Herzogenaurach

Dorweiler in Herzogenaurach ist "Reformhaus des Jahres"

Dem Reformhaus Dorweiler wurde vom Dachverband Neuform der Titel "Reformhaus des Jahres" verliehen. Was unterscheidet es von einem Bioladen oder einer Apotheke oder Drogerie?
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Bei erhöhten Cholesterinwerten empfiehlt Ursula Dorweiler Artischocken-Extrakt und Haferkleie. Foto: Pauline Lindner
Bei erhöhten Cholesterinwerten empfiehlt Ursula Dorweiler Artischocken-Extrakt und Haferkleie. Foto: Pauline Lindner
Freundlich grüne T-Shirts hat Ursula Dorweiler bedrucken lassen, als sie erfahren hatte, dass ihr Geschäft den begehrten Titel errungen hat. "Reformhaus des Jahres wird man nur einmal im Leben", sagt sie erfreut.

Reformhaus, das klingt altbacken, was ist das? Wurden die nicht längst von Bioläden abgelöst? Auch durch diese provokanten Fragen lässt sich Dorweiler nicht erschüttern. Vielmehr bekannt sie sich dazu, dass der Name schon 125 Jahre alt ist. "Ja, er entstand mit der Reformbewegung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Damals, als auch anstelle der Schnürmieder die lose geschnittenen Reformkleider aufkamen."

Ausbildung an Fachakademie

Damals wie heute wollte man etwas für ein gesundes Leben tun. "Das ist auch die Einstellung unserer Kunden." Sie kommen zu ihr, weil sie gesund leben wollen und falls sie etwas zwickt, suchen nach ihnen bekömmlichen Lebensmitteln und/oder Naturarzneimitteln. Und dabei wollen sie beraten werden.

"Unsere Kunden wollen hochwertige Lebensmittel",sagt sie. Und: "Unsere Stärke ist die Beratung." Schließlich dürfe man ein Reformhaus nicht einfach so eröffnen. Es setzt eine Ausbildung an der Reformhaus-Fachakademie in Oberursel voraus. Von dort hat sie ihren Firmenleitspruch mitgebracht: "Wir lieben unsere Produkte und verkaufen unsere Liebe."

Da haben sie und ihre Mitarbeiterinnen viel gelernt über Naturarzneimittel und diätetische Lebensmittel. Ein Wissen, das sie tagtäglich brauchen.

Wie gerade jetzt. Eine Kundin fragt nach glutenfreier Sojasauce. Und ein anderer will etwas für seine Cholesterinwerte tun. Dorweiler empfiehlt ihm einen Extrakt aus Artischocken. "Das wissen viele. Das Zusammenspiel mit Haferkleie allerdings kennen viel weniger", sagt sie zu ihren schwungvollen Gesten. "Artischocken senken um zehn Prozent; Haferkleie auch. Aber zusammen schaffen sie 30 Prozent", erklärt sie ihm. Häufig rät Dorweiler zu einer Kombination aus hochwertigen Lebensmitteln und Naturarzneimitteln.

Denn Betreiber von Reformhäusern sehen den Menschen und seine Lebensweise ganzheitlich. Und respektieren immer den Wunsch der Kunden, der "von allem weg möchte, der kein Gift mehr schlucken möchte".

Reaktion nach Reaktorunglück

Diese Haltung schlägt sich auch im Anspruch an die geführte Ware nieder. Auf die Reaktorkatastrophe von Fukushima reagierte Dorweiler prompt. Sie verkaufte keine Tees aus Japan mehr. "Auch unsere Zulieferer achten auf solche Dinge. Wir erhalten schon mal ein Fax, dass wir eine Charge rausnehmen sollen", ergänzt sie. Dabei handle es sich immer um Produkte, die im normalen Lebensmittelladen weiter verkauft werden durften. Man sei eben besonders vorsichtig und dem eigenen Qualitätsanspruch verpflichtet.

Das trifft auch auf die vertriebene Naturkosmetik zu. Zum einen enthält sie keine Stoffe, die Allergien auslösen könnten. Damit hat Dorweiler betroffene und vorsichtige Kundinnen gewinnen können.

Zum anderen enthalten die Produkte keine Stoffe vom toten Tier und wurden nicht in Tierversuchen erprobt. Zwei Fakten, die manchen Kunden ebenso wichtig sind. Menschen, die sich zu einer vegetarischen oder veganen Lebensweise bekennen. Dementsprechend groß ist auch ihr Angebot an Lebensmitteln für sie. Aber man braucht deren Ideen nicht befolgen und kann trotzdem Geschmack an gepuffter Quinoa finden.

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