Herzogenaurach
Innovation

Das Handyparken in Herzogenaurach soll kommen

In Bayreuth oder Erlangen ist das Bezahlen der Parkgebühren mit dem Mobiltelefon längst möglich. Zum Jahresende will auch Herzogenaurach das Modell einführen. Andere Städte, wie Bamberg, schrecken zurück.
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Münzen oder Handy: Künftig sollen Autofahrer die Wahl haben, wie sie die Parkgebühren bezahlen möchten Irmgard Nagel spielte am Parkscheinautomaten Hubmannparkplatz für den FT Fotomodell. Sie würde bei den Münzen bleiben, sagte die Herzogenauracherin.  Foto: Bernhard Panzer
Münzen oder Handy: Künftig sollen Autofahrer die Wahl haben, wie sie die Parkgebühren bezahlen möchten Irmgard Nagel spielte am Parkscheinautomaten Hubmannparkplatz für den FT Fotomodell. Sie würde bei den Münzen bleiben, sagte die Herzogenauracherin. Foto: Bernhard Panzer
Autofahrer kennen das Problem: Man fährt in die Innenstadt, stellt sein Fahrzeug ab und muss einen Parkschein lösen. Doch fehlt dazu das passende Kleingeld. Und einen beschrankten Großparkplatz, wie kürzlich von Geschäftsleuten favorisiert (der FT berichtete am Samstag: "Der Trend geht zur Schranke") gibt es nicht. Aber dennoch tut sich eine mögliche Lösung auf: das sogenannte Handy-Parken.

Größere Städte wie Nürnberg, Erlangen, Bayreuth oder Coburg haben diese bargeldlose Form des Bezahlens bereits vor ein paar Jahren eingeführt. Dort berichtet man von positiven Erfahrungen. Den Nutzen habe der Parker, heißt es beispielsweise von der Stadt Bayreuth. Und auch im Herzogenauracher Rathaus wird die Absicht verfolgt, das Handyparken einzuführen. Und zwar zum Jahresende.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Die lästige Kleingeldsuche entfällt. Auch eine minutengenaue Abrechnung ist laut Angaben der Anbieter durch das Handy-Parken möglich. Wer also mal länger beim Arzt braucht, kann sich ganz einfach über einen Anruf oder per SMS seine Parkzeit bequem verlängern und muss dazu nicht noch mal zu seinem Auto eilen. Alles funktioniert digital. Auch die Kontrolle. Bezahlt wird über die Mobilfunk-Rechnung.
Sobald das Parkdeck an der Schütt fertig gestellt ist, so plant es Bürgermeister German Hacker (SPD), wolle man auch das Handyparken anbieten. Denn dann brauche man ohnehin ein verändertes Parkkonzept. Seit 2009 habe man im Rathaus schon Unterlagen vorliegen und sei mit verschiedenen Anbietern im Gespräch. Jetzt komme bald der geeignete Zeitpunkt für eine Einführung. Ein Beschluss im Stadtrat steht zwar noch aus, aber erste Beratungen und auch ein Antrag der CSU hatten bereits breite Zustimmung signalisiert.

Denkbar wäre das Handyparken an der Schütt inklusive Parkdeck, auf dem Hubmannparkplatz und vielleicht auch gegenüber der Realschule. Da wäre das neue Modell problemlos durchführbar, weil an den genannten Stellen quasi eine gleiche Zone gelte. Die "Bäckertaste", also die erste halbe Stunde kostenlos, könne auch aufs Handyparken übertragen werden. In der Hauptstraße hingegen wolle man darauf verzichten. Da habe man nur 15 Parkplätze mit einer Kurzparkzone, das wäre dann schlicht schwieriger zu handhaben und mache wegen der Maximalparkdauer von einer Stunde auch nur wenig Sinn, erklärt Hacker. Für ihn ist wichtig: "Je einfacher die Parkmodelle sind, umso einfacher ist auch das Handyparken." Am einfachsten wäre es demnach auf einem großen Parkplatz.

Und wie funktioniert das System? Eine gebräuchliche Möglichkeit ist die folgende: Der Autofahrer wählt eine SMS-Nummer, die der Parkscheinautomat ihm nennt, gibt sein Kennzeichen an und fertig. Das erspart sogar das Hinterlegen eines Zettels im Fahrzeug. Wenn die städtischen Parküberwacherinnen dann ein parkendes Fahrzeug ohne Zettel kontrollieren, dann können sie mit ihrem digitalen Gerät dessen Kennzeichen abrufen. Wenn der Fahrer Handy parker ist und seine Autonummer angegeben hat.

"Für die Parküberwacherinnen ist das ein gewisser kleiner Mehraufwand", räumt Hacker ein. Trotz der höheren Kosten für die Kommune wolle man aber deswegen keine Parkgebühren erhöhen, sagt Hacker. Und da appelliert der Bürgermeister, angesichts der aktuellen Debatten über das Parken in der Stadt, an die Einsicht der Autofahrer. Schon mit der "Bäckertaste" komme man dem Bürger sehr entgegen. Jährlich würden 250 000 kostenfreie Parkzettel gezogen, was an Kosten einen "hohen fünfstelligen Betrag" ausmacht, der wohl nah an die 100 000 Euro reicht. Hacker: "Die Bäckertaste kostet schon echtes Geld." Aber sie genieße auch eine hohe Akzeptanz, denn 60 Prozent aller gezogenen Parkscheine seien solche für die kostenfreie halbe Stunde.

Im Rathaus sei man auch der Meinung, dass das Handyparken als zusätzlicher Service die Autofahrer finanziell nicht extra belasten dürfe. Theoretisch gebe es die Möglichkeit, dass die Autofahrer für die SMS beispielsweise zahlen müssen oder für diese bequeme Form des Parkens generell etwas mehr berappen.

Auch in Bamberg wurde das Handyparken jüngst diskutiert. Da scheidet diese Form des Bezahlens wohl wegen der vielen unterschiedlichen Zonen aus. Und die kommunalen Parküberwacher hätten erst mit den entsprechenden digitalen Geräten ausgestattet werden müssen, über die Herzogenaurach bereits verfügt. Die Kosten aber hätte man laut Auskunft der der dortigen Stadtwerke über eine Anpassung der Parkgebühren ausgleichen müssen. Auch in Bayreuth wurden vor zwei Jahren die Parkgebühren erhöht, und zwar um 40 Prozent. Einen direkten Zusammenhang mit dem Handyparken wollte man dort aber nicht erkennen.

Gleichwohl zieht man in der Wagnerstadt eine positive Bilanz der ersten fünf Jahre. "Der Anteil der Handy-Parker in Bayreuth beträgt zwischen zehn und zwölf Prozent aller Parkvorgänge - ein sehr hoher Prozentsatz, ursprünglich hatte die Stadt mit drei Prozent gerechnet", teilte Pressesprecherin Kerstin Dettlaff-Mayer jüngst mit. Im gleichen Jahr, also 2009, hat auch Herzogenaurachs Nachbarstadt Erlangen das Handyparken eingeführt. Dort ist es auf etwa 2000 Stellplätzen in fünf Zonen möglich. Ein Vorbild für Erlangen war damals Amberg, wo schon nahezu jeder dritte Parkende seinen Parkschein per SMS löse, heißt es auf der Homepage der Hugenottenstadt.

Für German Hacker ist das Handyparken eine interessante und moderne Alternative, ohne dass man sagen könne, ob es in der Zukunft nicht durch andere Modelle verdrängt werde. Man müsse nicht mal selbst bezahlen, also könnte theoretisch auch eine Firma für ihre Mitarbeiter das übernehmen. Da gebe es viele Facetten. Größter Vorteil ist laut Hacker die Möglichkeit, jederzeit und bequem aus der Ferne mit dem Handy nachzuzahlen, wenn die Parkzeit nicht reicht.

Flexibleres Bezahlen hatten die Geschäftsleute in der Innenstadt jüngst bei dem Bürgergespräch der CSU auch gefordert. Allerdings verhielt man sich da eher konservativer und äußerte den Wunsch nach einem beschrankten Parkplatz. Da habe man ja die Möglichkeit, erst beim Ausfahren zu bezahlen. Und außerdem, so klang am Rande an, seien Handyparker wohl eher "nicht unsere Kunden. Die fahren nach Erlangen."
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