Herzogenaurach
Natur

Baumpfleger müssen klettern können: Aktion in Herzogenaurach

Hoch droben, in bis zu 25 Metern Höhe, haben Baumpfleger in der rund hundertjährigen Eiche auf dem Areal des Kindergartens an der Edergasse in Herzogenaurach totes Holz beseitigt. 35 alte Bäume stehen dort, die überwacht und gepflegt werden wollen.
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Wie klein ist doch der Mensch: Zwei kletternde Baumpfleger in luftiger Höhe. Aktion auf dem Areals eines Kindergartens in Herzogenaurach. Fotos: Bernhard Panzer
Wie klein ist doch der Mensch: Zwei kletternde Baumpfleger in luftiger Höhe. Aktion auf dem Areals eines Kindergartens in Herzogenaurach. Fotos: Bernhard Panzer
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Der alte Baum ächzt und stöhnt, es knarrt in seinem Astwerk, wenn der Herbststurm peitscht. Und manchmal wirft der Riese dann auch schon mal totes Holz ab, dürre Zweige und morsche Äste. In der Natur ist das eine ganz normale Sache, sagt der Biologe Bastian Erdorf. Im Wald stört das niemanden.

Wohl aber, wenn der knorrige Riese auf dem Gelände eines Kindergartens steht. Dort, wo im Sommer die Kinder spielen, im Schatten des alten Baums. Im Garten in der Edergasse steht so einer, und nicht nur das: Die mindestens hundertjährige Eiche ist nur ein stattlicher Baum unter 35 Kollegen, die dort schon viele Jahre Lebensalter haben. Und die sich deshalb auch schon mal erneuern und befreien von alten, abgestorbenen Zweigen und Ästen.

Auf dem Außengelände hat man solches Totholz in den letzten Tagen gesammelt. Sorgsam für den Abtransport aufgehäuft.
Morsche Äste, die aber nicht von selbst zu Boden gefallen sind. Denn diese Arbeit hat Erdorf verrichtet, mit seinen drei Mitarbeitern. Der Roßtaler betreibt eine Baumpflegefirma, die im Auftrag des Kindergartens in den letzten Tagen die Bäume von bruchgefährdetem Totholz befreit hat. Damit bald wieder die Kinder in ihrem Schatten spielen können.

"Das Personal des Kindergartens hat ständigen Sichtkontakt", sagt Gaby Klaus, die bei der katholischen Kirche als Träger der Einrichtung die Maßnahme in Auftrag gegeben hat. Man habe einfach gesehen, dass jetzt größere Aktionen erforderlich waren. "Kleinere Äste fallen herab, andere hängen nicht mehr so elastisch", sagte Klaus. Oftmals helfen da auch die Hausmeisterin und die Friedhofsgärtner, sagt Kindergartenleiterin Annette Blum. Aber jetzt mussten einfach Profis her.

Und die kamen wie die Bergsteiger. Neben den Sägen waren Seile das wichtigste Utensil. Denn die Baumpfleger müssen ja hoch hinauf in die Verästelungen. Die stattliche Eiche hat eine Höhe von mindestens 25 Metern. Und wer dort oben in der Baumkrone arbeiten will, der muss bestens gesichert sein.


Aus dem Bergsport

"Wir arbeiten mit Seilklettertechnik", sagt Erdorf. Seine Mitarbeiter seien alle klettererfahren und kommen aus dem Bergsport. Es ist die Doppelseiltechnik, die das Baumklettern vom Felsklettern unterscheidet. Und die eher aus der Höhlenforschung kommt. Eine komplizierte Angelegenheit, mit Wurfsäckchen, dünner Schnur und starkem Seil, Klemmknoten und Sitzgurt.

Und es muss immer so funktionieren, dass der Kletterkünstler in luftiger Höhe nicht nur an die exponierten Stellen herankommt, um verzweigte Äste zu erreichen. Er muss auch absolut sicher sein. Ein Sturz aus 20 Metern Höhe ist schließlich wenig erstrebenswert. Ganz "nebenbei" müssen die Kollegen auch noch ihr zweites Handwerk beherrschen. Nämlich geschult sein, was sie denn entfernen dürfen, was denn nun abgestorben ist und was gesund ist.

Einen ganzen Tag lang haben sich Janis Strahler und Oliver Ortner hoch droben im Astwerk der mächtigen Eiche aufgehalten. Manch Spaziergänger drüben vom Wiwaweiher blieb stehen und beobachtete die Aktion der Kletterer, die sich scheinbar federleicht in der Baumkrone bewegten.


Drei Bäume gefällt

Doch nicht nur die große Eiche war ein Arbeitsziel. Auch manch andere der 35 Laubbäume auf dem Areal mussten bearbeitet werden. Drei Exemplare - Rubinie, Birne und Birke - waren nicht mehr zu retten. Morsche und Blitzschlag hatten sie geschädigt. Felix Graf war derweil der Spezialist fürs Fällen: Von der Krone her wurde der Stamm scheibchenweise abgesägt.

Zu den Aufgaben gehört auch das Katalogisieren der Bäume. Das hilft bei weiteren Maßnahmen und beim Einordnen des Zustands. Die stattliche Eiche sei schon in der Altersphase angelangt, sagt der Biologe Erdorf. Aber sie sei gesund. Und so ein Baum kann ja locker 500 Jahre alt werden. Auch bekommen die Bäume jetzt Nummern. Bei 35 Exemplaren im Garten erscheint das angebracht.

"Dann müssen wir beim nächsten Mal nicht mehr sagen, schaut euch mal den dritten Baum auf der linken Seite an", erklärt Gaby Klaus. Sie ist stolz auf den Kindergarten, dessen Ursprünge ja bis auf das Jahr 1932 zurückgehen: "So einen Garten muss man suchen."

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