Lonnerstadt
Zwangsräumung

Anhänger des Gurus aus Lonnerstadt klagen

Neue Entwicklung um die Anhänger des sogenannten Gurus von Lonnerstadt: Die Familie wehrt sich gegen den Auszug aus dem Lonnerstadter Haus.
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Gerhard L., der Guru von Lonnerstadt (hinten links), mit Anhängern Foto: WDR
Gerhard L., der Guru von Lonnerstadt (hinten links), mit Anhängern Foto: WDR
Die Gemeinde hat die Räumung des Kleebauern-Anwesens in der Hauptstraße zum 14. November zunächst ausgesetzt. Hintergrund: Axel Graemer, der Anwalt des Ehepaares, das noch in Gebäude wohnt, hat gegen einen Bescheid der Gemeinde geklagt. Der Fall kann womöglich bald das Verwaltungsgericht in Ansbach beschäftigen. Graemer: "Die Verwaltung hat in diesem Fall einen sehr rustikalen Bescheid erlassen, den mein Mandat angefochten hat."

Doch der Verteidiger signalisiert auch eine Gesprächsbereitschaft in dieser Angelegenheit: "Das Ehepaar strebt eine solide Lösung an, ist zu einem Auszug bereit." Doch erst dann, wenn sie eine neue Wohnung gefunden haben. Hintergrund des Streits: Das Gebäude (erbaut 1839) dient der Kommune als Obdachlosenheim. Darin wohnte das Paar mit seinen drei Kindern (10, 13 und 15). Nachdem den Eheleuten 2013 das Sorgerecht für die Kinder genommen wurde, leben der ehemalige Siemens-Ingenieur und dessen Frau alleine dort. Vor kurzem hat aber die Ehefrau wieder eine Anstellung gefunden - als Gymnasiallehrerin in Ansbach -, womit die Grundlage für die Unterbringung im Obdachlosenheim entfällt. Daher ordnete die Verwaltung an, dass sie ihre Wohnung räumen sollen und setzte unterschiedliche Termine an. Ohne Erfolg.

Bedürftigkeit entfällt

Es wäre die dritte Zwangsräumung für das Ehepaar - zuvor mussten sie nach längeren Auseinandersetzungen bereits aus zwei anderen Wohnungen fortziehen. Lonnerstadts zweite Bürgermeisterin Regina Bruckmann (FW) erklärte am Freitag: "In diesem aktuellen Fall hat die Gemeinde einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Die Räumungsfrist zunächst einmal ausgesetzt." Der Anwalt der Gemeinde Lonnerstadt wird prüfen, dass die Verwaltung einen neuen Bescheid erlässt, in dem festgestellt wird, dass die derzeitigen Mieter wegen der Arbeit der Frau nicht mehr bedürftig seien. Um so einen Termin für einen Auszug anzuordnen.

Daher werden die derzeitigen Bewohner erst einmal im Kleebauern-Anwesen wohnen bleiben. Dabei ist das Gebäude in einem schlechten Zustand. So muss das Dach saniert werden. Regina Bruckmann bestätigt: "Es laufen bereits dazu Voruntersuchungen von Seiten des Denkmalsschutzes." Darüber hinaus soll auch die Wohnung im ersten Stock saniert werden. Grobe Schätzungen gehen von Kosten in Höhe von 160 000 Euro aus.

Doch wie geht es den Kindern des Ehepaares? Sie waren aus dem Elternhaus im Landkreis Erlangen-Höchstadt geholt und in eine Einrichtung gebracht worden. Das Sorgerecht für die zwei Buben und ein Mädchen ging auf das Erlanger Jugendamt über. Nach mehrfachen Besuchen in Lonnerstadt sei der Familienrichter zu der Überzeugung gelangt, die Eltern seien "zu einer Kooperation im Sinne der Kinder nicht in der Lage", wie ein Gerichtssprecher im Juli 2013 mitteilte. Der Familienrichter begründete die Entscheidung damals, dass es den Eltern offenbar "aufgrund ihrer religiösen Überzeugung nicht möglich" sei, sich adäquat um ihre Kinder zu kümmern. Heute gibt es ein sogenanntes Umgangsrecht für die Eltern und ihren Nachwuchs. Laut Hannah Reuter, der Sprecherin des zuständigen Landratsamtes Erlangen-Höchstadt, regeln Jugendamt und Jugendhilfe den Umgang. "Dabei werden auch die Wünsche der Kinder berücksichtigt." Damit steht aber zumindest fest, dass die Kinder ihre Eltern sehen und wohl auch regelmäßig treffen.


Was bisher geschah

Entgehen Gerhard L., der sogenannte Guru von Lonnerstadt, und seine Lebensgefährtin einer Haftstrafe von drei Jahren? Der Anwalt der beiden hat nun die Revisionsschrift an den Bundesgerichtshof nach Karlsruhe geschickt. Im August war Gerhard L. vom Landgericht Nürnberg wegen Misshandlung Schutzbefohlener zu Gefängnis verurteilt worden. Grund für den Richterspruch: Er und seine Partnerin hätten es dem schwer kranken Sohn der Frau überlassen, ob er Medikamente nimmt oder zum Arzt geht.

Gerhard L.s Anwalt, Axel Graemer aus Erlangen, erklärte dazu im Oktober: "Das Urteil gegen meinen Mandanten soll in allen rechtlichen wie tatsächlichen Aspekten überprüft werden." Graemer rechnet, dass der Bundesgerichtshof Anfang kommenden Jahres entscheiden werde, wie es weitergehen werde.

Seit Jahren ist Gerhard L. umstritten. Er lebt in einem Haus in einem Ortsteil von Lonnerstadt, soll Kinder als "Erwachsenenseelen in Kinderkörpern" ansehen und sie entsprechend behandeln. Medienberichten zufolge seien die Kinder ohne Krankenversicherung, Süßigkeiten und Spielsachen aufgewachsen. Kritiker hatten diese Missstände vor Gericht gebracht.
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