Oberreichenbach
Diskussion

Bienen brauchen Fürsprache der Politik

Imker und Landwirte sollten mehr miteinander reden, um die nützlichen Insekten zu schützen. Das war eine Erkenntnis einer Veranstaltung in Oberreichenbach.
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Insektenvernichtungsmittel, mit denen auch Raps gespritzt wird, sollen Studien zufolge die Navigationsleistung von Bienen stören und ihr Gedächtnis beeinträchtigen.  Foto: Michael Reichel, dpa
Insektenvernichtungsmittel, mit denen auch Raps gespritzt wird, sollen Studien zufolge die Navigationsleistung von Bienen stören und ihr Gedächtnis beeinträchtigen. Foto: Michael Reichel, dpa
Ohne Bienen keine Zukunft - was vielleicht etwas übertrieben klingen mag, ist aber wahr. Als Hauptbestäuber sorgen die fleißigen Insekten für Wachstum und Fruchtbarkeit. Umso erschreckender, so einige Imker bei einer Versammlung der Freien Wähler in Oberreichenbach, sei das anhaltende Bienensterben.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Fraktion vor Ort" hatte die Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt unter dem Titel "Bienen schützen - Bauern stärken" zu einer Podiumsdiskussion in den Brauereigasthof Geyer nach Oberreichenbach eingeladen. Die Runde im völlig überfüllten Nebenzimmer des Gasthofes wurde vervollständigt von dem FW-Abgeordneten Johann Häusler, Martin Rumpf (Landwirtschaftliche Lehranstalten Triesdorf), Matthias Rühl (Vorsitzender der Imker im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim), Landwirt Peter Meyer und vom Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Robert Ort.
"Die Bienen sind ja auch für unsere Landwirtschaft nützlich, weil sie viele Nutzpflanzen bestäuben, die ohne die Bienen gar nicht wirtschaftlich wären", meinte die Landtagsabgeordnete, die bei der Podiumsdiskussion erreichen wollte, dass Landwirte und Imker miteinander ins Gespräch kommen.


Gefährliche Pestizide

"Die Bedingungen für die Bienen haben sich in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert", erklärte Martin Rumpf. Die Gründe seien vielfältig, zum einen die Monokultur und die "ausgeräumten" Landschaften und zum anderen auch die Pflanzenschutzmittel. Aber auch die Energiewende habe ihre Spuren hinterlassen und die Politik habe vorschnell auf Biogas-Anlagen gesetzt.
Alle Pflanzenschutzmittel hätten eine Wirkung auf Bienen, auch die nicht bienengefährlichen Mittel würden ihnen schaden. Nicht nur Rumpf, sondern auch Rühl sowie die Abgeordneten Schmidt und Häusler fordern deshalb vom Gesetzgeber mehr Engagement, gerade bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Der Einsatz von Pestiziden habe nicht nur für die Bienen verheerende Konsequenzen, sondern auch für die übrigen Insekten. Wenn ein Mittel neu zugelassen wird, sollte ein anderes vom Markt genommen werden. Nach Auffassung der Referenten stecken hinter den Problemen auch die Lobbyisten, denen es letztendlich nur um den Profit gehe.
"Wir brauchen klare Regeln für die Landwirtschaft und die Imker", so eine Forderung von Matthias Rühl, der aus eigenen Erfahrungen berichten konnte und das fehlende Miteinander von Landwirtschaft und Imkerei beklagte. "Die konventionelle Landwirtschaft gibt den Bienen keine Chance", erklärte Rühl, der Rückgang der Bienen und Vögeln sowie Insekten aller Art sei erschreckend. Als Beispiel nannte er die Gegend um Krassolzheim, die sei praktisch biologisch tot.
Geradezu schlimm seien die Insektenvernichtungsmittel mit Neonicotinoiden, die die Weiterleitung von Nervenreizen unterbinden und so Schadinsekten töten. Nach Meinung von Rühl seien aber auch Bienen die Opfer, denn sie verlören dadurch ihren Orientierungssinn und fänden den heimischen Stock nicht mehr. Auch das umstrittene Glyphosat richte große Schäden an und wurde bereits in Brot und Bier sowie Honig nachgewiesen.
"Ich wünsche mir mehr Offenheit und Ehrlichkeit der Politik, insbesondere zu den Neo-nicotinoiden", forderte Rühl. Gerade bei der Rapsblüte sei die Technik mit dem Dropleg-Verfahren vorhanden, bei der durch Unterblattspritzungen der Kontakt mit Bienen deutlich verringert werde, sie müsse nur flächendeckend eingesetzt werden.
Dass das falsche Spritzen der Rapsblüte Bienen tötet, bestätigte ein Imker aus Höchstadt. Dort brachte ein Landwirt beim Bienenflug das Insektenmittel aus und binnen Stunden starb ein Großteil seiner Bienenvölker. Dies könnte größtenteils vermieden werden, wenn der Raps außerhalb des Bienenfluges, also am Abend behandelt wird, erklärte dazu Kreisobmann Ort und wurde von anwesenden Landwirten bestätigt.
Die Landwirtschaft habe sich verändert und stehe unter Wachstumsdruck, dazu trage auch die Versiegelung der Flächen und ungezügelte Bautätigkeit bei. Deshalb gebe es auch nahezu keine Grünfütterung mehr, sondern Gras werde zu Silage verarbeitet, was das Aus von blühenden Wiesen bedeute. Außerdem sollte jedem bewusst sein, dass es ohne Chemie nicht geht, dazu leiste auch der Klimawandel einen ungewollten Beitrag, auf den sich die Landwirtschaft einstellen müsse.


Fehlende Förderprogramme

"Man macht Landwirtschaft nicht zum Spaß, sondern um zu verdienen", erklärte Gabi Schmidt, die ebenfalls viele Fehler bei der Politik mit einer aufgeblasenen Bürokratie, aber auch bei Verbänden sieht. Unter anderem seien Förderprogramme zurückgefahren worden. "Wenn Wiesen ebenso gefördert würden wie Biogas, würde ich Blühwiesen aussähen", erklärte ein Landwirt.
Deshalb wurde auch bedauert, dass das Programm zur Flächenstilllegung in der EU im Jahr 2009 wieder abgeschafft wurde. Denn gerade diese Flächen seien für Kleintiere und Insekten ein Paradies mit Blüten vom Frühjahr bis zum Herbst gewesen. Wie Johann Häusler erklärte, gebe es zwar ein Kulturlandschaftsprogramm, dessen finanzielle Mittel aber bei Weitem nicht ausreichen.
Pro Saison sterben 20 bis 30 Prozent der Bienen. Wäre das bei anderen Nutztieren der Fall, wäre der Aufschrei groß, obwohl der volkswirtschaftliche Nutzen der Bienen ungleich höher sei als der anderer Tiere, erregte sich Rühl. "Politisch werden gravierende Fehler gemacht, das ist erschreckend, das ist ein Saustall."
"Dass nichts getan wird, kann man so auch nicht sagen", erklärte Martin Rumpf. In Triesdorf stünde auch Bienenkunde auf dem Lehrplan, das mache die Lehranstalt aber freiwillig. Nach seinen Worten stoße das Thema auf großes Interesse der Jungbauern und die Nachwuchslandwirte würden für das Thema Bienen sensibilisiert.
Deshalb sei der Abend wichtig, damit Landwirte und Imker ins Gespräch kommen. Ort bat, mit den an Bienenstöcke angrenzenden Landwirten Kontakt aufzunehmen, um die Behandlung der Felder während des Bienenfluges auf den Abend oder die Nacht zu verschieben. "Wie sollten miteinander reden und nicht übereinander", forderte der Kreisobmann abschließend.
Schmidt betonte wiederholt die Bedeutung der Bienen für die Landwirte und dass eine Lösung nur im Miteinander zwischen Landwirtschaft und Imkerei liegen kann. Dabei sei aber auch die Politik gefordert, denn unter der auch zuschussbedingten Ausbreitung der Monokultur mit Mais und nur wenigen Getreidearten leiden Natur und Landwirtschaft. So sollten vor allem die viehlosen Biogasanlagenbetreiber verpflichtet werden, einen Teil ihrer Flächen in Blühflächen umzuwandeln. Deshalb es auch im Interesse der Allgemeinheit, dass die Politik sich für die Bienen einsetzt.


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