Dechsendorf
Bankenhochzeit mit Erlangen

Die Fusion der Sparkassen bahnt sich an

Details einer Bankenhochzeit von Höchstadt und Erlangen liegen auf dem Tisch. In trockenen Tüchern ist eine Fusion aber noch nicht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Informierten gestern in der Filiale in Dechsendorf über die angestrebte Fusion der Sparkassen, von links: German Hacker, Reinhard Lugschi, Alexander Tritthart, Florian Janik und Johannes von Hebel.  Foto: Christian Bauriedel
Informierten gestern in der Filiale in Dechsendorf über die angestrebte Fusion der Sparkassen, von links: German Hacker, Reinhard Lugschi, Alexander Tritthart, Florian Janik und Johannes von Hebel. Foto: Christian Bauriedel
Das Banner vor dem sich Verwaltungsratsvorsitzende und Vorstandsmitglieder aufgebaut haben, ist schon gedruckt. "Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach" soll die vereinte Bank heißen. Gestern wurden die Ergebnisse der seit Dezember laufenden Fusionsverhandlungen der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen und der Kreissparkasse Höchstadt in deren Geschäftsstelle in Dechsendorf verkündet.

Die beiden Verwaltungsräte in Erlangen und in Höchstadt haben einer Fusion zugestimmt. In Erlangen einstimmig, in Höchstadt nur mehrheitlich.

Dagegen stimmten die beiden Verwaltungsratsmitglieder Irene Häusler (FW) und Jörg Bubel (SPD). "Ich habe mit Herzblut gekämpft und einen Weg aufgezeigt, wie man alleine weiter machen könnte", sagt Häusler. Dies sei jedoch nur zur Kenntnis genommen worden. "Es hätte auch Alternativen gegeben", sagt auch Bubel. Ja, es gebe Einbrüche bei den Erträgen aus dem Zinsgeschäft. "Auch eine fusionierte Bank hätte die Probleme", sagt Bubel. Während er von der Sparkasse Höchstadt von einem "Spitzeninstitut" spricht, klingt die Prognose der Fusionsbefürworter wesentlich düsterer.

Wenn man nicht jetzt fusioniere, so der Höchstadter Sparkassenchef Reinhard Lugschi, müsse er "massiv Stellen abbauen". Eine Analyse habe ergeben, dass man in den nächsten fünf Jahren sechs bis acht Vollzeitstellen pro Jahr streichen müsste. Es gehe um rund 45 Mitarbeiter, die wegfallen müssten. Dann würde man nicht nur über die Schließung von kleineren Filialen sprechen, sondern über "fast die Hälfte", so Lugschi.

Landrat Alexander Tritthart (CSU) lobte die erfolgreichen Verhandlungen. Die Fusion mit dem fünf Mal größeren Haus in Erlangen finde "auf Augenhöhe" statt. Tritthart verwehrte sich des öfteren genannter Anschuldigungen, man "opfere" oder "verkaufe" die landkreiseigene Sparkasse. Man sei ja weiterhin paritätisch beteiligt.
Ende März ist mit einem Sitzungsmarathon zu rechnen. Denn nun soll alles hurtig gehen. Zuerst debattieren die Ausschüsse, dann die Gremien, die entscheiden. Namentlich: die Stadträte in Erlangen und Herzogenaurach, sowie der Kreistag. Es soll öffentlich beraten werden. Details, wie eine vereinte Sparkasse aufgestellt wäre, stellten die Politiker gestern vor.


Anteile: Bei einer fusionierten Sparkasse würden sich die Besitzverhältnisse ändern. Künftig würde die Stadt Erlangen 63 Prozent der Anteile halten. Der Landkreis Erlangen-Höchstadt wäre mit 30 Prozent beteiligt, die Stadt Herzogenaurach mit 7 Prozent. Bisher hielt der Landkreis 100 Prozent an der Kreissparkasse Höchstadt und 16,67 Prozent an der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen.

Vorstand: Der Vorstand soll zunächst aus vier Personen bestehen. Bei Ausscheiden eines Vorstandsmitgliedes soll das Gremium auf drei Personen verkleinert werden. Vorstandsvorsitzender wäre nach den Plänen Johannes von Hebel, bisher Chef in Erlangen. Stellvertreter soll Reinhard Lugschi, bisher Chef in Höchstadt, werden. Weitere Mitglieder im Vorstand wären Walter Paulus-Rohmer und Heinz Gebhardt. Thomas Pickel, bisher Co-Chef in Höchstadt, beweise sich gerade "an exponiertester Stelle" für einen Vorstandsposten in der Zukunft, so der Erlanger Vorstandschef Johannes von Hebel. Pickel sei zum Leiter des Fusionsprojekts bestimmt worden.

Vergütung: Die Fusion solle "keineswegs ein Anlass sein", die Bezüge von Vorstand oder Verwaltungsrat zu erhöhen. Das Gesetz schreibe vor, die Gehälter für ein Jahr nach der Fusion einzufrieren. Bei normalen Vertragsverhandlungen gelte dies nicht. Lugschi soll aller Voraussicht nach nächstes Jahre den Posten noch einmal für fünf Jahre bekommen. Aber auch hier gebe es eine Deckelung.

Verwaltungsrat: Die Verwaltungsräte sollen zusammengefasst werden. Bis 2020, also zum Ablauf der Kommunalwahlperiode, sollen es 14 Verwaltungsräte sein. Nach den nächsten Wahlen 2020 soll der Verwaltungsrat auf elf Posten schrumpfen: Vier aus Erlangen, drei vom Landkreis und eines von der Stadt Herzogenaurach. Weitere drei Vertreter aus der Wirtschaft würden auf Vorschlag von der Regierung von Mittelfranken ernannt.

Turnus: Wie bisher bei der Stadt- und Kreissparkasse Erlangen sollen in der Fusionsbank der Landrat und der Erlanger OB sich alle drei Jahre beim Vorsitz des Verwaltungsrates abwechseln. Bis 2020 würde OB Janik an der Spitze stehen.

Geschäftsstellen: "Fusionsbedingte" Schließungen wurden erneut ausgeschlossen. Nach der Definition des Wortes "fusionsbedingt" gefragt, antwortet Tritthart, es gebe keine "aktiv mit diesem Zeitpunkt und der Entscheidung einer Fusion" verbundenen Schließungen. Es sei jedoch nur ehrlich, dass man nie ausschließen könne, dass aus geschäftlichen Gründen irgendwann in der Zukunft Filialen geschlossen werden müssen. Von Hebel, der eventuell künftige Chef, betonte aber noch einmal die elementare Bedeutung von einem dichten Filialnetz auch in der Fläche.

Mitarbeiter: Es soll keine "fusionsbedingten" Kündigungen geben. Auch hier könne man nicht ausschließen, dass irgendwann die wirtschaftliche Entwicklung einen Stellenabbau nötig mache.
Einen Seitenhieb auf die Junge Liste (JL) um den Höchstadter Bürgermeister Gerald Brehm erlaubte sich Johannes von Hebel. Die JL müsste eigentlich zu den "glühendsten Befürwortern" zählen, da es ihr um den Erhalt der Filialen, der Jobs und des hohen Spendenaufkommens/Sponsorings gehe. Genau das wolle man durch die Fusion erhalten, so von Hebel.


Kommt ein Bürgerentscheid?

Tritthart betont, er werde gerne zur Bürgerversammlung am Dienstag um 19 Uhr in die Aischtalhalle kommen und auch sprechen, wenn er denn Rederecht bekomme. Dies wäre formal nicht zulässig, weil er kein Bürger von Höchstadt ist. Auch einen von der JL ins Spiel gebrachten Bürgerentscheid kommentiert Tritthart: "Uns liegt noch nichts vor." Er habe von der Regierung das Signal bekommen, dass ein Begehren im ganzen Landkreis durchgeführt werden müsste, nicht nur in Höchstadt. Die JL müsste fünf Prozent der Wahlberechtigten (etwa 5000 Personen) haben. Dann wäre ein Entscheid möglich. Allerdings nur, wenn dies noch vor der finalen Entscheidung im Kreistag am 31. März eingereicht wird.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren