Hallerndorf
Forstkultur

Die Weißtanne soll zurück nach Hallerndorf

Der Staatswald bei Hallerndorf soll zu einem Mischwald umgebaut werden. Pfahlwurzler verhindern unter anderem größere Sturmschäden.
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Die Weißtannen sprießen und gedeihen in diesem Waldstück der "Unteren Mark" Fotos: Mathias Erlwein
Die Weißtannen sprießen und gedeihen in diesem Waldstück der "Unteren Mark" Fotos: Mathias Erlwein
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Die alte Tanne steht einfach nur da. Etwa 35 Meter hoch, mit einem Stammumfang von über vier Metern. Ein Koloss, wenn man direkt vor ihr in die Höhe blickt. Sie flößt einem Respekt ein. Der Wind streift scheinbar ehrfürchtig durch die riesige Krone, durch das Geäst schimmert die Sonne. Die anderen Baumwipfel blicken huldvoll zu ihr empor. Ein sanftes Säuseln ist zu hören. Atemberaubend, imposant, gewaltig.
Kein Wunder, dass diese über 300 Jahre alte Weißtanne einer der Lieblingsbäume von Förster Erich Daum ist. Er führt bei Waldbegehungen gerne Kinder aus dem Kindergarten oder der Schule dorthin. Obwohl es vieles zu bewundern gibt in "seinem" Wald. Das Gebiet, für das er zuständig ist, die "Untere Mark", umfasst ein Areal von etwa 2000 Hektar. Die Größe entspricht in etwa 3500 Fußballfeldern. Doch Weißtannen findet man darin wenige, nur etwa zwei bis drei Prozent sind im Bestand.
So alte und große sind eine Seltenheit. "Die Folgen der großen Luftverschmutzung in den 60er- und 70er-Jahren und enormer Schädlingsbefall führten bei uns zu einem großen Tannensterben", erklärt Daum.
Deswegen haben die Baye rischen Staatsforsten eine Aktion gestartet. Der Bestand der Weißtanne soll durch Nachpflanzungen vermehrt werden. "Waldumbau" hin zum Mischwald heißt die Zauberformel. Bei Baumarten wie der Eiche oder der Buche setzt man dabei auf Naturverjüngung. Ein pragmatisches Mittel, denn der Wald erneuert sich selbst. Ein reiner Fichtenwald kann durch gezieltes Auslichten so in einen Mischwald gewandelt werden. Doch der Bestand der Weißtannen ist - wie auch bei Linden und Lärchen - zu gering, dass darin genügend Samen aufgehen. Hier muss selbst Hand angelegt werden.
Bei der Weißtanne ist dies besonders aufwendig. Die walzenförmigen und bis zu 16 Zentimeter langen Zapfen stehen aufrecht an den Ästen und müssen von den Bäumen "gepflückt" werden. Ausgebildete Zapfenpflücker verrichten diese abenteuerliche Tätigkeit. In Bindlach bei Bayreuth wird das Saatgut aufbereitet und eingesät. Nach drei bis vier Jahren können die jungen Pflänzchen eingesetzt werden.
Dafür ist im von Erich Daum betreuten Waldgebiet Forstwirt Gerold Schmidt zuständig. Er hat jahrzehntelange Erfahrung und weiß, wo er den Spaten ansetzen muss, damit die zarten Pflänzchen sprießen. Jetzt ist er jeden Tag mit seinem Spezial-Spaten unterwegs. 5000 Weißtannen-Pflanzen lassen die Bayerischen Staatsforsten in diesem Herbst in der "Unteren Mark" einpflanzen, denn die Pfahlwurzler sind wichtig im Mischwald. Sie sind tief im Boden verankert und können auch großen Stürmen standhalten, wohingegen die Bäume in einem reinen Fichtenwald aufgrund der flachen, bodennahen Wurzeln wie Dominosteine umfallen würden. Etwa 10 000 Euro kostet die Maßnahme.
Damit der Waldumbau mit dem Konzept der Naturverjüngung und Pflanzaktionen gelingt, muss aber auch der Wildbestand kontrolliert werden. "Der Verbiss bei einem zu großen Rehbestand ist immens. Deswegen ist es unabdingbar, zu jagen", erklärt der Förster. Natürlich könnte man auch Schutzzäune errichten, doch das sieht er als wenig praktikabel und schlichtweg auch als zu kostenintensiv an. Er setzt sich ein für einen verträglichen Wildbestand im Wald. "Gerade erst hat das Landratsamt die Abschusszahlen für Rehe erhöht", sieht er sich in seinem Bestreben bestätigt. Auch die jüngst abgeschlossenen wissenschaftlichen Untersuchungen des Baumbestandes in seinem Revier bescheinigen ihm eine gute Arbeit. Im Jahr werden bei ihm zwischen vier bis fünf Hektar Neukultur gepflanzt. Eine Investition in die Zukunft und für künftige Generationen.
"Vielleicht erfreuen sich in ein paar Hundert Jahren wieder Kinder an den heute gepflanzten Tannen", sinniert der 54-Jährige beim andächtigen Blick in den Wipfel an seiner Lieblingstanne. Schon allein auch, um die Bedeutung der letzte Strophe des Oberfrankenliedes verstehen zu können: "Kehrst du wieder einst und suchst die Jugendzeit, singst mit Freuden Lieder, weil du nie bereut, dass die Tannen sangen dir ein Wiegenlied, deine Heimatliebe dir im Herzen blieb."

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