Erlangen
Landesgartenschau

Keine Landesgartenschau in Erlangen: Auswahlverfahren soll überarbeitet werden

Nach Traunstein haben auch die Bürger von Erlangen gegen die Landesgartenschau gestimmt. Die Umweltministerin zieht nun Konsequenzen.
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Nach Traunstein haben auch die Bürger von Erlangen gegen die Landesgartenschau gestimmt. Umweltministerin Ulrike Scharf zieht nun Konsequenzen: Künftig sollen Bewerber-Städte die Bürger mehr mit einbeziehen. Foto: Armin Weigel/dpa
Nach Traunstein haben auch die Bürger von Erlangen gegen die Landesgartenschau gestimmt. Umweltministerin Ulrike Scharf zieht nun Konsequenzen: Künftig sollen Bewerber-Städte die Bürger mehr mit einbeziehen. Foto: Armin Weigel/dpa
Nachdem auch die Bürger von Erlangen gegen eine Landesgartenschau in ihrer Stadt gestimmt haben, will Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) die Auswahl der Austragungsorte überarbeiten. "Ich werde dem Ministerrat Vorschläge für ein neues Verfahren bei der Bewerbung für Gartenschauen vorlegen, bei denen eine intensive Bürgerbeteiligung wesentliches Bewertungskriterium sein wird", sagte sie laut Mitteilung vom Montag.


Bürgerentscheid in Erlangen: Knapp 70 Prozent gegen Landesgartenschau

In Erlangen hatten sich am Sonntag knapp 70 Prozent gegen die Austragung der Landesgartenschau im Jahr 2024 ausgesprochen. Im vergangenen Jahr hatten schon die Bürger von Traunstein gegen die Landesgartenschau 2022 in ihrer Stadt gestimmt - es war das erste Mal in der 36-jährigen Geschichte der weiß-blauen Gartenschauen, dass die Bevölkerung die Veranstaltung verhindert hat.


Landesgartenschau 2024 wird neu ausgeschrieben

Wie ein Sprecher von Scharfs Ministerium erläuterte, ist geplant, die Bürgerbeteiligung in den Konzepten, mit denen sich Städte für die Landesgartenschau bewerben, stärker als bisher zu gewichten. Die Landesgartenschau 2024 werde nun neu ausgeschrieben. "Auch dafür sollen die neuen Kriterien bereits gelten", sagte der Sprecher.

"Die Ablehnung in Erlangen ist kein Beinbruch", meinte der Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen, Roland Albert. "Aber für die Stadt, die ersatzweise zum Zuge kommt, ist es schade, weil sie weniger Vorbereitungszeit haben wird." Üblicherweise sei ein Vorlauf von sieben Jahren optimal. Die Entscheidung über den neuen Ort werde voraussichtlich erst 2018 fallen, meinte Albert, der auch Präsident des Bayerischen Gärtnerei-Verbandes ist.

Alberts Gesellschaft ist für die Organisation der Bayerischen Landesgartenschauen zuständig, sie unterstützt die Städte dabei auch mit Rat und Tat. "Die eine Stadt nutzt unser Know-how stärker, die andere etwas weniger - Erlangen zählte eher zu letzterer Kategorie."


Erlangens OB enttäuscht

Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) zeigte sich enttäuscht über den Ausgang des Entscheids: "Weite Teile des Stadtrats haben die Landesgartenschau als Chance gesehen, einen mutigen Impuls im Norden der Stadt zu setzen. Die Bürgerinnen und Bürger hat das nicht überzeugt."

Laut der Stadt stimmten immerhin 42 Prozent aller Bürger Erlangens ab - insgesamt 34.175 Wahlberechtigte. 69,3 Prozent von ihnen sprachen sich dafür aus, die Planung für die Landesgartenschau in Erlangen zu beenden.


Bürgerinitiative mobilisiert gegen Landesgartenschau

Die Entscheidung gegen die Landesgartenschau war letztlich auch ein politischer Erfolg der Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) Erlangen. Sie unterstützte die Bürgerinitiative dabei, die Abstimmung überhaupt auf den Weg zu bringen.

Für die Landesgartenschau sollte ein neuer Stadtteil geschaffen werden, der das Zentrum mit dem Westen verbindet. Die Kosten wurden mit knapp 16 Millionen Euro veranschlagt. Das Umweltministerium wollte bis zu 3,6 Millionen Euro beisteuern.

Auch der aus Erlangen stammende Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte sich auf Wunsch der Stadt für die Ausrichtung der Landesgartenschau eingesetzt. "Ich glaube, dass die Landesgartenschau eine gute Chance für die weitere Stadtentwicklung sein kann", hatte Herrmann der Deutschen Presse-Agentur vor der Abstimmung gesagt.

Bereits im vergangenen Jahr hatten sich die Bürger von Traunstein gegen die Landesgartenschau 2022 in ihrer Stadt ausgesprochen.


Wie geht es in Erlangen weiter?

Erlangens OB Janik will die Pläne nun in anderer Form vorantreiben: "Die Neustrukturierung der Universität und der Siemens-Campus verändern die Stadt, wenn wir in Erlangen ein lebendiges Zentrum erhalten wollen, müssen wir reagieren", sagte Janik. Es gelte jetzt, die bereits angestoßenen Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssituation und zur Aufenthaltsqualität in der Innenstadt fortzuführen. Ferner müsse man überprüfen, welche weiterführenden Ideen sich auch ohne eine Landesgartenschau realisieren lassen.


Hintergrund: Freizeit und Erholung

Die erste Landesgartenschau (LGS) fand 1980 in Neu-Ulm statt. Doch die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen wurde schon zwei Jahre zuvor gegründet. Sie wird von den drei Berufsverbänden, dem Bayerischen Gärtnerei-Verband, dem Landesverband Bayern des Bundes deutscher Baumschulen und dem Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern getragen.

Die Fördergesellschaft richtet mit der jeweils veranstaltenden Stadt die LGS aus. 2018 ist Würzburg an der Reihe, 2020 Ingolstadt.

Als LGS-Standort kommen in erster Linie Städte in Betracht, die im Landesentwicklungsprogramm als Oberzentren oder mögliche Oberzentren ausgewiesen sind. Ziel der Veranstaltungen im Zwei-Jahres-Turnus ist es, innerstädtische Flächen ökologisch aufzuwerten, sie auch der Nutzung für Freizeit und Erholung zu öffnen sowie bei der Umsetzung die gärtnerischen Berufssparten heranzuziehen und zu fördern.

Gezeigt werden sollen Neu- und Umgestaltungen im innerstädtischen oder stadtnahen Bereich, die Beseitigung städtebaulicher Fehlentwicklungen beziehungsweise neue, umweltgerechte Formen der Stadtentwicklung unter Berücksichtigung von sozialen Gesichtspunkten, die für die jeweilige Stadt von Bedeutung sind.

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