Höchstadt a. d. Aisch
Inklusion

Barrierefreiheit hat viele Facetten

In der Höchstadter Innenstadt werden weiter Barrieren abgebaut. Doch die Fachtagung zum Thema zeigt: Nur mit baulichen Maßnahmen ist es nicht getan.
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Flaches Pflaster, wie hier am Kommunbrauhaus Höchstadt, erleichtert Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen deutlich die Fortbewegung. Foto: Jann Weckel
Flaches Pflaster, wie hier am Kommunbrauhaus Höchstadt, erleichtert Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen deutlich die Fortbewegung. Foto: Jann Weckel
Es geht nun häufiger etwas unübersichtlich zu in der Höchstadter Hauptstraße. Die Grenzen zwischen Straße und Gehweg sind fließend, was von Autofahrern und Fußgängern erhöhte Aufmerksamkeit erfordert. Für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehhilfen ist die barrierefreie Gestaltung aber ein wichtiger Aspekt, um weniger auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.


Neues Pflaster wird verlegt

"Dass die erhöhten Gehwege weg sind, ist schon eine Verbesserung", sagt Johanna Auerbeck, Leiterin des Seniorenzentrums St. Anna. "Die Bordsteine zu überwinden war mit Rollatoren oder Rollstühlen kaum möglich." Der Weg vom Seniorenzentrum in die Innenstadt ist für die Bewohner deutlich unbeschwerlicher geworden.

Hinzu kommt nun ein weiteres Bauprojekt: Rund um das Kommunbrauhaus wird aktuell ein Streifen mit großen glatten Steinplatten gepflastert. "Dann werden in Zukunft die Handgelenke der Rollatorfahrer nicht mehr so stark erschüttert. Und für Mütter mit Kinderwägen ist das doch auch schön", freut sich Johanna Auerbeck. Auch an der Baustelle ist die Vorfreude der Senioren schon angekommen: "Die Leute bedanken sich oft dafür, dass wir das machen", berichtet ein Arbeiter.


Altersarmut und schwere Sprache

Auf der anderen Seite der Aisch tagen zur selben Zeit Fachleute und Interessierte zum Thema "Barrierefreiheit im öffentlichen und privaten Raum" in der Fortuna Kulturfabrik.

Mit dabei ist auch Irmgard Badura. Sie ist die Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung. "Ich bin nun fast acht Jahre im Amt und Barrierefreiheit hat sich mittlerweile als Begriff etabliert, wird aber meist nur baulich verstanden. Aber jeder Mensch und jede Behinderung ist anders. Auch Senioren haben Unterstützungsbedarf. Jeder hat andere Anforderungen", so Badura. "Mit einer Rampe für Rollstuhlfahrer kann ein Schwerhöriger seine Grenzen nicht überwinden."

Diese Grenzen finden sich oft auch an Stellen, wo ein Außenstehender sie nicht vermuten würde. Jürgen Ganzmann, Beauftragter für Menschen mit Behinderungen des Landkreises Erlangen-Höchstadt, behandelte in seiner Rede auch das Thema Sprache: "Die Sprache verändert sich rasend schnell. Viele Menschen verstehen die Alltagssprache nicht mehr vollständig oder gar falsch." Das führe zu Problemen beim Fahrscheinkauf, beim Abschluss von Verträgen oder auch beim Verständnis von Bescheiden der Behörden. "Ohne gelingende Kommunikation gelingt auch keine Teilhabe", so Ganzmann.

Der Teilhabe am öffentlichen Leben stünden noch weitere Dinge im Weg. Beispielsweise Pflegenotstand, Altersarmut, der Mangel an barrierefreien Wohnräumen oder ein unübersichtliches System der öffentlichen Verkehrsmittel. "Die Tarife sind so unübersichtlich, dass selbst Busfahrer den falschen Fahrschein verkaufen", so Ganzmann.


Auf einem guten Weg

"Wir sind bayernweit auf einem guten Weg", betonte Irmgard Badura abschließend, "doch baulich und was die Verfügbarkeit von mobilen Hilfsangeboten angeht, sind wir noch nicht dort angekommen, wo wir hin wollen."

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