Dechsendorf
Hochwasser

Dechsendorf hilft Fischerdorf

Lange mussten die Einsatzkräfte der Dechsendorfer DLRG nicht nachdenken, als es hieß, dass sie im Osten Bayerns helfen könnten. Mit ihren Booten und neun Mann ging es sofort in das Krisengebiet.
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Mit dem Boot wurden die Menschen in Fischerdorf evakuiert. Sie ließen ihren Besitz zurück. Fotos: Wasserrettung Mittelfranken
Mit dem Boot wurden die Menschen in Fischerdorf evakuiert. Sie ließen ihren Besitz zurück. Fotos: Wasserrettung Mittelfranken
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Es sind so viele Bilder, die sich in den Köpfen eingebrannt haben. "Es ist unvorstellbar", sagt Christian Nitsche. Der DLRGler aus Dechsendorf spricht von dem Hochwasser. Nicht dem in der hiesigen Region, das schon genug schaden an sich angerichtet hat. Er spricht von den Wassermassen im Osten Bayerns. Rosenheim, Fischerdorf - und Unmengen an Wasser, die alles zerstörten, was sich ihnen in den Weg stellte.

Die erste Alarmierung für den Einsatzzug Mittelfranken der DLRG gab es am Dienstag der vergangenen Woche. "Ab in das Krisengebiet hieß es für 43 Mittelfranken, davon neun Kameraden aus Dechsendorf." Zwei Boote aus Dechsendorf waren dabei, um helfen zu können. Es ging direkt nach Rosenheim. Das Innenministerium hatte die Anforderung gestellt.

"Wir haben dann auf Anfrage erklärt, was wir an Material und Mensch stellen können", sagt Nitsche. Gerade bei den Kräften ist es nicht immer einfach die Mannschaften zu stellen, immerhin gibt es bei der DLRG im Rettungsbereich nur ehrenamtliche Helfer. "Ich arbeite bei Siemens", sagt Nitsche. "Mein Arbeitgeber hat erklärt, dass man bei solchen Katastrophen zusammen stehen muss und helfen soll." Ebenso unkompliziert wie der Elektrokonzern habe der Arbeitgeber von Peter reagiert. Der arbeitet beim Bayerischen Vermessungsamt in Erlangen und hatte keine Probleme. "Es sähe ja schon komisch aus, wenn die bayerischen Behörden in solchen Notfällen nicht unterstützen würden", sagt Peter.

In Rosenheim war die Truppe dann bis Dienstagnacht bevor es wieder zurück nach Erlangen ging. Nach acht Stunden "Pause", lief dann aber die nächste Alarmierung ein. Karl-Heinz Peter berichtet vom folgenden, fast zweitägigen Einsatz in Fischerdorf. "Wir haben vor allem Menschen evakuiert." Zum Teil wurden diese mit Leitern aus dem ersten Stock gerettet, da das Erdgeschoss bereits voll Wasser stand. 50 Menschen habe man so aus dem Dorf geholt, die wussten, dass sie ihren Besitz zurücklassen mussten. "Dann haben wir für die Feuerwehr Gasmessungen durchgeführt und auch Gastanks gesichert." Die Gefahren durch das Wasser seien so unterschiedlich, so schwer einzuschätzen. "Aus den Kellern drückte es das Heizöl hinaus auf die Wasserflächen", erklärt Nitsche. Zum Teil sei das Wasser blutrot wegen des gefärbten Öls gewesen.

Leid und Freud

In der Folge des Öls werde ein Teil der Einsatzkleidung entsorgt werden müssen. "Die Neoprenanzüge bekommst Du nicht mehr sauber", sagt Nitsche. Die Boote lassen sich abwaschen, andere Sachen eben nicht.
Leider gab es auch andere negative Eindrücke. "Gaffer, es gab Menschen, die in die Gebiete reisten, um zu sehen, wie es dort aussieht." Nitsche schüttelt auch vier Tage später noch den Kopf. "Die haben sogar vor dem Wasser posiert und Fotos gemacht." Doch in der Zeit der Katastrophe hat kaum jemand der Helfer Zeit, sich solche Menschen zur Brust zu nehmen, um sie zu fragen, ob sie wissen, was sie tun.

Vor allem, weil die menschlichen Gegensätze dann so groß sind. "Die Dankbarkeit war enorm. Immer wieder wurden wir von den Menschen vor Ort mit Essen, mit Kaffee, mit allem nötigen versorgt." Ein kleiner Junge habe klar gesagt: "Wer viel arbeitet muss auch viel Essen" - und habe in der Folge einen großen Teller mit Steaks vorbeigebracht. "Unser Haus steht unter Wasser und mein Papa hat für euch gegrillt", habe er erklärt.

Die Eindrücke werden die hiesigen Helfer noch einige Zeit beschäftigen. Noch am Sonntagmorgen hat es eine Voralarmierung gegeben, um eventuell Einsatzkräfte aus Bayern in die ostdeutschen Einsatzgebiete zu verlegen. Diese wurde im Laufe des Tages allerdings aufgehoben. Nicht etwa, weil es dort keine Probleme mehr gebe. Es war eine Entscheidung zugunsten Bayerns, da auch hier Unwetterwarnungen existierten.

Eines gilt aber auch für die vielen ehrenamtlichen Helfer, die Dechsendorfer sind ein kleiner Teil dieser Gruppe: Auch wenn man gerne hilft, ist jeder Tag, den man ohne Einsatz verbringen kann ein guter Tag.
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