Wo findet man Menschen, die gleichzeitig Kinderkrankenschwester, Pädagoge, Förderlehrer und Familienberater sind? Im Kindergarten. Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen erfüllen dort Tag für Tag diese Aufgaben. Und die Anforderungen an die fast ausschließlich jungen Damen werden immer größer. "Wir gehen manchmal auf dem Zahnfleisch hier raus", sagt Astrid Görner, Leiterin der Kindertagesstätte "Villa Kunterbunt" in Wachenroth, mit Filiale in Weingartsgreuth.

Wenn am Montag die Warnstreiks in kommunalen Kindergärten anlaufen, hat Astrid Görner ebenso Verständnis für die streikenden Kolleginnen wie die Adelsdorfer Villa-Regenbogen-Leiterin Marina Fleischmann, oder Tina Härtlein aus der viergruppigen Mühlhausener Kita.

In Wachenroth, Weingarts-greuth und Mühlhausen wird nicht gestreikt.
Vor allem auf dem Land wollen Görner und Härtlein berufstätige Eltern nicht vor das Problem stellen, wohin mit den Kindern. Ebenfalls nicht gestreikt wird in den kommunalen Kitas in Vestenbergsgreuth, Gremsdorf und Hemhofen. Betreuungseinrichtungen von kirchlichen Trägern sind vom Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi ohnehin nicht betroffen.

Neuigkeiten am Montag
Spannend macht es Adelsdorf. Dort hat die Villa-Regenbogen-Belegschaft zusammen mit der Gemeindeverwaltung gestern einen Beschluss gefasst. Worauf man sich verständigt hat, soll aber erst am Montag in der Früh den Eltern mitgeteilt werden. An diese Absprache werde man sich halten, erklärte gestern die Chefin Marina Fleischmann.

Die Adelsdorfer Kindertagesstätte war von der Gewerkschaft Verdi aufgefordert worden zu streiken. Ob die Mitarbeiterinnen diesem Aufruf folgen, wird sich am Montag zeigen. 89 Kinder wären in Adelsdorf betroffen, die irgendwie anderweitig untergebracht werden müssten. Gewerkschaftlich organisiert sei zwar niemand, aber beim Streik mitmachen könnten theoretisch alle, sagt Marina Fleischmann.

Die Situation der Beschäftigten wird in allen Kindergärten ähnlich gesehen. "Die Aufgaben werden immer mehr und vielfältiger", bringt es Marina Fleischmann auf den Punkt. Auch die Anforderungen, die Eltern an die Betreuungseinrichtung ihrer Kinder stellen, steigen.

Zu den pädagogischen Aufgaben, für die Erzieherinnen eine fünfjährige Ausbildung durchlaufen haben, kommen Sachen, wie beispielsweise strengere Hygienevorschriften. So packt Kindergartenleiterin Fleischmann mit an, wenn nach dem Mittagessen Tische und Stühle wieder abgewaschen werden müssen.

Damit jedoch noch lange nicht genug. Die Einrichtung muss nach jedem Essen noch desinfiziert und anschließend der ganze Vorgang auch dokumentiert werden. "Es wird immer mehr", klagt in Adelsdorf Marina Fleischmann.

Nicht von Eltern diktieren lassen
"Bei uns in Mühlhausen hat niemand das Bedürfnis, zu streiken", sagt Tina Härtlein. Bei ihr betreuen elf Mitarbeiterinnen 70 Kinder in zwei Kindergartengruppen, einer Kleinkind- und einer Krippen-Gruppe.

Wenn Härtlein auf ihre 20 Berufsjahre zurückblickt, sieht sie, wie sich das Aufgabenspektrum gewandelt hat. Heute müsse viel individueller auf die Kinder eingegangen werden, nach dem Motto, wer brauche wo was.
Aufpassen müsse man als Kindergartenpersonal auch, dass man sich nicht alles von den Eltern diktieren lasse, sagt die Mühlhausener Kindergartenleiterin. Sie traue sich schon zu, zu sagen, was Kinder brauchen und was nicht. Für Vorstellungen, dass Kinder schon im Kindergarten eine Fremdsprache lernen sollten, hat Tina Härtlein kein Verständnis.

"Kinder sollten Kind sein dürfen", ist ihre Devise. Sie lernen im Spiel und sollten auch nicht in eine Schiene gepresst werden. Energisch geht sie gegen das Vorurteil an, Kindergärtnerinnen würden den ganzen Tag nur spielen. Die Zeiten, in denen sich Kinder viel leichter betreuen ließen, sind schon längst vorbei.

Für Astrid Görner vom Wachenrother Kindergarten sei die den ganzen Tag auf dem Boden sitzende Kindergärtnerin ein völlig falsches Bild. In der Kinderbetreuung werde auch nicht ins Blaue hinein gearbeitet. Fördergrundlage sei vielmehr ein knapp 500 Seiten starker Bildungsplan.

Die Veränderung der Gesellschaft macht sich auch in den Kindergärten bemerkbar. Nach der Familie ist das Personal im Kindergarten für die Kinder der erste Ansprechpartner, bei dem Probleme abgeladen werden. Görner stellt fest, dass der Druck auf die Familien und auch auf die Kinder steigt: "Die Angst vor dem Schulversagen beginnt bereits im Kindergarten."

Start mit 2366 Euro im Monat
Mit all diesen Problemen und Anforderungen müssen die Mit-arbeiterinnen in den Kitas fertig werden. Dass sie dabei für bessere Rahmenbedingungen und auch etwas mehr Lohn kämpfen, ist verständlich.

Nach fünfjähriger Ausbildung steigen Erzieherinnen in kommunalen Einrichtungen mit einem Brutto-Monatsgehalt von 2366 Euro in den Beruf ein und können im Laufe der Jahre nach Tarif bis auf 3289 Euro kommen. Kinderpflegerinnen werden mit 2043 bis 2700 Euro entlohnt.