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Röttenbach
Ausstellung

Besucher dürfen Titel wählen

Im Röttenbacher Rathaus präsentiert Herbert Winter bis Anfang September eine Reihe seiner Bilder. Weil diese bei den Betrachtern ganz unterschiedliche Empfindungen auslösen, hat er ihnen selbst keine Namen gegeben.
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Herbert Winter bei der Vorbereitung der Ausstellung im Röttenbacher Rathaus Foto: Pauline Lindner
Herbert Winter bei der Vorbereitung der Ausstellung im Röttenbacher Rathaus Foto: Pauline Lindner
Was macht ein Lehrer in den Ferien? Sich ausruhen, sich vom Schulalltag erholen, das wissen alle, auch die Schüler. Herbert Winter, Schulleiter in Hemhofen, hat dafür eine besondere Methode: Er malt. "Ich habe mir vorgenommen, in jeden Ferien ein Bild zu malen, aber es bei Weitem nicht immer geschafft", sagt er, während er die Werke für seine Ausstellung im Röttenbacher Rathaus aufhängt.

Der Hemhofner Rektor hat als Schwerpunktfach Kunst studiert. Kunstgeschichte und Kunstpädagogik, zwei Jahre war er sogar an der Kunstakademie in Montpellier in Südfrankreich und hat seine Bilder nicht nur in Deutschland ausgestellt. Doch auch ihn holt der berufliche Alltag ein.

Unterschiedliche Eindrücke

Nach 20-jähriger Pause will er nun Interessierte mit auf eine "Bilderreise" nehmen. Ganz bewusst, so erklärt er, hat er den Kunstwerken keine Namen gegeben.
"Zu unterschiedlich sind die Eindrücke des Betrachters", erläutert er. Aber er bittet die Besucher, ihre Ideen für Bildtitel doch in eine Liste einzutragen. "Das habe ich schon mal mit Schülern in Ingolstadt gemacht. Das Ergebnis war für mich sehr interessant."

Und richtig amüsant war es in Sonthofen. Dort wollten drei Psychologen seine Künstlerpersönlichkeit aus den Bildern herauslesen. Lachend mussten sie sich eingestehen, dass sie dabei nur sich selber entdecken. Wie das zustande kommt, liegt an Winters Maltechnik. Für ihn ist es ein meditativer Schaffensprozess, wenn er - oft über Monate - in Aquarelltechnik an einem Bild arbeitet. Das Aquarell gilt allgemein als die Maltechnik, bei der jeder Strich sitzen muss, die nicht mehr verändert werden kann.

Dynamische Bilder

Das beherrscht Winter sehr wohl, doch seit Jahrzehnten arbeitet er mit der Technik von Friedrich Hechelmann. Anstelle auf rauem Aquarellpapier wird dabei die Farbe auf speziellen glatten, wenig Feuchtigkeit aufnehmenden Karton aufgetragen. Im trockenen Zustand überarbeitet sie Winter mit nassem Pinsel oder Wassersprüher und holt so Schicht für Schicht Strukturen heraus. Bis - manchmal - nur mehr Pigmentgerüste stehen bleiben. Mit Stiftstrichen betont, sind das sehr dynamische, abstrakte Bilder. Die den Betrachter deswegen ganz unterschiedlich ansprechen. Die er mit ganz verschiedenen Gedanken verbindet. In die er sich hineindenken und -fühlen kann.

Damit ist er sehr nahe an Winters Ausgangspunkt. Der persönliche Reiz liegt für ihn im Prozess des Sich-Entwickelns. "Ich frage mich dabei, was will entstehen. Ich habe kein fertiges Bild im Kopf."

Ein Stück weit kann man seinen Weg mitgehen, wählt man als Versuchsobjekt die drei Bilder aus, die er im Obergeschoss an der langen Wand oberhalb der Treppe platziert hat. Eine Art Triptychon. Im linken Bild breitet sich Helle in einem rotbraunen Umfeld aus. Das mittlere ist von Grüntönen mit feinsten Strukturen dominiert. Das rechte ist in Blau gehalten. Man fragt sich sofort, sprudelt hier klares Wasser oder saugt ein Schlund etwas ein. "Einer hat die Bildfolge als Geburt, Leben und Tod gedeutet; ein anderer als Darstellung der Zeit", hat Winter Aussagen gesammelt. Denkbar ist auch eine Assoziation mit dem Wachstum von Pflanzen.

Bei dieser Art Bilder ist eine persönliche Annotation sicher gestattet. Eine optische Verbindung zur Schweizer Buchillustratorin Käthi Bhend. Sie schuf ein Bilderbuch zum Leben einer Tulpenzwiebel. In unendlichen feinen, allerdings konkreten Details lässt sie Erde, Wurzeln und ie ganze unterirdische Welt lebendig werden. Eine Stufe abstrakter, aber beim längeren Betrachten der Winterschen Bilder schieben sich die Eindrücke davon und die Erinnerungen an Bhendsche Bücher übereinander.

Morgen ist die Vernissage

Die Vernissage ist am morgigen Donnerstag um 19 Uhr. Verbunden mit den Flötenklängen von Ursula Höpfner ist dann Zeit, die eigenen Gedanken fließen zu lassen. Aber auch zum Plaudern und Informieren. Die Ausstellung läuft über die Ferien bis zum 4. September. Da Winter die meditative Auseinandersetzung äußerst wichtig ist, bietet er neben dem Erwerb von Werken auch das Leasing an.


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