Höchstadt a. d. Aisch
Ehrenamt

Die Suche nach Helfern ist für Höchstadter Vereine oft schwierig

Auf der Suche nach Helfern, die sich am Vereinsgeschehen beteiligen und Verantwortung für ein Amt übernehmen würden, sind immer mehr Vereine.
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Kerstin Ramspeck (vone) und Katrin Kleetz kleben den Kindern Tattoos auf die Arme beim Sommerfest von Rumpelstilzchen. Foto: privat
Kerstin Ramspeck (vone) und Katrin Kleetz kleben den Kindern Tattoos auf die Arme beim Sommerfest von Rumpelstilzchen. Foto: privat
Immer mehr Vereine klagen darüber, dass sie all ihre Überredungskünste einsetzen müssen, um Freiwillige zur Arbeit zu motivieren. Woran liegt es? Sind die Leute zu faul, zu bequem? Oder haben sie keine Zeit mehr? Wie antiquiert arbeiten Vereine? Haben sie sich überhaupt an die moderne Zeit angepasst?
"Ich finde keinen Nachfolger für mich", klagt Stefanie Merschkötter. Die 41-Jährige ist die Erste Vorsitzende des Vereins Rumpelstilzchen der Eltern- Kind- Gruppe für emanzipatorische Bildungsarbeit.
Leider ist sie nicht die Einzige, die vor diesem Problem steht. Der Verein besteht seit 1987 und wurde von Eltern für die Betreuung ihrer Kinder im Alter von eineinhalb bis drei Jahren gegründet.
"Damals", sagt sie, "haben die Eltern die Gruppen im Wechsel selbst betreut.
Irgendwann war dies nicht mehr möglich und man hat Erzieher eingestellt." Sie führt den Vorsitz seit drei Jahren und möchte diesen abgeben, weil ihre Kinder aus dem "Rumpel-Alter" rausgewachsen sind und sie den Bezug zu den Eltern der Kleinsten verliert. Aber es wird immer schwieriger, Eltern zu mobilisieren. Keiner will ein Amt übernehmen, so die Sorge. Viele erklären dies mit zu viel Alltagsstress. Berufstätige Eltern müssen auch Zuhause noch viel tun. Kochen, Putzen, Kindererziehung: "Die Anforderungen in den Schulen sind höher", sagt Stefanie Merschkötter. "Früher hat man mit einem Haupt- oder Realschulabschluss eine gute Ausbildungsmöglichkeit bekommen.
Heute ist die Mindestanforderung ein sehr guter Realschulabschluss und bevorzugt wird das Abitur. Die Eltern fördern in der ihnen verbleibenden Zeit lieber ihre Kinder und auch den Ehepartner in seiner Karriere, und ihnen bleibt gefühlt keine Zeit mehr sich um den Verein zu kümmern."
Dass es aber gar nicht so viel Arbeit ist, kann man an ihrem Alltag sehen. "Wir bauen ein Haus, ich arbeite in Teilzeit und kümmere mich um den Haushalt und drei Kinder - und mir bleibt genug Zeit, alles für den Verein zu organisieren." All das funktioniere, weil die Aufgaben aufgeteilt werden, erklärt sie. Für die Kinder ist das eine tolle Sache. Sie sind stolz auf ihre Eltern, wenn sie mitten im Geschehen sind.


Ohne Vereine keine Feste

Und eigentlich wollen alle, dass Vereine auch Veranstaltungen machen. Die meisten vergessen, dass sie auch etwas von ihrem Beitrag zurück bekommen. Denn ohne ihren Einsatz würde es keine Veranstaltungen mehr geben.
"Es gibt immer wieder mal Verluste", bestätigt auch Günter Brehm von der Stadtverwaltung Höchstadt. Er organisiert das jährliche Altstadtfest. "Ein gewisser Aderlass ist vorhanden, je älter die Vereinsmitglieder sind, desto schwieriger wird es für die Vereine Nachfolger zu finden. Es ist sicher kein leichtes Unterfangen, Leute zu finden," sagt er. Der Verein Rumpelstilzchen und die Schützengilde 1608 können aus Mangel an Helfern nicht mehr am Altstadtfest teilnehmen.


Zeit einteilen

Dass es trotz unterschiedlicher Verpflichtungen klappen kann, weiß Luise Dümmler. Die 31-jährige Sozialpädagogin ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Sie arbeitet in Teilzeit und findet trotz Kindererziehung und Haushalt Zeit, sich in Kindergarten und Schule zu engagieren.
Ihr ist vor allem das Kommunikationsproblem zwischen Suchenden und Vereinen aufgefallen. Während der Recherche nach Schwimmunterricht und Synchronschwimmkursen für ihre Tochter, musste sie sich leider erst auf die Mund-zu-Mund-Propaganda im Umfeld verlassen. "Ich habe gemerkt, dass alles viel einfacher wäre, wenn es in Höchstadt einen Internetauftritt gäbe, der die Vereine miteinander vernetzt. Damit hätte man einen schnellen Überblick und alle hätten weniger Arbeit mit der Suche nach dem passenden Verein und der ersten Kontaktaufnahme."
Ihrer Ansicht nach seien die Vereine nicht auf die hochtechnisierte Zeit eingestellt und arbeiten mit antiquierten Mitteln und Methoden. "Die Internetauftritte sind nicht so konzipiert, dass der Interessierte sich schnell über alles informieren kann", sagt sie.
"Es war gar nicht so leicht herauszufinden, wer denn für was zuständig ist, und ob man anrufen oder mailen muss", erinnert sie sich und gibt somit zwei wichtige Erfahrungen weiter: Manchmal liegt es an der fehlenden Information, dass Helfer und Vereine nicht zusammenfinden, manchmal aber auch daran, dass man sich seine Zeit bewusster einteilen muss, wenn man sich dazu entscheidet, ehrenamtlich aktiv zu sein.
Filiz Mailhammer

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