Welkenbach
Comingout

Der Landrat ist ein Milchbub'

Alexander Tritthart gab vor den Schülern der Don Bosco Schule Höchstadt zu, was die Viertklässler zu spontanen Begeisterungsapplaus veranlasste.
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Die Kuh und deren Produkt "Milch " stand im Mittelpunkt des besonderen Erlebnistages.  Fotos: Michael Busch
Die Kuh und deren Produkt "Milch " stand im Mittelpunkt des besonderen Erlebnistages. Fotos: Michael Busch
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Weit weg vom Bauernhof von Hans und Kerstin Gumbrecht gibt es etwas, das den einen oder anderen verblüffen mag. In Amerika investieren zwei große Brausehersteller viel Geld, um an den Schulen ihre süßen, zuckergeschwängerten Produkte verkaufen zu dürfen. Das wird trotz der gesundheitlichen Risiken von den Schulen gerne angenommen, um ein paar Dollars zu haben, um Projekte mit den Sponsorengelder finanzieren zu können.
Zurück nach Welkenbach, denn beim Erlebnistag "Lernen, erleben, aktiv sein" bekommen die Schüler eine Idee präsentiert, die im Grunde viel sinniger ist. Irene Meyer vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürth berichtet über das "Europäische Schulmilchprogramm". Mit dem Programm "Milch in Kita und Schule" soll Schulen die Möglichkeit geboten werden, von der Europäischen Union bezuschusste Milch zu beziehen, um diese den Schülern anzubieten. "Diese Idee ist ohne große bürokratische Hürden umsetzbar für die interessieren Schulen", sagt Meyer.


Gestrüpp sind Zitzen

Unterstützung erhält sie vom Landrat Alexander Tritthart (CSU), der zugibt: "Ich trinke eigentlich gar keinen Kaffee, lieber möchte ich morgens eine Tasse Kaba!" Werbung, die bei den Schülern an diesem Tag gut ankommt. Sie sind vom Landrat begeistert. Fast so begeistert, wie von dem nach den eher trockenen Reden des Politikers und des Leiters der zuständigen Behörde, Horst Krehn, folgenden Erlebnistag.
Denn die Schüler hatten die Chance zu erfahren, dass Milch nicht nur gut schmeckt, sondern auch einen spannenden Produktionsweg hat. Bemerkungen und Fragen wie "Die Kuh ist gar nicht lila!" und "Geben schwarze Kühe wirklich mehr Milch als braune Kühe?" wurden von Kirstin Gumbrecht altersgerecht beantwortet. Auch mit der Bemerkung "das Gestrüpp da unten an der Kuh" wusste die Landwirtin sofort zu beantworten. "Du meinst die Zitzen?", stellte sie klar und konnte anhand dieser gewonnen Erkenntnis die automatische Milchmelkanlage perfekt erklären.
Für die Familie Gumbrecht ist diese Art des Unterrichtes selbstverständlich. "Lernen, leben, aktiv sein - dazu ist der Bauernhof der ideale Ort”, erklärt Kirstin Gumbrecht. Gerade für Kinder mit Förderbedarf sei das Erlebnis auf dem Bauernhof von unschätzbaren Wert. Das betonte auch Tritthart. "Wir sind gerne hierher nach Welkendorf gekommen, denn es ist wichtig, dass Kinder sehen, woher die Produkte kommen und auch welche Produkte es überhaupt gibt."


Erfahrung statt Abstraktes

Natürlich wies Tritthart auch auf die schwierige Situation der Landwirte allgemein, aber auch der Milchbauern im Speziellen hin. "Sagt euren Eltern ruhig, dass nicht unbedingt das billigste Produkt das beste Produkt ist", gab er optimistisch den Schülern mit auf den Weg.
Offene Türen rannte er damit bei Ludwig Klaus ein. Der neue Schulleiter der Don Bosco Schule in Höchstadt betonte, wie wichtig eine gesunde Ernährung in der Schule ist. "Wir wollen erfahrungsorientiert arbeiten. Also sinnlich und nicht nur abstrakt wahrnehmen, was um einen herum passiert."
Das funktionierte dann auch einwandfrei. Julia zeigte sich begeistert, dass "die Kuh sich echt anfassen lässt" und Philipp ist sich sicher, dass "manche Kühe Nasenringe tragen, weil sie echte Schlawiner sind".
Das von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner initiierte Programm "Erlebnis Bauerhof" hat sich bei den Grund- und Förderschulen im Freistaat bereits zu einem Dauerbrenner entwickelt. Der Minister teilte mit: "5100 Schulklassen haben mit mehr als 100 000 Kindern an landesweit mehr als 500 Bauernhöfen an diesem Programm teilgenommen."


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