Herzogenaurach
Denkmalschutz

Das kleine Spital wartet auf die nächste Rettungsrunde

Das kleine Spital am Herzogenauracher Kirchenplatz soll nun doch von der Stadt saniert werden. Der Vertrag mit einem privaten Investor ist nach fünf Jahren ausgelaufen. Das baufällige Häuslein mit der Adresse Kiliansplatz wird seit vielen Jahren gestützt.
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Kirchenplatz Herzogenaurach: Das große Spital (links) ist längst saniert und beherbergt das Stadtmuseum. Das kleine Spital (rechts) droht zu verfallen.  Foto: Bernhard Panzer
Kirchenplatz Herzogenaurach: Das große Spital (links) ist längst saniert und beherbergt das Stadtmuseum. Das kleine Spital (rechts) droht zu verfallen. Foto: Bernhard Panzer
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Die Odysee geht weiter. Das kleine Spital am Kirchenplatz, mit der Adresse Kiliansplatz, wartet weiter auf seine Rettung. Es fällt an die Stadt zurück und soll nun in den kommenden Jahren tatsächlich saniert werden, und zwar durch die städtische Seelhausstiftung selbst. Das Experiment, es durch einen Privatmann herrichten zu lassen, ist gescheitert. Somit sieht das baufällige Häuslein einer neuen Runde entgegen. Denn eines scheint unzweifelhaft: Das historisch wertvolle Gebäude muss erhalten werden.

Das bestätigte Bürgermeister German Hacker (SPD). Die Kündigung des Vertrags mit dem privaten Investor Roger Kuchenreuther sei zugestellt worden. Jetzt gelte es, den Vertrag abzuwickeln. Danach erst könne man eine Sanierung vorbereiten. Darum will sich die Stadt nun in Eigenregie kümmern. "Wir sind a bissl gebrannte Kinder", sagte der Bürgermeister. Aber noch länger warten wolle man auch nicht.
Hacker: "Die Innenstadt braucht an dieser Stelle ein schönes Bild."


Jahrelange Diskussion

In der Tat ziehen sich die Rettungsversuche schon viele Jahre hin und reichen bis ins letzte Jahrtausend. "Das kleine Spital braucht dringend Hilfe" berichtete der FT bereits im Jahr 2000. Denn das historische, aber baufällige Häuslein am Kirchenplatz wäre ohne Sanierung vom Verfall bedroht. Im Innern musste das Haus, dessen Anfänge auf das 15. Jahrhundert zurückgehen, bereits abgestützt werden.

Doch es dauerte sechs Jahre, bis das ein Thema im Stadtrat wurde. Es sollte vom benachbarten Stadtmuseum mitgenutzt werden, hieß es damals. Weitere drei Jahre und einen Bürgermeisterwechsel brauchte es, bis erneut darüber nachgedacht wurde. Damals kam auch eine Wohnnutzung ins Gespräch. Das neue Stadtoberhaupt German Hacker brachte schon im November 2009 die Idee in die Diskussion, dass eine Wohnnutzung am sinnvollsten wäre. Wenig später fand sich mit Roger Kuchenreuther ein privater Investor, der sich verpflichtete, das Haus innerhalb von fünf Jahren zu sanieren. Diese Zeit ist nun verstrichen, passiert ist aber offenbar wenig. Der Vertrag wurde aufgelöst, das Haus ging an die Stadt zurück.


Wohnnutzung bietet sich an

Für Bürgermeister Hacker gibt es keine andere Lösung. "Fünf Jahre hätten genügen müssen", sagte er. Passiert sei in dieser Zeit aber herzlich wenig, auch wenn Kuchenreuther "auf den letzten Drücker" noch ein paar Skizzen eingereicht habe. Jetzt wolle man nicht länger warten. Welche Nutzung das Häuslein erhalten soll, sei im Grunde noch offen, da ein Stadtratsbeschluss noch aussteht. Die Verwaltung werde aber eine Wohnnutzung befürworten, das würde auch dem Siftungszweck entsprechen. Eine öffentliche Nutzung für das verschachtelte kleine Haus mit seinen vielleicht 90 Quadtratmetern Nutzfläche wäre eher ungeeignet.

Noch zwei oder drei Jahre hätte sich Roger Kuchenreuther gewünscht, um sein Vorhaben realisieren zu können. Es sei für einen Privatmann ein "Wahnsinns Aufwand", so ein Vorhaben zu stemmen. Allein die dauernden Vorgaben der Denkmalschützer und die ständigen aufwändigen Dokumentationen würden viel Zeit und Nerven kosten.

Dabei ist Kuchenreuther Restaurator und Zimmermeister, also ein Fachmann auf diesem Gebiet. Sein Bruder, ein Bauingenieur, habe ihn bei der Statik und ähnlichen Fragen unterstützt. Und trotzdem sei es ein steiniger Weg gewesen, die fünf Jahre seien schnell vergangen. "Vor allem, wenn man alles nebenbei machen muss", sagt der Investor, der seine Werkstatt in der Nähe von Scheßlitz im Landkreis Bamberg hat, aber jetzt in Weisendorf wohnt.

"Ein bisschen mehr Flexibilität wäre schon wünschenswert gewesen", kritisiert der Mann, der das Haus für den symbolischen Preis von einem Euro erhalten hatte, die Behörden. Der Denkmalschutz habe sich "nicht mit Ruhm bekleckert" und ihm "permanent Knüppel zwischen die Beine geworfen."


Finanziellen Ausgleich gefordert

Dabei müsse so ein Objekt für einen privaten Sanierer auch rentabel bleiben. Kuchenreuther: "Der Perfektionismus ist der Feind des Machbaren." Dass er innerhalb der vorgegebenen Zeit gescheitert ist, wolle er gar nicht beschönigen. "Das war eine größere Herausforderung als ich gedacht habe."
Jetzt will der Interimsbesitzer einen Ausgleich für seine Kosten. Für einen Euro bekomme es die Stadt nicht zurück, sagte er, "das wird schon etwas mehr kosten." Er habe das Haus entschuttet, eine Grundsicherung erstellt, statische Arbeiten durchgeführt. Kuchenreuther möchte 2000 Arbeitsstunden geltend machen.
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