Die ersten drei Preisträger des Ehrenzeichens in Silber des Landkreises Erlangen-Höchstadt vereinen auf sich den größten gemeinsamen Nenner: Sie verschaffen den Menschen Genuss. Thomas Fink, die Musik-Legende aus Herzogenaurach, verzaubert den Landkreis seit Jahrzehnten mit Klängen nur vom Feinsten. Autor Helmut Haberkamm sorgt mit dem gedrechselten Wort im fränkischen O-Ton für Reizgewitter im Gehirn und massiert das Zwerchfell. Stefan Kügel nähert sich dem Herz über das Auge mit seinen Aufführungen im eigenen Puppentheater in Heppstädt.
Alle drei sind eher Meister der feinen Klinge als Ursache für Schenkelklopfer. Und für alle drei ist der Ehrenpreis des Landkreises bei weitem nicht die erste Würdigung ihres Könnens. Wiederholt glitt die Stimme des Landrats beim Versuch der Aufzählung ab ins Leiern - so viele Auszeichnungen markieren den Weg dieser Ausnahmekünstler. Bei der Auswahl seiner ersten Preisträger steht der Landkreis auf sicherem Boden. Die persönlichen und künstlerischen Verdienste keines der drei Geehrten sind umstritten.
Haberkamm und Kügel waren auch schon im Doppelpack zu haben. Der Heppstädter begeistert mit der hohen Schule des Figurentheaters als Puppenspieler, Schauspieler und Sänger; er führte unter anderem das Haberkamm-Stück "Schuddgogerer" auf. Den bereits vielfach ausgezeichneten Chef des Puppentheaters Kuckucksheim nannte Landrat Eberhard Irlinger (SPD) "ein leuchtendes Beispiel für Privatinitiative in der Kulturszene". Kunst und Kultur würden nicht nur in staatlich finanzierten, großen Häusern in der Stadt gebraucht, sondern auch auf dem Land.
Kulturelle Kreise hat auch Helmut Haberkamm längst weit über den Landkreis hinaus gezogen. Der gebürtige Dachsbacher trat vor 20 Jahren mit seinem ersten Gedichtband "Frankn lichd nedd am Meer" an die Öffentlichkeit. Das Fränkische "lichd" ihm. Er sog es auf dem Bauernhof der Eltern in sich auf. Fränkisch ist die Sprache seines Herzens und er öffnet auch die seiner Leser weit dafür. "Dialekte geben der Sprache erst ein Gesicht. Sie geben ihr Individualität, schaffen Gemeinschaftsgefühl und prägen Regionen und Menschen", sagte Irlinger Montagabend bei der Verleihung in Gremsdorf. Dem Vergleich mit dem Leuchten blieb der Landrat dann bei allen drei Geehrten treu, die er wiederholt als "Leuchttürme" der Kultur bezeichnete.
Ein anderes Bild wählte Nürnbergs Kulturreferentin Julia Lehner, um ihr Verständnis von Kultur zu verdeutlichen. "Kultur ist das, was das ganze Leben erfasst. Ohne Kultur hat auch Bildung keine Inhalte", betonte die Laudatorin.
Die Geehrten sagten auch Danke. Jeder tat es auf die Weise, die er so unnachahmlich beherrscht. Haberkamm las aus seinen gesammelten Werken. Bei sommerlich schwülen Außentemperaturen lief der Schweiß fast spürbar über das Dekolleté einer Frau: Der Sommer ist weiblich. Das bewies Haberkamm Tropfen für Tropfen und Wort für Wort.
Kügel ließ einen roten Reineke Fuchs seinen Dank ausrichten. Grollend, bedrohlich das Maul aufgerissen, haderte die Stimme aus Heppstädt mit dem Hunger - und liebäugelte kokett ein wenig mit dem Buffet.
"Schon nach ein paar Takten schafft er es, den Kontakt zum Publikum herzustellen, das er dann bis zum Ende des Auftritts nicht mehr daraus entlässt", hatte Walter Schätzlein vom Jazzstudio Nürnberg bereits bei der Verleihung des Herzogenauracher Kulturpreises die Faszination des Jahrhundert-Musikers Thomas Fink erklärt. Dem ist nichts hinzuzufügen.