Erlangen
Europakanal

Auf Foto-Tour im Inneren der Schleuse Erlangen

Die Schleuse Erlangen am Main-Donau-Kanal wird ertüchtigt. Bald beginnt der Neubau. Einblick in die Herzkammer des Betonriesen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Kolossal ist der Anblick im Inneren der Schleusenkammer der Schleuse Erlangen am Main-Donau-Kanal zwischen Dechsendorf und Möhrendorf. Der Bau muss saniert werden und noch so lange halten, bis die neue Schleuse 2024 fertig ist. Foto: Christian Bauriedel
Kolossal ist der Anblick im Inneren der Schleusenkammer der Schleuse Erlangen am Main-Donau-Kanal zwischen Dechsendorf und Möhrendorf. Der Bau muss saniert werden und noch so lange halten, bis die neue Schleuse 2024 fertig ist. Foto: Christian Bauriedel
+41 Bilder
Ein bisschen Atombunker-Feeling kommt auf, wenn man die Treppen in die Herzkammer der Schleuse Erlangen am Europakanal hinabsteigt. Die imposante Maschinenhalle liegt zwischen dem Becken, in das die Schiffe einfahren, und dem sogenannten Sparbecken, in das das Wasser abgelassen wird.

Hier in den Tiefen des Betonbaus zwischen Dechsendorf und Möhrendorf wird sichtbar, was den Koloss bald zum Wanken bringen wird: Risse in der Wand, undichte Nahtstellen zwischen den Betonsegmenten, eindringendes Wasser.

1970 fertiggestellt, für 80 bis 100 Jahre ausgelegt, ist der Bau bereits heute marode. Es sind zum Teil Bewehrungen aus Stahl, die im Beton verbaut sind, gerissen. "Die Schleuse ist nicht stabil genug, um den Lastenwechsel auszuhalten", sagt Elmar Wilde, kommissarischer Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes Aschaffenburg. Seine Behörde ist federführend bei der Sanierung der Schleuse.

Mit Lastenwechsel ist der Druck gemeint, den das ein- und ausgeleitete Wasser auf die Wände der Schleuse ausübt. Von einem "Montagsbau" wolle er nicht sprechen, sagt Wilde. Es sei kein Pfusch bei der Umsetzung gewesen, sondern eine verfehlte Kalkulation, die zudem von der Zeit überholt wurde. Die Zahl der Schleusungen habe in den Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen.
Die Wände der Schleuse werden nun verstärkt. Die Arbeiter bohren Löcher, um stabilere Stäbe aus Bewehrungsstahl einzufügen.

Ihr Arbeitsplatz ist ein Ponton, der im Schleusenbecken zwischen den 19 Meter hohen Wänden schwimmt. Die Plattform erreicht man nur mit einem Boot. Der Ponton ist eine Konstruktion, wie sie auch von den Pionieren beim Militär benutzt wird. Mit Außenbordmotor zum Rangieren.

Eng geht es dort zu. Die Arbeiter tragen Rettungswesten. Denn unter der Wasseroberfläche geht es noch einmal vier Meter tiefer bis zum Grund der Schleuse.

Die Arbeiten an der alten Schleuse sind allerdings nur ein letztes "Makeup" vor der Frührente. Denn die Schleuse muss nur noch die nächsten sieben Jahre durchhalten. Ein paar hundert Meter weiter Richtung Möhrendorf wird bald eine neue Schleuse gebaut. 2024 soll sie in Betrieb gehen und 200 Millionen Euro kosten. Da erscheinen die 100 000 Euro für die Ertüchtigung der alten Schleuse eher nebensächlich. Der Europakanal ist wegen der Arbeiten noch bis zum 6. April für die Schifffahrt gesperrt.

Der geplante Neubau liegt in einem Trinkwasserschutzgebiet. Der Wasserschutz habe bei den Bauarbeiten höchste Priorität, betonen die Planer, die eine Mammutaufgabe vor sich haben: alte Schleuse sanieren, eine neue bauen. Der Neubau geschieht dann bei laufendem Verkehr. Die neue Schleuse wird ein Stück versetzt zum Kanal errichtet, so dass die Schiffe daran vorbei fahren können. Wenn die neue Schleuse steht, wird der Kanal dann ein Stück zur neuen Schleuse "geknickt". Kolossal, was da die nächsten Jahre am Kanal passiert.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren