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Heuchelheim
Denksport

Ein Brett ist bei Weitem nicht genug

28 Schachspieler forderten Großmeister Helmut Pfleger in Heuchelheim gleichzeitig heraus. Es ging aber nicht nur um das Simultan-Schachspiel, sondern der Experte sprach auch über bekannte Partien und die Rolle von Computern im Schach.
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Schachgroßmeister Helmut Pfleger (l.) platziert seinen Zug gegen Regionalligaspieler Thomas Steinhauser (SC Prichsenstadt), der ihn als Einziger schlug. Foto: Maria Leicht
Schachgroßmeister Helmut Pfleger (l.) platziert seinen Zug gegen Regionalligaspieler Thomas Steinhauser (SC Prichsenstadt), der ihn als Einziger schlug. Foto: Maria Leicht
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Schach erfüllt alle Kriterien einer leichten Sportart, erklärte Helmut Pfleger am Sonntagnachmittag in Heuchelheim. "Da sitzt man nicht mit einem Ruhepuls von 60 da", sagte der Großmeister. Dem sportlichen Wettstreit gegen ihn stellten sich Schachfreunde aus der Region und Vereinsspieler aus Bamberg, Prichsenstadt und Höchstadt. Im Dorfgemeinschaftshaus wurde stundenlang gespielt. Dabei ist sich Organisator Michael Weiß, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Heuchelheim, sicher: "Der ein oder andere möchte Pfleger im Simultanschach ärgern."
Bereits seit er sechs Jahre alt ist, spielt Pfleger Schach. Doch bevor der heute 71-Jährige 1975 den Titel Schachgroßmeister verliehen bekam, konnte er bereits zahlreiche Erfolge feiern, wie Weiß den rund 50 Gästen ins Gedächtnis rief. Dazu zähle auch der Gewinn der Bronzemedaille bei der Schacholympiade in Tel Aviv mit 21 Jahren.
Hauptberuflich war Pfleger jedoch als Internist und Psychotherapeut in München tätig, wo er bis heute lebt.
Nach wie vor reize ihn am Simultan-Schach die menschliche Begegnung, auch wenn er nicht mehr die geistige Spannkraft wie vor 40 Jahren habe, gesteht der Schachspieler. "Einmal habe ich gegen 45 Gegner gleichzeitig gespielt", berichtet Pfleger. Normalerweise liegt sein absolutes Maximum bei 31 Spielern.

Als Fußballer in Elsendorf

Mit Heuchelheim verbindet den Großmeister allerdings eine andere Sportart, denn er spielte lange Jahre für die benachbarte Altherren-Fußballmannschaft SG Elsendorf/Aschbach. Über den Verein entstand der Kontakt zu Weiß, der ihn einlud, sein Können den Schachinteressierten vor Ort zu zeigen. Da die Heuchelheimer selbst keinen Schachclub haben, stellte Pflegers Heimatverein aus Bamberg die Schachbretter für den Nachmittag zur Verfügung.
Zu den 28 Spielern, die in einem Halbkreis aufgereiht rundenweise einen Zug des Großmeisters erwarteten, zählte unter anderem Dominik Schwarz vom Schachclub Prichsenstadt. Der 23-Jährige hatte sich extra mit den alten Schachprotokollen des Großmeisters vertraut gemacht. "Ich versuche, die ersten fünf bis sechs Züge zu überstehen und dann weiterzusehen", skizzierte Schwarz seinen Plan.
Pfleger selbst rechnete im Vorfeld mit starken Konkurrenten. "Ich glaube, dass einige gute Spieler dabei sind. Ich werde auch Partien verlieren oder mit einem Unentschieden beenden." Fünf Stunden später hatte er 27 seiner Gegner geschlagen, unter denen auch eine Frau und zwei Kinder waren. Nur dem Regionalligaspieler Thomas Steinhauser, Vorsitzender des Schachclubs Prichsenstadt, musste er sich geschlagen geben.
Für den Freizeitspieler Michael Hofmann aus Kitzingen war es etwas ganz Besonderes, dabei zu sein. Er habe schon als Kind die Sendung Pflegers "Schach der Großmeister" begeistert verfolgt. Dies war eines der Formate, mit denen der Großmeister in den 1970er- und 1980er-Jahren im deutschen Fernsehen zu sehen war. Wie damals analysierte Pfleger zwei Partien, bevor er im Simultan-Schach antrat. Ebenso stellte er sich im Vorfeld den Fragen des Organisators Weiß und des Publikums.

Konkurrenz aus dem Internet

"Heutzutage können es auch die stärksten Spieler der Welt nicht mehr mit Computern aufnehmen", schätzte er beispielsweise die Stärke der Technologie ein. Menschen können allenfalls eine Stellung pro Sekunde beurteilen und sind damit den Computern unterlegen, so der Großmeister. Auch bedauerte er, dass Internetschachspiele den Vereinen immer mehr Konkurrenz machen. Die Heuchelheimer hoffen indessen, mit der Veranstaltung das Interesse für Schach in der Region zu steigern. Neben einem regelmäßigen Schach-treff könnte sich Weiß eine Schachgemeinschaft rund um den Dreifrankenstein vorstellen.
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