Herzogenaurach
Vortrag

Beckstein bekommt in Herzogenaurach viel Applaus

Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein punktete bei seinen Zuhörern in Herzogenaurach unter anderem mit der Forderung, mehr den Menschen und weniger die Rendite in den Vordergrund zu stellen.
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Matthias Düthorn, Günther Beckstein und Alexander Tritthart (v. l.) waren bester Laune, auch wenn Bayerns ehemaliger Ministerpräsident mit der Politik im Allgemeinen teilweise hart ins Gericht ging. Foto: Richard Sänger
Matthias Düthorn, Günther Beckstein und Alexander Tritthart (v. l.) waren bester Laune, auch wenn Bayerns ehemaliger Ministerpräsident mit der Politik im Allgemeinen teilweise hart ins Gericht ging. Foto: Richard Sänger
Was den Wahlkampf anbelangt, hielt sich Günther Beckstein bei seinem Besuch in Herzogenaurach zurück. Der Form halber empfahl er den Gästen im TSH-Heim natürlich, Alexander Tritthart als Landrat und Matthias Düthorn (beide CSU) als Herzogenauracher Bürgermeister zu wählen, dann widmete er sich aber dem Thema "Christ und Politik", das er auch in seinem Buch "Die Zehn Gebote" behandelt.

So seien die Zehn Gebote besser als alle Gesetze, die gemacht werden, und die Politik würde gut daran tun, mehr danach zu handeln. "Ich bin überzeugt, dass die Zehn Gebote eine wunderbare Ordnung der Welt sind. Unser Herrgott hat das toll eingerichtet", sagte Beckstein. Die Zehn Gebote seien "Leitplanken" fürs Zusammenleben. Da sich die evangelische Kirche derzeit in der "Reformations-Dekade" befindet, soll nicht gegen die katholische, sondern mit ihr gefeiert werden. Schließlich sei eine einheitliche christliche Kirche das Ziel.

Beckstein erinnerte an die Zeit, als es zu Problemen kam, wenn junge Leute unterschiedlichen Glaubens eine Ehe eingingen, und es oft zu Streit kam, wenn es um die Frage ging, in welchem Glauben die Kinder erzogen werden sollen. "Früher nannte man das Mischehen. Gott sei Dank ist die Zeit vorbei, und es wurden Glaubensgemeinschaften daraus", erklärte Beckstein, dessen Vortrag des Öfteren von Beifall unterbrochen wurde, weil er genau den Nerv der Menschen traf.

Mehr Respekt für Pflegeberufe

Der Staat sei auf gemeinsame christliche Werte aufgebaut, "und das ist auch gut so". Schließlich ist jeder Mensch ein Ebenbild Gottes, und gerade deshalb habe jeder Mensch dieselbe Menschenwürde. "Die Menschenwürde zu achten, ist eine Aufgabe des Staates." So dürfe es gerade bei der Menschenwürde keine Unterschiede zwischen Menschen mit Behinderung, alten oder Pflegebedürftigen, Menschen aus Pflegeberufen oder einem Nobelpreisträger geben.

Wobei Beckstein die Pflegeberufe besonders hervorhob, aufgrund des demografischen Wandels ein sehr schwieriges Terrain. "Wir müssen zu einer besseren Bewertung der Menschen kommen, das trifft insbesondere auf die Menschen zu, die in Pflegeberufen arbeiten und für die mehr getan werden muss", forderte der ehemalige Ministerpräsident.

Weiter sprang er zum Begriff Freiheit, die nicht Bindungslosigkeit und Verantwortungslosigkeit bedeuten solle, sondern Verantwortung. Dazu spann Beckstein den Faden in die Zukunft, in der die Menschen das Leben mit immer weniger Ressourcen bewältigen müssen. Da komme gerade auf das "High-Tech-Land Deutschland" eine große Verantwortung gegenüber der Welt zu.

Damit verbunden ist auch die Energiewende, die noch lange nicht gelöst sei. "Meist handelt die Politik zuerst und fängt dann das Denken an", für diese Aussage gab es erwartungsgemäß starken Beifall. Denn von größter Wichtigkeit sei die Nachhaltigkeit, über die zwar viele sprechen, aber letztendlich nicht danach handeln.

Nachhaltigkeit war Thema

Im ökonomischen Bereich spiele die Nachhaltigkeit ebenfalls eine große Rolle. Es wurden über Jahre Schulden angehäuft, "obwohl die Konjunktur kein Dauerhoch ist", erklärte Beckstein und forderte, dass Deutschland einen anderen Weg einschlagen müsse. Deshalb dürfe bei der Wirtschaftsordnung nicht die Rendite im Vordergrund stehen, sondern der Mensch.

Schlecht kamen die rachgierigen Spekulanten und ebenso skrupellose Banker weg, die mit ihrem unverantwortlichen Handels die Welt in eine Krise stürzten. Beckstein wartete dazu auch mit ein paar Beispielen auf, in denen Unsummen verzockt und die Zocker auch noch belohnt wurden. "Da gibt es Leute, die würden sich lieber arbeitslos melden, als im Jahr ,nur' eine halbe Million zu verdienen", prangerte Beckstein die Spekulanten an.


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