Erlangen
Planung

Das sind Argumente für und gegen eine Landesgartenschau in Erlangen

Die Stadt Erlangen hat 2016 den Zuschlag für die Landesgartenschau 2024 bekommen. Beim Altstadt-Dialog wurde über "LGS - Chance oder Bürde" gesprochen.
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Geschäftsführer Harald Lang weiß, welche Vorzüge die Landesgartenschau 2012 nach Bamberg gebracht hat.    Foto: Archiv/Barbara Herbst
Geschäftsführer Harald Lang weiß, welche Vorzüge die Landesgartenschau 2012 nach Bamberg gebracht hat. Foto: Archiv/Barbara Herbst
Die Bürgerinitiative gegen die Landesgartenschau Erlangen hat in einem Bürgerbegehren über 7000 Unterschriften gesammelt. Damit ging das Bürgerbegehren an den Stadtrat. "Der Bürgerentscheid wird am 7. Mai sein", sagt Klaus Tuffner, einer der Sprecher der Initiative.

Referenten des Altstadt-Dialogs in Erlangen waren die beiden Veranstalter der Landesgartenschauen Deggendorf und Bamberg. Harald Lang, Amtsleiter Strategische Entwicklung und Konversationsmanagement vom Stadtplanungsamt Bamberg, war als Macher der Schau 2012 in Bamberg hautnah dabei. "Das Beste, was einer Landesgartenschau passieren kann, ist der Dialog."

Er sei als Stadtplaner anfangs sehr skeptisch gewesen: "Heute bin ich ein absoluter Befürworter der Landesgartenschau." Bei der Frage, was nach so einer Schau bleibt, habe man sehr positive Erfahrungen gemacht. Endstanden sei der Erba-Park auf einem früheren Industriegelände. "Geblieben sind unter anderem ein ,Fischpass‘, der sehr natürlich ist. Besucher denken, den hat es hier schon immer gegeben. Tolle Spielplätze für Kinder. Altlastendeponien wurden versetzt und wir haben nun eine ,Schule im Grünen‘, die alle Schulen zu verschiedensten Veranstaltungen besuchen."


Erfahrungen auf beiden Seiten

Lang betont, wie einfach manche Probleme im Rahmen einer Landesgartenschau gelöst werden. "Normalerweise waren das Dinge, für die sie 20 Jahre Planungszeit benötigen." Lang ist deshalb überzeugt: Landesgartenschau - "Ja! Eine Chance für die Stadtentwicklung, aber kein Selbstläufer."

Auch Professor Gunnar Tausch von der Technischen Universität Nürnberg, der Macher der Landesgartenschau Deggendorf 2014, kann über Positives aber auch Schwieriges berichten. "Die Deggendorfer wollten ein erlebbares Donauufer, da der Stadtkern doch etwas entfernt vom Fluss liegt." Mit einer Tiefgarage rechts am Deich wurden Parkplätze für die angrenzende Technische Hochschule geschaffen und auf dem Parkdeck wurden Hochbeete für die Landesgartenschau angelegt, erzählt Tausch.
"Wir mussten eine Bundesstraße unterbauen. Dies ist eigentlich nicht erlaubt, aber mit Landesgartenschauen kriegt man Knoten gelöst", sagt Tausch. Während der Bauarbeiten sei auch das Jahrhunderthochwasser in Deggendorf gewesen.

Man musste abwarten, ob das Ganze den Wassermassen standhalten würde. Tausch betont, dass man immer mit Problemen im Baugrund oder der Infrastruktur rechnen müsse. Auf genau diese Probleme weißt Barbara Grille, Stadträtin Ökologisch-Demokratische-Partei (ÖDP), hin. "75 Prozent der Landesgartenschau in Erlangen liegen im Hochwassergebiet." Die Kosten bei einem schnellen Abbau während eines Hochwassers wären zu hoch. Landesgartenschauen seien grundsätzlich eine gute Sache, um gewerbliche Flächen zu verschönern - aber dies gelte nicht für Erlangen.


Probleme in Erlangen

Die LGS sei eine ökologische Abwertung für Erlangen. "Besonders der Großparkplatz, der auch für die LGS umgestaltet wird, ist für die Stadt sehr funktionell. Der Abholparkplatz für den Hauptbahnhof und der Busbahnhof werden nicht mehr existieren." Besonders bedenklich fände sie den Umzug des Busbahnhofs in den Innenstadtbereich zwischen Arcaden und Bahnstrecke.

"Die Unterführung wird von Bussen, Landratsamtsmitarbeitern und -kunden genutzt. Es werden sich täglich Staus bilden." Auch Klaus Tuffner hat Bedenken. "Die Regnitzauen sind ein Ausbreitungsgebiet für Hochwasser." Der Großparkplatz habe schon einen Teil dieses Gebiets in Anspruch genommen und die LGS sei ein weiterer Angriff auf das Gebiet. Tuffner kritisiert, dass im Altstadtdialog zu wenig auf den "Bürden-Teil" eingegangen worden ist. "Es wurde Propaganda für eine LGS gemacht und zu wenig über Probleme diskutiert."


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