Röttenbach
Engagement

Ehrenamtliche wollen Demenzkranke betreuen

Ehrenamtliche aus dem Landkreis haben sich zu Seniortrainern weitergebildet, um ihre Projektideen mit professioneller Hilfe umsetzen zu können.
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In ihrer Betreuungsgruppe für Demenzkranke wollen Irmtraud Spindler (links) und Anita Griesbeck auch Karten Spielen. Foto: Anja Ringel
In ihrer Betreuungsgruppe für Demenzkranke wollen Irmtraud Spindler (links) und Anita Griesbeck auch Karten Spielen. Foto: Anja Ringel
Wie plane ich ein ehrenamtliches Projekt? Wo kann ich mich nach Räumlichkeiten dafür umsehen? Wie finde ich Sponsoren? Mit diesen und anderen Fragen setzten sich Anita Griesbeck aus Hemhofen und Irmtraud Spindler aus Röttenbach beim Praxisseminar Seniortrainer auseinander. In drei Kursblöcken lernen ältere Menschen dort, wie sie ehrenamtliche Projekte planen und durchführen können. Dabei werden von rechtlichen Fragen bis hin zur Öffentlichkeitsarbeit alle Bereiche abgedeckt.

"Wir haben schon vorher eine Ausbildung zur Betreuung von Demenzkranken gemacht."

Durch Zufall entdeckten sie dann den Aufruf der Kontaktstelle für Bürgerschaftliches Engagement, die Menschen für das Projekt Seniortrainer gewinnen wollte. Sie überlegten nicht lange. "Ich möchte das Seminar auf keinen Fall missen. Wir konnten viel daraus schöpfen, auch für uns persönlich", erklärt Griesbeck.

Die beiden Frauen bieten nun ab November eine Betreuung für Demenzkranke im Gemeinschaftsraum der Gemeinde Röttenbach an. Gemeinsam wollen sie dann kochen, spielen und tanzen. "Wir möchten mit einer Kleingruppe starten, das Ganze soll dann aber auch noch wachsen."

Wie sie ihr Projekt am besten vorbereiten und schließlich durchführen, lernten sie beim Seniortrainer-Programm. "Wir hatten die verschiedensten Vorträge, aber auch Gruppenarbeiten und Rollenspiele", erinnern sich die beiden Frauen. Besonders von der Teamarbeit waren die Seniorinnen begeistert, da sie dabei viel Neues lernten und sich über ihre verschiedenen Projekte austauschen konnten.

Spindler musste zum Beispiel in einem Rollenspiel einen Sponsor von ihrer Idee überzeugen.

"Das war gar nicht so einfach. Das ist ja normalerweise nicht mein Revier", erklärt die Röttenbacherin lachend. Diese Erfahrung kann sie nun für ihr eigenes Projekt anwenden. Für ihr Betreuungsangebot benötigen die beiden Frauen noch Sponsoren für Gesangsbücher, die speziell für Demenzkranke herausgegeben werden. Auch Spielkarten und ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel steht auf ihrer Liste. "Es müssen aber große Spielkarten und ein großes Spielbrett sein, damit man es besser anfassen und sehen kann", erklärt Griesbeck die Problematik.

Wie die beiden Seniorinnen hatten die meisten anderen Teilnehmer schon eine konkrete Projektidee.

Diese wurden dann während der Seminartage weiter ausgearbeitet und verfeinert. Dabei stießen sie auch auf Probleme und rechtliche Fragen, "auf die man selbst nicht kommt", berichtet Spindler. So rieten die Referenten zur Vorsicht beim Gebrauch von privaten Sachen. "Wenn ich meine eigenen Stühle für die Demenzbetreuung mitbringe, bin ich auch für Unfälle damit verantwortlich", erklärt die Röttenbacherin.

"Wir haben beim Seminar auch gelernt, dass wir an unserem Projekt dranbleiben und nicht so schnell aufgeben sollen", erinnern sich die beiden Frauen. Geplant haben sie nun eine sechsstündige Betreuung für Demenzkranke, immer donnerstags. "Wir wollen dadurch die Angehörigen entlasten."

"Man muss aber auch Leute hinter sich haben", weiß Griesbeck.

So läuft das Projekt der beiden Frauen unter dem Dach des Arbeiter-Samariter-Bundes und auch den Röttenbacher Bürgermeister Ludwig Wahl konnten sie mit ins Boot holen. Im Moment entwerfen sie Flyer, um auf ihr Betreuungsangebot aufmerksam zu machen.

Neben den beiden Frauen haben noch vier weitere Bewohner des Landkreises Erlangen-Höchstadt an dem Seminar zum Seniortrainer teilgenommen und ihre Ideen dort zur Reife gebracht. So möchte Marga Schmidt aus Mühlhausen ebenfalls einen Koch- und Betreuungskurs für Demenzkranke in ihrem Ort anbieten. Christine Hartmann aus Heßdorf hat einen Bürgerbus ins Leben gerufen, der Heßdorf und Großenseebach verbindet und ältere Menschen zum Einkaufen fährt.

Der Bubenreuther Gerhard Müller möchte eine Selbsthilfegruppe für Blasenkrebs starten und Eva Jakob aus Uttenreuth plant einen "Umsonst-Tauschen-Laden".

Anita Griesbeck und Irmtraud Spindler fühlen sich auf jeden Fall gerüstet für ihre kommenden Aufgaben. "Nach dem Seminar sind für unser Projekt keine Fragen mehr offen geblieben. Jetzt kann das Ganze richtig anlaufen. "
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