Gremsdorf
Wirtschaft

Barmherzige Brüder fördern berufliche Integration

Die Barmherzigen Brüder Gremsdorf haben eine Firma gegründet, die Menschen mit Behinderung am ersten Arbeitsmarkt beschäftigt.
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Den beiden Prüf-Teams macht die Arbeit sichtlich Freude: Christoph Rietig, Helmut Mixa, Roland Höcherl und Martin Spreitzer mit Betriebsleiter Martin Widera (2. v. l.) Foto: Evi Seeger
Den beiden Prüf-Teams macht die Arbeit sichtlich Freude: Christoph Rietig, Helmut Mixa, Roland Höcherl und Martin Spreitzer mit Betriebsleiter Martin Widera (2. v. l.) Foto: Evi Seeger
Wenn ein Brand entsteht, kann es richtig teuer werden! Ausgelöst vielleicht von einem defekten Elektrokabel oder einer durchgebrannten Maschine. Dass die Haftpflichtversicherung in einem solchen Fall genau prüft, eventuell mit der Schadensübernahme eher "zurückhaltend" ist, liegt auf der Hand. Schließlich schreibt der Gesetzgeber vor, "dass alle Elektrogeräte, die sich im öffentlichen und berufsmäßig genutzten Raum befinden", in regelmäßigen Intervallen geprüft werden müssen.
Genau das macht seit 1. Januar dieses Jahres das neue Unternehmen "Intakt". Intakt ist ein Integrationsunternehmen, das Menschen mit Behinderung am ersten Arbeitsmarkt beschäftigt. "Vom Gesetz her liegen wir auf der gleichen Ebene wie der TÜV", sagt Betriebsleiter Martin Widera.
Die gGmbH (gemeinnützige GmbH) ist eine Tochtergesellschaft der "Barmherzige Brüder gemeinnützige Behindertenhilfe GmbH". Deren Ziel ist es, Frauen und Männer mit Handicap auf dem ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.
Intakt-Geschäftsführer ist Günther Allinger. Martin Widera ist neben der Leitung auch mit der sozialpädagogischen Betreuung betraut. Aktuell beschäftigt die Firma vier Mitarbeiter. "Wir gehen immer im Team von zwei Leuten hinaus: ein Prüfhelfer, in der Regel ein behinderter Mitarbeiter, und eine Elektrofachkraft", erklärt Widera. Zum 1. März sollen zwei weitere Mitarbeiter dazu kommen.


Unternehmen wie jedes andere

"Wir prüfen fest angeschlossene Elektrogeräte, aber auch alles, was einen Stecker hat", bringt der Betriebsleiter die Leistung auf den Punkt. Für die Prüfleistungen gehen die Mitarbeiter samt einer mobilen Ausrüstung in Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime, Verwaltungs- und Büroräume, Industrie- und Gewerbeunternehmen. Bewegliche Geräte werden auch in ihrer Gremsdorfer Werkstatt geprüft. Natürlich prüfen die Intakt-Mitarbeiter auch alles in der Gremsdorfer Einrichtung.
"Das ist ein ganz normales Wirtschaftsunternehmen wie jedes andere Unternehmen auch", sagt Günther Allinger, Gesamtleiter der Gremsdorfer Einrichtung. "Mit einer Ausnahme: Wir stellen Menschen mit Schwerbehinderung ein." Dies sei ein normales sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis mit einem regulären, unbefristeten Arbeitsvertrag und - entsprechend ihrer Tätigkeit - einer Bezahlung nach dem AVR-Tarif (Caritas).
"Und wir verbraten keine Steuergelder", ergänzt Martin Widera, der auch Sprecher der Lagif (Landesgemeinschaft der Integrationsfirmen) ist. "Wir bekommen keine Förderung, die nicht jeder andere Unternehmer auch bekommt", sagt er. Es gebe lediglich einen Zuschuss aus der Schwerbehindertenabgabe. Das ist die Abgabe, die Firmen zu bezahlen haben, wenn sie keine oder zu wenige Behinderte beschäftigen.
Eine echte Marktlücke also. Jedenfalls keine Konkurrenz zu den Elektrofirmen, sagen die Verantwortlichen. Denn diese hätten wegen anderer Auslastungen nur wenig Interesse an den regelmäßig wiederkehrenden Prüfungen. "Wir nehmen den Elektrikern vor Ort nichts weg, denn wir reparieren nicht", sagt Widera.


Firmen haben oft Bedenken

Die Erfahrung habe gezeigt, dass behinderte Menschen oft über Jahre hinweg ohne Arbeit sind. Unternehmen würden sie nicht einstellen, weil sie vielleicht "etwas aus dem Rahmen fallen", obwohl sie am Arbeitsplatz gut funktionieren können. "Da gibt es Ängste bei den Unternehmen", meint Günther Allinger. Beispielsweise, dass man behinderten Beschäftigten nicht mehr kündigen könne, sollten sie ihre Leistung nicht erbringen.
Als Vater der Idee fragte sich Allinger, welche Möglichkeiten es auf dem Markt gebe. Kontakte mit den Integrationsstellen führten dazu, dass "Intakt" in allen bayerischen Bezirken tätig sein kann. Aufträge aus Niederbayern, Ober- und Mittelfranken und der Oberpfalz sind bereits das Ergebnis. Gewinnstreben stehe bei einem solchen Unternehmen nicht an erster Stelle, betonen Allinger und Widera. Ziel sei es, Menschen mit Behinderung in Arbeit zu bringen. Selber tragen müsse sich die Firma aber schon. Schließlich müsse man investieren und Rücklagen bilden. Um ein Team mit Geräten und einem Fahrzeug auszustatten, sind rund 20 000 Euro nötig. Ein Überschuss am Jahresende sollte daher schon drin sein. "Reich wird man mit einem Integrationsunternehmen allerdings nicht", betont Martin Widera.
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