Bereits bei der Eröffnung der Kulturtage im Stadtmuseum hatten die Gäste aus Kaya den historischen Gewölbekeller zum Beben gebracht. All dies erfuhr aber am Sonntagabend in der Kirche St. Otto nochmal eine Steigerung. Der Chor "Chorale Saint Augustin" der Cathédrale Notre-Dame in Kaya trug unter der Leitung von Nicolas Nabyoueré Barogo sowohl geistliche als auch weltliche Lieder in der Landessprache Mooré und auch in der Amtssprache Französisch vor. Das von afrikanischen Rhythmen geprägte Konzert brachte nicht nur für deutsche Kirchenbesucher ungewohnte Klänge zu Gehör, sondern sie erlebten auch eine Kirche in Bewegung.
Der Abend wurde moderiert vom Herzogenauracher Kulturpreisträger Gerald Fink und dem katholischen Geistlichen Jean Désiré Sawadogo, der ja aus der Partnerstadt kommt. Auch für Gerald Fink war der Chor, der sich in ständiger Bewegung befand, etwas Ungewohntes. "Vielleicht sollte ich das auch mal probieren", meinte Chorleiter Fink schmunzelnd zum Chorleiter Nicolas aus Kaya, weil der auch nicht still stand.
Zum Ende des Konzertes bewiesen auch die Herzogenauracher Rhythmusgefühl, zwar nicht so anmutig und gekonnt, aber ein Anfang war es allemal. Unter den begeisterten Besuchern waren auch die Pfarrer der Herzogenauracher Kirchen - vielleicht haben sie sich ja etwas von der Lebensfreude der Afrikaner inspirieren lassen.
Man kann sich die "Kirche in Bewegung" in Kaya lebhaft vorstellen, schließlich singen im Chor über 50 Frauen und Männer. Eine Art der Lebensweise in Afrika beschrieb Jean Désiré Sawadogo folgendermaßen: "Die Europäer haben eine Uhr am Handgelenk und keine Zeit, wir haben keine Uhr an der Hand, dafür aber Zeit."
Den Abend eröffnete der Kirchenchor St. Otto, geleitet von Reinhold Weber, und leitete mit "Gloria in excelsis Deo" zum Höhepunkt des Abends über. Dabei überraschte der Chor aus Kaya gleich die Besucher mit einem Lied in Deutsch. Mit dem Lied "Guten Abend Herrschaften" zogen die Gäste ein und hatten damit schon die Herzen der Besucher auf ihrer Seite.