Für Verena Haas war es völlig klar, warum eine Stelle der Stadt Herzogenaurach sie besonders reizte. "Mir haben die Franken so unendlich viel gefehlt, da kam das Angebot genau richtig." Aber auch das Angebot war "genau richtig". Die Stadt brauchte einen Nachfolger für den Jugendpfleger Andreas Wurzel, der der Liebe wegen in die Schweiz gezogen ist und hier eine Lücke im Freizeitheim hinterlassen hatte.
Diese Lücke möchte Verena Haas nun füllen. Am gestrigen Montag trat sie ihre neue Stelle an und wurde vom Bürgermeister German Hacker (SPD) an ihrem neuen Arbeitsplatz im Freizeitheim herzlich begrüßt. Er erklärte zunächst, warum man so lange "dicht gehalten habe" in dieser Personalentscheidung. Denn Haas ist erst seit dem vergangenen Wochenende wieder in fränkischen Gefilden. In Bonn war ihr letzter Arbeitgeber und sie war bis gestern noch nicht greifbar gewesen.

Jugendarbeit als Ausgleich


Die 31-Jährige ist diejenige, die "nach dem harten Auswahlverfahren genommen wurde", sagte Hacker. Darüber ist die geborene Nürnbergerin sehr glücklich. Dass sie wieder in ihre fränkische Heimat wollte, sei aber nur ein Aspekt gewesen. Denn nach dem Abitur und Studienzeiten in Erlangen und Nürnberg sowie einer Station in der Erwachsenenausbildung in Haßfurt, ging es für sie in die ehemalige Bundeshauptstadt.
Mit dem Schwerpunkt Sozialpsychiatrie arbeitete sie in einem Wohnheim für psychisch-kranke Erwachsene. "Zeitgleich arbeitete ich in der ehrenamtlichen Jugendarbeit, das war für mich immer so ein Ausgleich", erklärt die junge Frau ihre Beziehungen zu den Jugendlichen. Abgesehen davon, dass diese ehrenamtliche Betätigung in Nürnberg stattfand. Bei den evangelischen Pfadfindern war und ist sie im Bereich der Weiter- und Fortbildung aktiv.
In Bonn wechselte sie nach zwei abgeschlossenen Projekten wiederum den Arbeitgeber. In einem Jesuitenkolleg übernahm sie die Leitungsfunktion im Bereich Jugendarbeit. Im Rahmen von Missbrauchsdiskussionen, die noch nicht abgearbeitet waren, verließ sie die Jesuiten allerdings wieder - "das war nicht meines", erläuterte Haas.
Mit all diesen Erfahrungen startet sie nun in Herzogenaurach - und freut sich. Sie erklärt: "Mein Ansatz ist es zu sehen, was jemand kann, und nicht, was jemand nicht kann." Ein guter Ansatz gerade für das Projekt "Herzo-Coach", das sie betreuen wird. Doch die Vollzeitstelle wird noch mehr Aktivitäten beinhalten. Neben dem Herzo-Coach wird das inhaltlich der Schwerpunkt Ferienbetreuung sein, aber auch die Zusammenarbeit mit dem Jugendbeirat.
Und wenn dann noch Zeit bleibt - "Oder der Leiter Martin Vogel im Urlaub ist!" - mag sie sich auch um die Senioren kümmern. "Ich sauge gerne die Geschichten der Senioren auf, das ist spannend", sagt Haas.

Schuhe aus Herzogenaurach


Der sich momentan nicht im Urlaub befindliche Vogel fügt lächelnd hinzu: "Wir müssen hier halt auch irgendwie alles können", es wird also Zeit für das Aufsaugen der Seniorengeschichten geben. Mit Herzogenaurach verbindet die 31-Jährige eigentlich nur eines: "Ich habe vor zehn Jahren meine Laufschuhe hier gekauft. Die sind zwar ziemlich abgelatscht, aber sie haben mich immer begleitet." Auch jetzt wieder, auf dem Weg nach Herzogenaurach.