Herzogenaurach

Badeplätze für (fast) alle

1857 wurden an verschiedenen Stellen im Ort Plätze ausgewiesen, an denen man sich ins kühle Nas stürzen konnte. Nur das "Weibsvolk" durfte nicht baden.
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Der zum Freibad ausgebaute Badeweiher im südlichen Weihersbach (heutiger ASV-Platz Foto: Der zum Gäbelein/Archiv
Der zum Freibad ausgebaute Badeweiher im südlichen Weihersbach (heutiger ASV-Platz Foto: Der zum Gäbelein/Archiv
Erinnern wir uns: der Herzogenauracher Advokat (Rechtsanwalt) beschwerte sich beim hiesigen Magistrat, dass er von jugendlichen "Spannern" beim Nackt-Baden in der Aurach beobachtet worden sei (1856) und dass der Polizeidiener Walz mit in diese Sache eingeweiht gewesen sei. Anstifter der ganzen Angelegenheit sei ein gewisser Herr "N.N." aus Herzogenaurach gewesen.
Am 2. September 1856 "rapportierte" dann der Beschuldigte, zu deutsch: Walz trat zum Bericht wegen dieser Angelegenheit an. Er erklärte, dass der Advokat Lippert in der Nähe der Stadtmühle im "Aurachflusse gebadet" habe. Dies sahen Kinder und sie lachten darüber. Er habe das im Gasthaus Fröhlich erzählt und den Händler Weis (Herr N.N.) aufgefordert, er solle dem Lippert schreiben, dass das Baden an öffentlichen Orten ein Ärgernis für die Jugend sei und dass dieser Unfug aufhören müsse.


Rüge vom Stadtrat

Walz wurde vom Stadtrat gerügt, weil er den Tatbestand nicht seiner vorgesetzten Behörde angezeigt und die Sache in der Öffentlichkeit verbreitet hatte. Dem Advokaten Lippert ging mit Datum 6. November 1856 (!der Amtsweg dauerte damals recht lange) die Antwort zu , wonach der Stadtrat beschloss, dem Antrag auf Errichtung eines Badehauses in der Aurach nicht statt zu geben, "weil es an einem geeigneten Platz am Aurachfluss mangelt" und "weil ein notwendiges Bedürfnis zur Aufstellung eines Badehauses nicht besteht und auch sich noch nicht fühlbar gemacht hat ..."
Doch irgendwie scheint die ganze Angelegenheit noch weitere Kreise gezogen zu haben, denn offenbar war die Regierung von Oberfranken auf die Angelegenheit aufmerksam gamacht worden. Mit Schreiben vom 23. Mai 1857 wurde die Stadtverwaltung darauf hingewiesen, dass "das Baden in Flüssen durch Einrichtung von Badeplätzen und Badeanstalten unter genauer Beachtung der hierbei auf Sicherheit und Sittlichkeit zu nehmenden Rücksichten thunlichst zu fördern sowie die Erstellung von sonstigen Badegelegenheiten in den größeren Gemeinden zu veranlassen und möglichst zu untertsützen sei ..."
Weiterhin hieß es in dem Schreiben, dass die Einrichtung "von Badeplätzen im Aurachflusse ... da hier in Beziehung auf die vorhandene große Seelenzahl schon zu wünschen und mit Zustimmung der angerenzenden Wiesenbesitzer auszuführen ..." sei.
Die Stadtverwaltung wurde angehalten "vor allem Plätze auszumitteln, und zwar für die Kinder , die erwachsene Jugend , die Familienhaeupter und diejenigen, die in der bürgerlichen Gesellschaft eine höhere Stellung wegen ihres Standes einnehmen." Auffällig an dieser Anordnung ist, dass das "ordinäre Aurachwasser die Körper der honorigen Mannspersonen an anderer Stelle im Fluss umspülen sollte als die einfachen Bürger" und dass für das "gemeine Weibsvolk" derlei Badeplätze nicht ausgewiesen werden sollten.


Ausgewiesene Flächen

Wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit beschloss der Magistrat, den Bau von geeigneten Badeplätzen auf das folgende Jahr (1858) zu verschieben. Und schließlich konnte man in den öffentlichen Bekanntmachungen lesen "Als Badeplatz wird der Aurachfluß, und zwar für Erwachsene ... die Hirtenwiese unweit der Eckenmühle und für Kinder beim Schulgarten nächst dem Hudmühl-Weiher (unterhalb des späteren Liebfrauenhauses) ....bestimmt."
Somit waren erste Badeplätze ausgewiesen, doch dagegen hatte die Kirche in Person von Kaplan Heckel einiges einzuwenden. Und wie das Ganze weiterging - demnächst in Ihrer Zeitung!

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