Röttenbach
Porträt

Die Höhen und Tiefen des TSV Röttenbach

Der TSV Röttenbach blickt auf 90 bewegte Jahre zurück. Zwar sind die Fußballer das Aushängeschild, aber auch andere Abteilungen haben beachtliche Erfolge.
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Diese Mannschaft stieg 1978 in die Landesliga auf. Foto: privat
Diese Mannschaft stieg 1978 in die Landesliga auf. Foto: privat
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Im Jahr 1927 hoben einige fußballbegeisterte Röttenbacher im Gasthaus Bräun ihren Turn- und Sportverein aus der Taufe. Anton Wölkner, ein zugereister junger Lehrer, war der Vorsitzende. Betrieben wurde Leichtathletik, aber hauptsächlich spielte man Fußball auf einem von der Gemeinde zugesprochenen Gelände in der "Kühtrieb" am Baiersdorfer Weg - im Volksmund später "Lamabuckl" genannt -, das von den Spielern in harter Eigenarbeit zuerst einmal gerodet und eingeebnet werden musste.
Nach dem Wechsel des Vereinslokals in das Gasthaus "Zur Eiche" übernahmen Ludwig Zenger und Konrad Seitz den Vorsitz. Die ersten Jahre wurde mehr schlecht als recht gespielt, meist gegen Mannschaften der umliegenden Dörfer wie gegen den TSV Neuhaus, mit dem schon 1928 eine Patenschaft vereinbart wurde. Wenig später schloss sich der Verein dem Verband "Deutsche Jugendkraft" (DJK) an und wechselte das Vereinslokal erneut zum Gasthaus "Zum Hirschen" (später Gasthof Keiner). Adam Kästner und Konrad Fuchs bildeten jetzt den neuen Vorstand.


Neubeginn 1946

Um 1940 wurde es zunehmend schwieriger, eine Mannschaft auf die Beine zu stellen und 1941 wurde der Spielbetrieb dann völlig eingestellt. 15 Spieler des Sportvereins kehrten aus dem Krieg nicht mehr zurück.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es einen Neubeginn und trotz schwieriger Verhältnisse und der großen Zahl von Gefallenen, Kriegsgefangenen und Verwundeten gelang es Ludwig Bittel schon 1946 , eine komplette Elf zusammenzustellen. Wurde anfangs noch "schwarz" gespielt, bekam der TSV Ende 1947 vom damaligen Landrat Dr. Fröhlich und der amerikanischen Militärverwaltung schließlich die erforderliche Lizenz, um den ordentlichen Vereinsbetrieb wieder aufnehmen zu können.
Das erste reguläre Spiel nach dem Krieg fand dann gegen den TSV Hemhofen statt und endete 2:2. Dieses Spiel war eines der letzten in der "Kühtrieb", denn Anfang 1946 konnte mit dem Landwirt und Mühlenbesitzer Johann Warter ein Pachtvertrag abgeschlossen werden, der dem Sportverein die Nutzung eines neuen Platzes am Lohmühlweg erlaubte. Schon bald zog der TSV vom "Lamabuckl" in die "Sandwüste" um und hatte damit 1947 seine endgültige Heimat gefunden. Das Vereinslokal wechselte zunächst noch einmal in die Brauerei Sauer.
Mit viel Gemeinschaftsgeist ging es nun stetig aufwärts und bereits 1949 stieg der TSV - zwischenzeitlich nannte man sich für einige Jahre TuSpo - in die B-Klasse auf. Im gleichen Jahr kam mit Hauptlehrer Schuster ein fußballbegeisteter Mann nach Röttenbach, der für die folgenden Jahre die Geschicke des Vereins in die Hand nahm.


Aufstieg in die A-Klasse

Im Spieljahr 1952/53 glückte dann der umjubelte Aufstieg in die A-Klasse. In der eigentlichen Punkterunde lag der TuSpo noch hinter der SpVgg Fürth, schaffte dann aber in einer doppelten Aufstiegsrunde gegen Germania Forchheim und gegen die Fürther mit 8:0 Punkten diesen großen Erfolg. Sechs Jahre gehörten die Röttenbacher, die sich jetzt endgültig TSV nannten, der A-Klasse an, bis in der Saison 1958/59 schließlich der Aufstieg in die II. Amateurliga gelang.
Mit den Erfolgen der Fußballer wuchs auch der Wunsch nach einer angemessenen Sportstätte. Zusammen mit einigen Mitstreitern ergriff Andreas Baumüller schließlich die Initiative für den Bau eines Vereinsheims. In rein ehrenamtlicher Arbeit entstand so bis 1965 das erste Sportheim. Zeitgleich kaufte der Verein weiteres Gelände dazu und im Jahre 1966 konnte mit dem zweiten Spielfeld endlich ein Rasenplatz benutzt werden. 1978 schaffte der TSV den Aufstieg in die Landesliga.


Neue Abteilungen

In den 70er Jahren wuchs der Verein stetig und war im Fußball sehr erfolgreich. Es entstanden weitere Abteilungen wie die Turnabteilung, die sich später allerdings wieder in einen eigenständigen Verein ausgliederte. Am 1. Oktober 1976 erfolgte die Gründung der Abteilung Tischtennis. Große Erfolge kamen in den 80er Jahren, in denen die Abteilung zeitweise über 100 Mitglieder zählte. Die Damen stiegen bis in die 2. Bundesliga, die Herren bis in die 3. Bezirksliga, die Jungen bis in die 1. Bezirksliga und die Mädchenmannschaft sogar in die Bayernliga auf. Mit Markus Müller hatte man sogar einen Bayerischen Jugendmeister im Verein.
Am 30. 8.1981 stießen dann auch die Volleyballer zum TSV Röttenbach. Eine kleine Gruppe Volleyballfans gründete damals eine Freizeitgruppe in dieser Sportart. 1988 bzw. 1990 konnte dann je eine Herren- und Damenmannschaft aufgestellt werden, die in der offiziellen Amateurliga antrat. Einen neuen Impuls erfuhr die Abteilung, als 2005 das neue Beachvolleyballfeld auf dem Sportgelände eingeweiht wurde und damit eine weitere Trendsportart angeboten werden konnte.
Gleichzeitig mit dem 60. Vereinsjubiläum des TSV Röttenbach wurde am 3. Juli 1987 noch die Abteilung Badminton gegründet. Die Entwicklung der Abteilung verlief in den ersten Jahren sehr rasant, so dass man nach nur zwei Jahren mit über 100 Mitgliedern zu den stärksten Vereinen in Mittelfranken gehörte. Die 1. Mannschaft spielte zeitweise in der Bayernliga.
Ein lang ersehnter Wunsch der Fußballer ging 2005 in Erfüllung, als die aufwendig umgebauten und erweiterten Sportanlagen am Lohmühlweg eingeweiht wurden. Mit einem neuen A-Platz mit Flutlicht- und Rasensprenganlage, einem B-Platz als Rasenspielfeld und dem C-Platz als Kleinspielfeld und Trainingsplatz stehen nun ideale Spiel- und Trainingsvoraussetzungen zur Verfügung. Heute ist der Fußball immer noch das Aushängeschild des TSV. Die finanzielle Lage ist nicht allzu rosig, aber dennoch ist der Verein im Vergleich mit anderen Amateurvereinen gut aufgestellt, nämlich schuldenfrei.

Der 83-jährige Schorsch Bräun, Sohn einer Röttenbacher Gastwirts- und Bäckerfamilie, selbst gelernter Bäcker mit Meisterprüfung, spielte 1955 ein halbes Jahr in der Bezirksliga-Würzburg 04. Nach Unterfranken hatte es ihn zusammen mit dem Röttenbacher Ludwig Schraut verschlagen, der ihm damals einen Arbeitsplatz als Bäcker in Würzburg besorgte. Nur auf Drängen seines Vaters, der ihn dringend für die Bäckerei zu Hause brauchte, kehrte er in die Heimat zurück.


Fast jeden Sonntag auf dem Platz

Mit seinen erworbenen Trainingskenntnissen, hauptsächlich denen von Alf Rimke, konnte er den Röttenbacher Sportlern viel beibringen, was sich damals in einem Aufstieg der Spieler bemerkbar machte. Wegen der Unmenge von Arbeit in der Bäckerei und auch teilweise aus Verletzungsgründen musste er die Fußballschuhe an den berühmten Nagel hängen, blieb aber dem Verein als Spielleiter noch lange Zeit zur Verfügung.
"Wir trainierten damals noch im Saal über der Bäckerei mit Bodenübungen und Seilspringen", erinnert er sich. "Dauerläufe haben wir auf den beleuchteten Straßen und Wegen der Gemeinde absolviert", fügt er noch an. Heute verbringt er fast jeden Sonntag auf dem Fußballplatz.


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