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Reinersdorf
Auftakt

Die Diva ziert sich noch

Alle warten auf den Spargel. Aber bei der Kälte, die momentan herrscht, bleiben die Stangen lieber im Boden. Doch in Reinersdorf wird schon ein bisschen geerntet.
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Das Christkind kommt pünktlich zu Heiligabend, auch der Osterhase hoppelt bei jedem Wetter rechtzeitig zu den Feiertagen vorbei. Der Auftakt der Spargelsaison ist für den Franken zwischen Aurach und Aisch auch ein hoher Feiertag: Aber niemand kann genau sagen, wann es richtig losgeht.

Offiziell sollten sich die Spargelspitzen gestern dicht an dicht aus den Beeten drängen. Der Landrat war nach Reinersdorf auf den Vorzeige-Betrieb der Familien Uebel und Steiner gekommen, um den Startschuss für die Saison zu geben. Auch die übrigen Offiziellen vom Landratsamt, dem Amt für Landwirtschaft und vom Bauernverband waren alle da. Nur der Star des Tages machte sich rar.

Kaum ein Stänglein drängte unter der schwarzen Folie nach oben. "Heute früh, als ich die Beete abgedeckt habe, war Eis auf der Folie", sagt Leonhard Uebel, der Senior-Chef.

Zwölf Grad sollten es 20 Zentimeter tief drin im Boden schon sein, dass der Drang nach oben einsetzt. In der Nacht auf Montag brachte es das Quecksilber am Thermometer aber grade mal so auf minus zwei Grad.
Beschwörende Worte fand Landrat Eberhard Irlinger (SPD). "Das schöne Wetter macht uns Hoffnung, dass es jetzt losgeht. Spargel wird immer beliebter." Diese gefühlte Aussage des bekennenden Spargel-Liebhabers wird gestützt von den Zahlen der landwirtschaftlichen Statistik: In den letzten 15 Jahren hat sich die Spargelanbaufläche bayernweit auf rund 2600 Hektar verdoppelt. Im Landkreis Erlangen-Höchstadt wächst auf etwa 70 Hektar Spargel. Da sind die 3000 Quadratmeter der Familie Uebel auch mit drin. Im Landkreis sei er einer der kleinsten Spargelbauern, erklärt Leonhard Uebel. Aber er und seine Familie haben mit der Fläche gut zu tun. Spargel ist ein strenger Herr und will den Bauern jeden Tag auf dem Acker sehen. Genauer gesagt sogar zwei Mal, denn gestochen wird früh und abends.

Unter der Woche tun das Leonhard und seine Frau Betti oft allein; an den Wochenenden ist auf dem Acker aber richtig was los. Da helfen Schwiegersohn Horst Steiner und Tochter Gudrun Steiner, die den Hof im Nebenerwerb übernommen hat. Auch die viel Verwandtschaft macht meist Freitag, Samstag, Sonntag den Buckel krumm bei dieser schweren Arbeit.

Gestern war zwar keine Verwandtschaft da, aber auf dem Hof drängte sich trotzdem ein Pulk Menschen, lauschte den Worten der Offiziellen . . . und träumte von Butterspargel. Sogar die drei Katzen der Familie schauten, was die Leute vor dem Haus in der Sonne machen; einschließlich der Nachbarskatze, die auch auf einen Sprung rüberkam. So viele Fremde auf einmal stehen sonst nicht Montagfrüh in Reiner sdorf rum, auch wenn die Familie Uebel ihren Spargel direktvermarktet.

Der Landrat hielt die Fahne hoch und appellierte für vernünftige Ernährung auf den Standbeinen "saisonal und regional". Da rutscht doch Weisendorfs Bürgermeister Alexander Tritthart (CSU) raus, dass er zwar dem Spargel brav nach Johanni abschwört; aber bei den Erdbeeren bleibt er nicht so eisern. Kaum war's raus, bekam er was zu hören. Das mit den ausländischen Erdbeeren wird ihm noch lange anhängen.

Zu hören war für Mensch und Tier, dass im Landkreis Erlangen-Höchstadt bayernweit die meisten Sonderkulturen angebaut werden. Und dann war nur noch der Ruf des Spargels zu hören vom Feld schräg gegenüber. Der Tross stand zwischen den Beeten, der Bürgermeister streifte den Gummihandschuh über, der Landrat hatte keinen, brauchte er aber auch nicht. Ohne Handschuhe, im feinen Zwirn und Schuhwerk, grub Irlinger beherzt das weiße Gold des Franken aus.

Die Technik ist zwar noch ausbaufähig, aber auch die Experten machen beim Ernten kleine Unterschiede. Gudrun Steiner schaut nach Brüchen in der Erdkrume. Sie fährt an der Stelle mit zwei Fingern in den Boden und gräbt die Stangen vorsichtig aus, da der Stock oft kleine Nachzügler hat. Die sollen nicht beschädigt werden. Nachbar Georg Heubeck dagegen wartet, bis die Köpfe der Stangen rausspitzen, bevor er zum Spargelstecher greift.
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