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Brieftauben: Spitzensportler der Lüfte

Brieftauben werden zwar nur noch selten als Boten eingesetzt, leisten aber trotzdem einiges. Tauben-Wettflüge wurden jetzt von der Tierschutzorganisation Peta kritisiert. Der Höchstadter Hans-Peter Sacher ist sich sicher, dass die Tiere fliegen wollen.
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Foto: Sarah Dann
Foto: Sarah Dann
Ein bissiger Geruch steigt einem in die Nase, wenn die Tür zum Obergeschoss geöffnet wird. Staub liegt in der Luft. Vogel-Dreck klebt am Boden. Zweimal am Tag werden die Vögel gefüttert und der "Stall" ausgeputzt. "Brieftauben-Zucht ist ein Fulltime-Job von 365 Tagen im Jahr", sagt Hans-Peter Sacher. Und während der Höchstadter das sagt, hat man sich an die Luftverhältnisse schon gewöhnt.

Sacher ist Mitglied im Brieftaubenverein "Aischtalperle". Acht weitere aktive Mitglieder sind im Verein Nummer 77/19 gemeldet. Und das ist nur einer von vier Vereinen im Raum Höchstadt. Die Brieftauben-Reisevereinigung Höchstadt/Aisch bringt alle unter einen Hut. Unter den Mitgliedern wird zwar nicht gegeneinander gewettert, geflogen aber schon. Von Mai bis Ende Juli finden die Wettflüge unter den Alttieren, jetzt im Spätsommer der Wettkampf unter den Jungen statt.

Brieftauben sind heute keine Boten mehr, sondern Hochleistungssportler. So zum Beispiel auch 06719-12-219. Die Taube von Hans-Peter Sacher aus Höchstadt ist eines der 40 Tiere aus seinem Schlag, das bereits ausgezeichnet wurde. Statt Namen, bekommen die Tiere Nummern. Seine grauen Vögel fliegen von Hockenheim nach Höchstadt, von Frankfurt nach Höchstadt - sogar aus der spanischen Hauptstadt Barcelona finden sie ihren 1200-Kilometer-langen Weg zurück nach Franken.

Oft mehrere hundert Kilometer legen die Brieftauben bei den sogenannten Taubenauflässen zurück und genau das findet die Tierschutzorganisation Peta verwerflich. Sie nennt es Tierquälerei. Die Taubenwettflüge widersprächen dem Tierschutzgesetz. "Nach Paragraf drei ist es verboten, Tieren Leistungen abzuverlangen, die ihre Kräfte übersteigen", schreibt Peta in einer Mitteilung an die Presse.

Außer Atem würden die Tauben schon ankommen, aber sie seien genau für diese Leistungen trainiert, findet Sacher. Mit dem ersten Augenschlag einer Jungtaube, also wenn sie sich einmal bewusst in ihrem Schlag umgeschaut hat, ist die Adresse von Familie Sacher als Heimat im Navigationssystem "Tauben-Gedächtnis" eingespeichert.


Der Feind ist ein anderer Vogel

Heimat ist für 06719-12-219 das separate Garagen-Haus von Familie Sacher. Das Obergeschoss und die Taubenbalkone an den Fenstern sind ihr Reich. Während der Trainingszeit werden sie zweimal täglich an die frische Luft entlassen, ungefähr für eine halbe bis eine Stunde. "Sie wollen ja fliegen", sagt Sacher.

Peta moniert, dass die langen Flugstrecken zurück zu den Heimatschlägen tödlich enden könnten: "Viele der Vögel sterben auf anstrengenden Flügen an Dehydration, Hunger, Erschöpfung oder Verletzungen." Die Tierschutzorganisation fordert ein Verbot der Taubenwettflüge in Deutschland. Dass auf Langstreckenflügen auch Tiere auf der Strecke bleiben, wie Peta kritisiert, das komme zwar selten, aber durchaus vor, weiß der Züchter. Die wenigsten aber wegen eines Schwächeanfalls. Eher schnappt ein Habicht zu, oder eine neu gebaute Hochspannungsleitung ist im Weg. In der Stadt komme es aber glücklicherweise viel seltener zu Verlusten als auf dem Land am Waldrand. Zwei bis drei Tiere im Jahr verliert Sacher.

Er sagt, dass es beim Tierschutz immer wieder ein Abwägen von Für und Wider sei. Mit dem Peta-Vorwurf hat der 58-Jährige sich aber noch nicht weiter auseinandergesetzt, schließlich hat der Brief auch nicht direkt ihn erreicht. Aber wenn, dann würde er schon antworten.

Schließlich hegt und pflegt er seine Tiere, die ihm das hochwertige Körner-Futter sogar aus der Hand picken. Mittlerweile sind die Tiere in der Winterpause angekommen, in der sie noch ein bisschen den Sommer auf dem Balkon genießen dürfen, bevor im neuen Jahr neue Routen geflogen werden.

Vereine In Höchstadt gibt es vier Brieftaubenvereine: "Aischtalperle", "Nur kein Neid", "Auf der Schwedenschanze", "Treu zur Heimat". In der sogenannten Brieftauben-Reisevereinigung sind alle Mitglieder zusammen gelistet.

Allround-Brieftaube Laut tierärztlicher Vereinigung für Tierschutz soll eine Allround-Brieftaube folgende Eigenschaften haben: ausgeprägter Orientierungssinn und starker Heimkehrwille bei allen Wetterlagen; Leistungsfähigkeit zur Bewältigung von Eintagesstrecken bis zu 700 Kilometern, bzw. von Über-Nacht-Flügen mit einer an zwei Tagen zurückzulegenden Höchstentfernung von 1300 km (Weitstreckentaube); körperliche Leistungsfähigkeit zur Erlangung einer Spitzengeschwindigkeit von 130 km/h; schnelle physische Regenerationsfähigkeit.

Wert Laut Pressedienst wurde die teuerste Brieftaube der Welt im Jahr 2013 für 310 000 Euro von Belgien aus an einen Chinesen versteigert.

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