Herzogenaurach

Der heilige Josef wacht über die Bewohner

In der Nachkriegszeit herrschte auch in Herzogenaurach Wohnungsnot. Eine neue Siedlung entstand mit viel Eigenleistung in den Weihersbachanlagen.
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Die Josefsstatue steht heute noch am ursprünlichen Standort an der Damaschkestraße. Fotos: Manfred Welker
Die Josefsstatue steht heute noch am ursprünlichen Standort an der Damaschkestraße. Fotos: Manfred Welker
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Vor 65 Jahren, am 26. April 1952, wurde die Josefsstatue an der Abzweigung der Adalbert-Stifter-Straße von der Damaschkestraße ihrer Bestimmung übergeben. In den schwierigen Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg war sowohl für Neubürger als auch Einheimische eine neue Siedlung entstanden, die bei vielen Herzogenaurachern immer noch Josefssiedlung heißt.

Als Symbol dieser Siedlung sollte eine Statue des heiligen Josef, dargestellt als Zimmermann und Schutzpatron der Arbeit, errichtet werden. Durch Spenden der Stadtbevölkerung konnte die Statue in Auftrag gegeben werden. Die Steinstatue wurde nach Entwürfen des Bamberger akademischen Bildhauers Robert Bauer-Haderlein von Bildhauermeister Hans Gast angefertigt.

Das Neubaugebiet, das damals noch als Siedlung am Weihersbach bezeichnet wurde, sah die Enthüllung und Einweihung der St.-Josef-Statue am 26. April 1952 um 16.45 Uhr vor. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 35 Häuser mit 70 Wohnungen errichtet worden. Die kirchliche Weihe vollzog Stadtpfarrer Leonhard Ritter, der betonte, dass Fleiß und Ausdauer die Bewohner dieser Stadt auszeichnen. Jedes Werk könne aber nur dann wirklich gedeihen, wenn der Segen Gottes darauf liege.


Lob für Eigeninitiative

Auch Bürgermeister Hans Maier und Landrat Peter Weber aus Höchstadt hoben die Tatkraft jener Menschen hervor, die sich hier ein neues Heim geschaffen hatten und einen neuen Stadtteil entstehen ließen.

An der Feierstunde nahmen Vereine mit ihren Fahnen teil. Die Musikkapelle der Feuerwehr und der gemischte Chor des "Volkschors" umrahmten die Veranstaltung.

Eine Folge der gestiegenen Einwohnerzahl nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war auch in Herzogenaurach fehlender Wohnraum. Nahezu jedes Haus in der Stadt war zusätzlich mit Heimatvertriebenen belegt worden, in den Wirtshäusern dienten die Tanzsäle als Massenquartiere.

Ein wichtiges Ziel der Nachkriegsjahre war es daher, die Wohnungsnot zu beheben. In den Jahren von 1950 bis 1952 entstand daher unter Bauleitung der Gemeinnützigen Wohnungsbau-Genossenschaft "Eigenheim" eine neue Siedlung am Weihersbach. Mit der Josefssiedlung war ein vollkommen neues Viertel der Stadt entstanden.

1950 wurden neun Doppelhäuser mit 36 Wohnungen errichtet, 1951 acht Doppelhäuser mit 32 Wohnungen. Den Abschluss machten 1952 acht Häuser, davon vier Einzelhäuser mit je zwei Wohnungen.


Musterhäuser zum Besichtigen

Die "Neue Siedlung im Weihe rsbach" wuchs rasch. Nach Errichtung der ersten Häuser konnten von Samstag, 15. Juli, bis Freitag, 28. Juli 1950, die komplett eingerichteten Wohnungen auf Einladung der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft "Eigenheim" von Interessenten besichtigt werden.

Besonders hervorgehoben wurden in der Anzeige die Möbel, die elektrische Ausstattung, aber auch Öfen und Herde sowie die Rundfunkgeräte. Am Samstag, den 22. Juli 1950, wurden die Wohnräume um 18 Uhr durch Pater Franz Prinz von Löwenstein eingeweiht. Jeder Interessent musste sich im Genossenschaftsregister eintragen lassen und einen Gemeinschaftsanteil in Höhe von 300 DM einzahlen. Danach wurden die Baulose verteilt und die Häuser in Gemeinschaftsarbeit errichtet.


54 Quadratmeter Zuhause

Eine Siedlungsparzelle mit rund 700 Quadratmetern Grund wurde mit einem Haus bebaut, das 54 Quadratmeter Grundfläche hatte. Geplant waren ursprünglich pro Siedler 2500 Arbeitsstunden, die sich jedoch im Lauf des Baues erhöhten. Das lag zum Teil daran, dass Verbesserungen an den Gebäuden eingebracht wurden, wie äußere Kellereingänge, Terrassen und eigene Terrassentüren.

Schon drei Jahre nach Baubeginn konnten Kaufverträge ausgestellt werden. Das bis 1954 bebaute Gelände beträgt 30 000 Quadratmeter, die gesamten Baukosten beliefen sich auf 720 000 DM.

Die Siedler oder Hauptmieter waren mindestens zu 60 Prozent Einheimische. Sowohl Einheimische als auch Heimatvertriebene arbeiteten miteinander an der neuen Siedlung. Während der monatelangen, mühevollen Arbeit war das Wort Selbsthilfe und Gemeinschaft großgeschrieben.

Da ein neuer Siedlungsbereich von Herzogenaurach im Entstehen war, musste auch die Nahversorgung der Bevölkerung sichergestellt werden. Bereits am 4. Oktober 1948 eröffnete Maria Körner im Anwesen Sandstraße 5 ein Lebensmittelgeschäft. Dem Anzeigenblatt ist zu entnehmen: "Gebe der Einwohnerschaft von Herzogenaurach, besonders den Anwohnern der Weihersbachanlagen, bekannt, dass mein Lebensmittel-Geschäft kommenden Montag, 4. Oktober 1948, eröffnet wird."


Namenswechsel

Drei Jahre später eröffnete Jakob Groß in der Damaschkestraße 1 die Gastwirtschaft "Eigenheim". Zur Orientierung gab er an, dass das neue Lokal "am Weihersbach" liege. Vor der offiziellen Eröffnung gab es bereits am Freitag eine Schlachtschüssel und am Samstag eine "gemütliche Kaffeestunde" mit Musik. Ausgeschenkt wurden Biere aus der Herzogenauracher Brauerei Hubmann. In der neueren Zeit war die Gaststätte unter dem Namen "Zum Tiroler" ein beliebtes Lokal.


Unternehmen setzten sich ein

Die Wohngebiete der Jetztzeit liegen noch weiter außerhalb oder in den Ortsteilen. Die Statue des heiligen Josef soll jedoch stets an die gemeinsame Anstrengung Einheimischer und Heimatvertriebener erinnern.

Besonders die Firma INA kümmerte sich um den Wohnungsbau für ihre Mitarbeiter. Es entstanden sowohl Einfamilien- bzw. Zweifamilienhäuser als auch Wohnanlagen, im INA-Ring (ab 1952/53), im Turnerweg (ab 1953), Zum Schwalbennest (ab 1954) und in der Kantstraße (ab 1958).

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