Wachenroth
Brauchtum

Der "Supercorsa" heizte vor Kerwa-Umzug ein

Bei der Wachenrother Kerwa erlebten die Zuschauer des Umzugs ein besonderes Spektakel: Anstelle eines Bulldogs mit Hänger fuhr an erster Stelle ein überlanger Opel die Straße entlang.
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Der Schwallclub hat die Wachenrother Kerwa vor vielen Jahren wiederbelebt und unterstützt auch heute noch die Kirchweihjugend. Heuer kündigte ein umgebauter Opel den Umzug an. Fotos: Sonja Werner
Der Schwallclub hat die Wachenrother Kerwa vor vielen Jahren wiederbelebt und unterstützt auch heute noch die Kirchweihjugend. Heuer kündigte ein umgebauter Opel den Umzug an. Fotos: Sonja Werner
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Schon einen Gag vorab hatte sich der "Schwallclub" aus Wachenroth - quasi die Altburschen - einfallen lassen, bevor der Kerwasumzug der jetzigen Ortsburschen am Sonntag zu seinen Ehren kam: Ein selbstgebauter "Supercorsa" fuhr zuerst die Straße entlang und wurde mit viel Beifall der zahlreichen Zuschauer belohnt. Das tolle Gefährt diente dann ordentlich abgestellt nach dem Umzug als originelle Bühne für die Kerwaspredigt, vorgetragen von Johannes Philipp. Seine "Premiere" hatte das in trendigem Lila gehaltene Gefährt schon am Vortag beim Einholen der Kerwasficht'n gehabt: Es transportierte die nach getanem Fällwerk unabdingbare Brotzeit in den Wald.

Der Schwallclub - ein eingetragener Verein - hat sich der Pflege der Tradition verschrieben und die Wachenrother Kerwa vor etlichen Jahren wiederbelebt. Auch heute noch arbeiten sie mit der Kirchweihjugend zusammen und lassen sich immer wieder etwas einfallen. Gebaut hat das Prachtstück Bernhard Wächtler, seines Zeichens Kfz-Meister, ganz in Eigenregie - natürlich unterstützt von Helfern. Rund 100 Arbeitsstunden hat Wächtler in das gute Stück gesteckt, bis es so dastand, wie es jetzt aussieht. Für normale Fahrten ist es natürlich nicht geeignet und gar nicht zugelassen, dass wissen die Jungs vom Schwallclub selbstverständlich. "Aber für die eine oder andere Besonderheit werden wir es schon noch verwenden können", sind sie sich einig.

Blicke über den Tellerrand


Für den eigentlichen Umzug hatten sich die Burschen und Madla auch wieder allerlei einfallen lassen. Der Wachenrother Umzug ist weit über den Ort hinaus bekannt dafür, dass er nicht nur das Ortsgeschehen, sondern auch landes- oder staatspolitische Ereignisse glossiert. Acht Wagen waren es heuer - dreimal griffen die jungen Leute über den örtlichen Tellerrand hinaus. Der nicht fertig werdende Berliner Flughafen oder die Verwendung von Nahrungsmitteln für Biosprit wechselten mit für die Betroffenen peinlichen, für die Zuschauer amüsanten Begebenheiten im Jahresablauf. Als guter Rat ging an die Feiernden: "Gebt euer Geld auf dieser Kerwa aus - stimmt der Mayakalender, ist es die Letzte, die ihr feiern könnt."

Ihre Arbeit hatten die jungen Leute nicht nur beim Sammeln der Themen und Vorbereiten der Wagen. Auch während des Umzugs hatten sie mehr zu tun als hinterher zu laufen. In Wachenroth werden nämlich zu jedem Motto auch passende Szenen gespielt. Mit dem Metermaß messende verzweifelte Politiker, wilde Mayakrieger - auf jedem Wagen stand eine kleine oder größere Gruppe agierender Kerwasburschen und -madla und verdeutlichte, was Sache war. Das Bonbonwerfen für die Kinder wurde natürlich dennoch nicht vergessen.
Musik und gute Laune war an jedem Tag geboten, Baumaufstellen, Hahnenschlag und die beliebte Kerwasolympiade vervollständigten das Kirchweihprogramm von Freitag bis Montag. In Wachenroth wurde ausgiebig gefeiert - und an den von den Mayas vorhergesagten Weltuntergang Ende 2012 und damit das Ende der Kirchweih muss ja niemand glauben.
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