Herzogenaurach
Gedenktag

Berichte aus der Hölle auf Erden

Herzogenauracher Gymnasiasten erinnern mit einer szenischen Lesung an die Opfer des Nationalsozialismus.
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Die Zehntklässler trugen die Berichte von Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs vor. Foto: Manfred Welker
Die Zehntklässler trugen die Berichte von Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs vor. Foto: Manfred Welker
Das unfassbare Grauen eines Konzentrationslagers in Worte zu fassen versuchten Schüler des Gymnasiums Herzogenaurach am Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, dem 27. Januar, in der Aula ihrer Schule.

Angestoßen hatte dieses Projekt die Lehrerin Julia Rosche mit der damaligen Klasse 9b vor rund einem Jahr. Die jetzige 10b wird von Ulrike Deavin-Spindler betreut, die auch die Lesung an diesem Abend vorbereitete. Von den 27 Schülern lasen fast alle an diesem Abend, schließlich ist es ihr Projekt, auch wenn die damalige Referendarin Julia Rosche das Projekt als ihre Seminararbeit leitete. Als Quellen dienten ihnen Bücher Zeitungen, Briefe, Protokolle von Gesprächen mit Zeitzeugen.

Die Seminararbeit mit der Klasse begann am 12. Dezember 2014 in Dachau mit einer Führung und Zeitzeugengesprächen. Das Projekt erstreckte sich über vier Wochen. Die Schüler stellten eine Lesung zusammen, die sie mit Zwischentexten aneinander fügten. Vor einem Jahr, am 27. Januar 2015, war die Uraufführung in Erlangen. Zur Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Dachau am 29. April 1945 vor 70 Jahren waren die Schüler vor Ort bei der Gedenkfeier und konnten sich noch mit Zeitzeugen austauschen. Ein weiteres Mal konnten sie am 3. Mai 2015 in Dachau bei einer Gedenkveranstaltung mit Bundeskanzlerin Merkel und dem Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer eine kurze Sequenz vorlesen. Für ihre Ausarbeitungen erhielten sie im September 2015 den Karl-Heinz-Hiersemann-Preis.

"Für mich war es ein super Erfolg, wie die Schüler mit Feuer und Flamme dabei waren, die sich zuvor kaum für Geschichte interessiert hatten", umschreibt Julia Rosche die Arbeiten an diesem Projekt. "Die Klasse hat sehr engagiert Antworten auf ihre Fragen gesucht", berichtet Rosche.

In Vierergruppen verlasen die Schüler die Zeitzeugenberichte. Diese erzählten von den unmenschlichen Haftbedingungen, von einem Häftling, der erst nach dem Abzug der Wachmannschaften durch einen Granatsplitter noch zu Tode kam, und von Häftlingen, die nach dem ungewohnten Essen nach der Befreiung an Durchfall starben. Die Berichte erzählten auch von der Schwierigkeit, das Ungeheuerliche eines Konzentrationslagers nach der Rückkehr den Verwandten glaubhaft zu erzählen. Ein Thema war auch die Unmöglichkeit, nach der Befreiung ein normales Leben zu führen oder gar einen normalen Umgang mit der deutschen Bevölkerung zu pflegen. Ein nach Israel ausgewanderter Überlebender brach sogar mit seinem Vater, der nach dem Krieg eine deutsche Frau heiratete.

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