der Gruppe in Kontakt.