Herzogenaurach
Politik

Die SPD verspürt den Schulz-Effekt auch an der Basis

Neun Zugänge verzeichnet die SPD im Unterbezirk. Die Kandidatur von Martin Schulz sorgt auch im Ortsverein Herzogenaurach für positive Stimmung.
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Der SPD-Kanzlerkandidat und künftige Parteivorsitzende, Martin Schulz, wurde am Sonntag in Berlin in der SPD-Parteizentrale von Parteianhängern gefeiert.  Foto: Kay Nietfeld/dpa
Der SPD-Kanzlerkandidat und künftige Parteivorsitzende, Martin Schulz, wurde am Sonntag in Berlin in der SPD-Parteizentrale von Parteianhängern gefeiert. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Kein Zweifel, der in den vergangenen Tagen vielfach zitierte Schulz-Effekt ist auch bei der SPD-Basis zu spüren. Neun Neueintritte von Mitgliedern sind seit der Kanzler-Kandidatur von Martin Schulz im Unterbezirk Erlangen verzeichnet worden. Im Ortsverein Herzogenaurach (236 Mitglieder) war es immerhin einer.

Ortsvorsitzende Renate Schroff freut sich auch persönlich darüber, dass Martin Schulz sich zur Kanzlerkandidatur bereit erklärt habe. "Er ist ein Politiker durch und durch", sagt sie im FT-Gespräch. Gerade in der jetzigen Europakrise und in den transatlantischen Beziehungen sei es von großer Bedeutung, dass Schulz schon enorme Erfolge in der Europapolitik eingefahren habe.

In Gesprächen mit den Mitgliedern, so auch jüngst bei einer Wahlkampf-Vorbereitung für den Bundestag, habe sie die positive Stimmung verspürt. "Wir im Ortsverein sehen das alle ähnlich", sagt Schroff.


Ein Ruck

Diesen Eindruck kann Fabian Dietl bestätigen. Auch der Geschäftsführer des SPD-Unterbezirks Erlangen greift auf einen viel zitierten Satz zurück: "Man merkt, dass ein Ruck durch Deutschland geht", sagt er. Und fügt hinzu, dass die Leute an der Basis jetzt viel motivierter auf ihn wirken. Zwei bis drei Neuzugänge seien es schon nach der US-Wahl gewesen. Doch der "Trump-Effekt" steigerte sich noch. Durch Schulz habe man jetzt schon weitere neun Zugänge, sagte er am Donnerstagvormittag, und das könne sich stündlich ändern.

Wie positiv sich die Entwicklung in der Partei auswirkt, zeige sich auch an den Anmeldungen zur Fahrt nach Vilshofen. Am politischen Aschermittwoch der bayerischen SPD spricht nämlich auch Martin Schulz.

An Austritte hingegen könne er sich für den Unterbezirk, dem knapp 1200 Mitglieder angeschlossen sind, nicht erinnern. Seit August leitet Dietl die Geschäfte, als Nachfolger für Jutta Ledertheil. Seither gab es nur Neuanmeldungen. Für Dietl ist das auch ein gutes Zeichen für die anstehende Bundestagswahl. Ähnlich sieht es Renate Schroff. Durch Unzufriedenheit habe die SPD in Herzogenaurach im ganzen letzten Jahr keinen einzigen Austritt verbuchen müssen.


Eitel wünscht klare Aussagen

Dass man durch den Schulz-Effekt bisher nur eine Neuanmeldung verzeichnen konnte, ist für die Vorsitzende nicht entscheidend. Sie spricht von der Gefahr des Strohfeuers. "Ich kenne die Leute doch", sagt sie. Sie wisse, dass sich viele nicht durch kurze Überlegungen leiten lassen. Vielmehr seien "unsere SPD-Mitglieder seit Jahrzehnten dabei."

Schroff legt aber auch Wert darauf, dass man dem bisherigen Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten Sigmar Gabriel keinen Vorwurf mache, im Gegenteil. Seine persönliche Charakterstärke, zu verzichten, erkenne man an. Auch die Parteiführung abzugeben, sei für ihn "außerordentlich schmerzhaft."

Auch Konrad Eitel, der frühere langjährige Stadtrat und Bürgermeisterkandidat in Herzogenaurach sowie amtierende Kreisrat, hält Schulz für einen "guten und geeigneten Kandidaten für beide Ämter." Aber natürlich hat der stets als unbequem geltende Genosse auch Kritik parat.

Etwas überraschend sei das für ihn schon gekommen, sagt Eitel. Dass die Entscheidung von wenigen Köpfen im Hinterzimmer getroffen wurde, sei nicht so berauschend. Andere streben hierfür eine Urabstimmung an.

Bei den Mitgliedern und auch in der Bevölkerung sei das Ergebnis gut angekommen. Dennoch mahnte Eitel: "Es sind noch acht Monate. Es kommt auf die Inhalte an." Die aber könne man nur gemeinsam erarbeiten. Vor allem dürfe es kein "Herumeiern" wie in der großen Koalition mehr geben, deren Gegner Eitel ist ("Ich habe dagegen gestimmt"). Schulz dürfe bei Fragen auch nicht ausweichen, ergänzte der Herzogenauracher Eitel hinsichtlich eines Fernsehinterviews, in dem der Kandidat zwar forsch und entschlossen aufgetreten sei, aber an manchen Fragen vorbei geantwortet habe. Eitel: "Ich wünsche mir mehr Klarheit."

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