Erlangen
Wohnviertel

Der Großparkplatz in Erlangen soll verschwinden

Der Großparkplatz in Erlangen wird einem neuen Wohnviertel weichen. Dennoch sollen die rund 1900 Parkplätze erhalten bleiben. Das zentrumsnahe "Filetstück" zwischen Bahnhof und A 73 ist Teil einer umwälzenden Stadtentwicklung.
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Der Erlanger Stadtrat sieht im Großparkplatz hinter dem Bahnhof ein geeignetes Areal für ein neues Wohnviertel. Doch auch in Zukunft müssen die Autos wohin. Foto: Christian Bauriedel
Der Erlanger Stadtrat sieht im Großparkplatz hinter dem Bahnhof ein geeignetes Areal für ein neues Wohnviertel. Doch auch in Zukunft müssen die Autos wohin. Foto: Christian Bauriedel
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Erlangen geht der Platz aus. Im Norden der Burgberg, im Süden die A3. Östlich begrenzt das Naturschutzgebiet Tennenloher Forst die Ausdehnung der Stadt, die seit Jahren einen Wirtschaftsboom erlebt. Westlich der Innenstadt allerdings gibt es noch einen Rest an freier Fläche, den die Stadtplaner im Auge haben: den Großparkplatz zwischen Autobahn und Bahnhof.

Hier könnte bald ein neues Viertel mit Wohnungen und Büros entstehen. Schon seit Jahrzehnten gibt es die Idee, die Parkplätze lieber in einem Parkhaus hoch zu stapeln und den gewonnenen Raum zu nutzen.

Dass der Großparkplatz gerade jetzt auf die Tagesordnung kommt, sei nicht grundlos, sagt OB Florian Janik (SPD). Zum einen werde ein Haltepunkt der Stadt-Umland-Bahn (StUB) direkt hinter dem Bahnhof liegen. Das "verkehrlich top erschlossene" Areal werde dann noch weiter aufgewertet.

"Dazu kommt, dass es eine Schwerpunktverlagerung in den Stadtsüden geben wird", sagt Janik. Der OB spricht damit den neuen Siemens-Campus an der Paul-Gossen-Straße an. Dorthin wird der Konzern in ein paar Jahren seinen bisherigen Standort im Zentrum verlegen. "Dann brauchen wir einen Impuls für unsere Innenstadt", sagt Janik.


Zum Teil günstige Wohnungen

Wobei der OB betont, dass keine neue Konkurrenz für die Läden in der Altstadt entstehen soll: "Es wird keinen Handel, kein neues Einkaufszentrum geben." Es gehe um Wohnungen und Büros. Auch der soziale Wohnungsbau werde mit einbezogen. "Es wird mit Sicherheit auch günstige Wohnungen geben." In Erlangen sei bei allen städtischen Bauprojekten ein Viertel der Mietobjekte Teil des geförderten Wohnungsbaus.


Keine Fläche "vergeuden"

Nicht nur das Stadtoberhaupt sieht das Entwicklungspotenzial, das im Großparkplatz steckt. Auch für eine große Mehrheit des Stadtrats hat die Idee Charme. "Wir haben in Erlangen ein Flächenproblem", sagt Birgitt Aßmus, Vorsitzende der CSU-Fraktion. Den Luxus solch großer freier Plätze könne sich Erlangen nicht mehr leisten. "Im Zentrum einer Stadt kann es nicht sein, dass man so viel ebene Fläche für Parkplätze vergeudet."

Ähnliches hört man von Wolfgang Winkler, Fraktionsvorsitzender der Grünen Liste im Stadtrat. "Selbst er als Grüner" müsse zugeben, dass es an dieser Stelle keine gute Idee wäre, die Parkplätze ganz wegzunehmen. "Die Leute kommen nun mal mit dem Auto und müssen es schließlich wo abstellen", sagt Winkler.

Etwa 950 Parkplätze gibt es auf dem Areal. Dazu kommen noch einmal so viele im dortigen Parkhaus, das wegen des maroden Zustands abgerissen werden muss. Insgesamt geht es also um etwa 1900 Stellplätze. Künftig müsse man die Fahrzeuge nur "über und untereinander stapeln", so Janik. Architektonisch müsse eine intelligente Lösung her, dann bekomme man gut alles unter einen Hut.


Ein Parkhaus gegen den Lärm

"An der Anzahl der Parkplätze wird sich nicht viel ändern", sagt Josef Weber, Referent für Planen und Bauen. Die größere Herausforderung sei, "Wohnungen nahe an der Autobahn zu bauen". Eine Möglichkeit sei, anstatt Lärmschutzwänden das neue Parkhaus gleich als "attraktiven Lärmschutzriegel" zu konzipieren.

Noch heuer werden die Stadträte ihre Vorstellungen in Arbeitskreisen besprechen. Sie sollen im Frühjahr in einen Architektenwettbewerb einfließen. Wie viel Wohnungen genau gebaut werden können und wann das Projekt realisiert werden kann, sei noch offen. "Wir müssen es zügig angehen", sagt Weber. Zur Zeit würden Verhandlungen mit Grundstückseigentümern laufen, da es noch "Splitterflächen" gebe, die nicht der Stadt gehören.
Janik ist sicher, dass es sich bei dem Gelände zwischen Bahngleisen und A 73 um ein Filetstück handelt. "Es gibt viele Menschen, die wollen genau so wohnen: urban im Zentrum, verkehrsmäßig top erreichbar und trotzdem nah am Grünen."


Gartenschau im Regnitzgrund?

Mit dem Grün meint Janik den Wiesengrund auf der anderen Seite der A 73. "Wir wollen den Brückenschlag in den Regnitzgrund schaffen." Im Frühjahr werde Erlangen sich für die Landesgartenschau 2024 bewerben. Als Ort sind die Regnitzauen im Blick. Es müsse ein Konzept her, das landwirtschaftliche Flächen, Hochwasserschutz und Naherholung vereint. "Genau dafür ist eine Landesgartenschau da", sagt Janik.

Wo beim Großparkplatz Einigkeit herrscht, gehen die Meinungen bei der Gartenschau auseinander. Neue Ideen ja, aber die Form müsse diskutiert werden, sagt Aßmus. "Nicht nur im Regnitzgrund könnte die Landesgartenschau stattfinden."

Eine "gewisse Herausforderung" sehen die Grünen: "In Bamberg wurde ein ganzes Gebiet entwickelt. Das ist bei uns schwieriger", sagt Winkler. Es handle sich um Schwemmland. Auch der Landschaftsschutz müsse beachtet werden.

Umwälzende Jahre stehen bevor: Siemens-Campus, Uni-Umzug, StUB, Großparkplatz, Landesgartenschau. Ein Zeichen, dass die Stadt - eingeklemmt zwischen Burgberg, Naturschutz und Autobahnen - weiter wachsen wird.


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