Erlangen
Immobilien

Anwohner kämpfen um ihre Siedlung

Mitten in Erlangen gibt es mit der historischen Erba-Siedlung ein städtebauliches Kleinod. Mit der Gemütlichkeit ist es dort jedoch vorbei.
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Bewohner vor einem der vom Abriss bedrohten Erba-Häuser, rechts Barbara Hoffmann.  Foto: Nikolas Pelke
Bewohner vor einem der vom Abriss bedrohten Erba-Häuser, rechts Barbara Hoffmann. Foto: Nikolas Pelke
Die Erba-Siedlung in Erlangen fühlt sich ein bisschen an wie die Lindenstraße. In der ältesten Arbeitersiedlung der Stadt gegenüber dem Zentralfriedhof schätzen die Bewohner die besondere Lebensqualität. "Der Garten und die Gemeinschaft gehören hier zur Wohnung dazu. Jeder kennt jeden", sagt Barbara Hoffmann, die seit über 30 Jahren in der charmanten Baumwollspinnerei-Siedlung wohnt. In der Mitte der Siedlung steht eine alte Linde. Jedes Haus hat einen Garten. Wie in einem kleinen Dorf mitten in der Stadt fühle sich die Erba-Siedlung an. "Es ist einfach nett hier", sagt Hoffmann.

Die 58-Jährige fürchtet aktuell wie viele Bewohner der Erba-Siedlung um das Wohnidyll in bester City-Lage. Gemeinsam mit anderen Mitstreitern hat Hoffmann eine Initiative für den Erhalt der historischen Erba-Siedlung gegründet und eine Online-Petition gestartet. Denn die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobau will fünf Erba-Häuser, die zwischen 1930 und 1939 gebaut wurden, abreißen und durch Neubauten ersetzen. Daneben sollen zwei andere Häuser an der Äußeren Brucker Straße abgerissen werden, um Platz für neuen Wohnraum zu schaffen.

Wenn die Pläne aufgehen, sollen dort insgesamt 100 Wohnungen entstehen. Bislang gibt es dort nur 34 Wohnungen. "Ich befürchte durch die Abriss- und Neubaupläne der Gewobau wird der dörfliche Charakter in unserer Erba-Siedlung zerstört und das Lebensgefühl und der Zusammenhalt bedroht", sagt Hoffmann.

Die Gewobau argumentiert, dass die alten Häuser nicht sanierungsfähig seien. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Gewobau, Oberbürgermeister Florian Janik (SPD), hält Berichten zufolge den Erhalt der alten Häuser für finanziell unvertretbar. Der Erhalt der sieben Häuser würde "zu Mieten führen, die niemand bezahlen könnte".
Hoffmann kann darüber nur den Kopf schütteln. Sie ist sich sicher, dass dahinter ein anderer Plan steckt. "Herr Janik ist damit angetreten, bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu schaffen. Jetzt will er diesen Plan auf Biegen und Brechen durchsetzen und diese gewachsene Siedlung zerstören", findet Hoffmann und ärgert sich, dass ausgerechnet rund um die Erba-Siedlung die Nachverdichtung im großen Stil verfolgt werden soll. Sie befürchtet, dass die Nachverdichtungspläne der Anfang vom Ende der Erba-Siedlung sind. Freilich brauche Erlangen neue Wohnungen. Aber dafür so etwas Einzigartiges und Wertvolles zu opfern, sei mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbar. Ziemlich fragwürdig findet sie auch, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt werde, die Abrisshäuser stünden außerhalb der historischen Arbeitersiedlung.


Klein und verwinkelt

Laut OB Janik seien die Gebäude, die abgerissen werden sollen, "nicht Teil der weiter nördlich gelegenen historischen und denkmalgeschützten Erba-Siedlung". Nach Einschätzung des Landesamts für Denkmalschutz gelte in dem betroffenen Gebiet weder ein Ensembleschutz noch stünden einzelne Gebäude unter Denkmalschutz. "Lediglich für eines der Gebäude steht die abschließende Beurteilung des Landesamts für Denkmalschutz noch aus", erklärt Janik.

Der Geschäftsführer der Gewobau sieht die historische Siedlung kritisch. "Eine frühere Arbeitersiedlung wie die Erlanger Erba-Siedlung verfügt natürlich über eine nostalgische und reizvolle Atmosphäre, nicht zuletzt wegen der zahlreichen Frei- und Grünflächen, die den Bewohnern zur Verfügung stehen", räumt Gernot Küchler, Gewobau-Geschäftsführer, ein. Und doch sei eine Siedlung wie diese nur noch bedingt zeitgemäß. "Die Wohnungen verfügen über kleine, teils sehr verwinkelte Grundrisse, sie sind nicht barrierefrei und sind im energetischen Unterhalt verhältnismäßig hochpreisig." Eine adäquate Sanierung, um Barrierefreiheit und einen zeitgemäßen Energiestandard zu erreichen, gestalte sich aufgrund der Denkmalschutzrichtlinien schwierig. Zudem würden hohe Modernisierungskosten die Mieten derart anheben, dass sie deutlich über einem sozialverträglichen Mietniveau liegen würden.


Aktuell 1700 Wohnungsanträge

Der OB zu dieser Zeitung: "In Erlangen besteht akuter Mangel an bezahlbarem Wohnraum." Rund 1700 Wohnungsanträge würden aktuell bei der städtischen Abteilung für Wohnungsvermittlung vorliegen, die Menschen in Härtefällen unterstützt.
Die genauen Neubaupläne will die Gewobau demnächst im Aufsichtsrat vorstellen. Danach soll der Stadtrat die Pläne diskutieren. In der Zwischenzeit wollen Barbara Hoffmann und ihre Mitstreiter weiter für die Erba-Siedlung kämpfen.

Führung

Zum Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag bietet die Bürgerinitiative einen Rundgang durch ihr gemütliches Wohnviertel an. Treffpunkt ist die Bushaltestelle "Zentralfriedhof" am 11. September um 15 Uhr. Die Führung ist kostenlos.

Petition

Eine Online-Petition für den Erhalt der Erba-Siedlung und gegen den Abriss der sieben Erba-Häuser haben schon über 500 Bürger unterschrieben. Sie ist im Internet unter www.openpetition.de/petition/online/nein-zum-abriss-der-erba-haeuser-am-anger zu finden.
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