Adelsdorf
Aufnahme

Adelsdorfer erwarten junge Flüchtlinge

Die Adelsdorfer stellen sich auf die Ankunft von 34 minderjährigen Flüchtlingen ein. Bei einem Infoabend in der Aischgrundhalle stellten die Bürger durchaus kritische Fragen, ohne dabei ablehnend zu sein.
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Auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung hatten die Adelsdorfer noch großen Gesprächsbedarf. Unter anderem standen Karsten Fischkal und Jürgen Ganzmann Rede und Antwort. Foto: Barbara Herbst
Auch nach dem offiziellen Ende der Veranstaltung hatten die Adelsdorfer noch großen Gesprächsbedarf. Unter anderem standen Karsten Fischkal und Jürgen Ganzmann Rede und Antwort. Foto: Barbara Herbst
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Die angekündigte Unterbringung unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge in Adelsdorf und Aisch sorgte in den vergangenen Tagen für mächtig Aufruhr im Gemeindegebiet. Um der Bevölkerung die geplanten Projekte vorzustellen und sich deren möglicher Sorgen anzunehmen, hatte Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) gemeinsam mit den beiden Trägern WAB Kosbach und "Puckenhof" am Donnerstagabend zu einer Bürgerversammlung in das Foyer der Adelsdorfer Aischgrundhalle eingeladen.
Und das war schnell gefüllt. Mehr als 150 Anwohner und Vereinsvertreter waren zu der Infoveranstaltung erschienen. Kreisjugendamtsleiterin Heike Krahmer schilderte den interessierten Zuhörern die aktuelle Situation minderjähriger Flüchtlinge im Landkreis. "Insgesamt 86 junge Menschen sollen bis Ende des Jahres im Landkreis untergebracht werden. 27 werden bereits im Landkreis betreut", berichtete die Expertin.
In den kommenden Monaten sollen 34 Jugendliche in je zwei Häusern in Adelsdorf und dem Ortsteil Aisch hinzukommen. Die gemeinnützige Einrichtung WAB sowie der Evangelische Jugendhilfeverbund "Puckenhof" erläuterten ihre Ziele und Betreuungsansätze, um dieser Aufnahmeverpflichtung nachzukommen.

Es geht um Befähigung
Die anschließende Fragerunde wurde von Bürgermeister Fischkal eröffnet. "Nach welchen Kriterien werden die Wohngruppen denn zusammengestellt?", fragte er in Richtung der Verantwortlichen des Landratsamtes. "Da es sich in Ihrer Gemeinde lediglich um sozialtherapeutische Gruppen handelt, achten wir darauf, dass hier keine hochtraumatisierten Jugendlichen landen", erklärte Heike Krahmer. Schließlich stünden nicht therapeutische Leistungen im Vordergrund, sondern die Befähigung der jungen Menschen zu einem selbstständigen Alltag.
Krahmer weiß auch, dass die überwiegende Mehrzahl, nämlich 90 Prozent, der Flüchtlinge aus Krisengebieten männlich ist. Diese Tatsache veranlasste Herwig Preller zu der Frage, ob man sich auf diese Weise nicht eine "Männergesellschaft" schaffe, die letztlich zum Aussterben verurteilt sei. "3000 in ganz Bayern erwartete Flüchtlinge sind nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein", entgegnete WAB-Geschäftsführer Jürgen Ganzmann dieser Befürchtung und verwies gleichzeitig auf den wirtschaftlichen Nutzen, den Einwanderung mit sich bringe.
"Gibt es in der EU nicht schon genügend gut ausgebildete Menschen, die auf der Suche nach Arbeit sind?", fragte Erwin Schneider und erhielt dafür Beifall aus der Versammlung. Noch größeren Beifall erhielt Martin Leimert vom Verein "Puckenhof", als er auf die grundsätzlich bestehende humanitäre Verpflichtung zur Hilfeleistung verwies.
Auch Gemeinderat Uwe Pöschl (CSU) ist betroffener Anwohner und betonte eingangs, wie froh er darüber sei, dass seine eigenen Kinder in Deutschland wohlbehütet aufwachsen könnten und nicht mit solch schlimmen Problemen zu kämpfen hätten wie die minderjährigen Flüchtlinge. Doch auch er verlieh seinen Befürchtungen Ausdruck: "Wie wollen Sie Nachbarn bei Problemen helfen? Wie soll die Zusammenarbeit aussehen?".
Martin Burda vom Trägerverein "Puckenhof" betonte in diesem Zusammenhang den Stellenwert von Prävention. Jürgen Ganzmann kündigte bereits an, alle Nachbarn zur Eröffnung der Einrichtungen in Adelsdorf einzuladen, um so einen Einblick zu gewähren.

Polizei ist relativ unbesorgt
Ebenfalls vor Ort war Höchstadts stellvertretender Polizeichef Gerhard Backert. Er berichtete von den bisherigen Erfahrungen mit den aktuell 150 Asylbewerbern in seinem Dienstbereich. Backert weiß, dass es vor allem innerhalb der Wohngruppen immer wieder zu kleineren Auseinandersetzungen kommt.
Er betonte aber auch, dass zwischen der Bevölkerung in Höchstadt und den dortigen Flüchtlingen bisher kaum Vorkommnisse verzeichnet worden seien. Und auch in Röttenbach, wo seit Kurzem minderjährige Flüchtlinge leben, habe es noch keinerlei Beschwerden gegeben. "Falls es zu Vorfällen kommt, können Sie sich jederzeit an uns wenden. Wir stehen in Kontakt mit allen Wohngruppen und dem Jugendamt", beruhigte der Polizist.
Karl-Heinz Weller beschäftigte die Frage, bis zu welchem Grad das Thema Asyl in der Gemeinde Adelsdorf ausgereizt werden könne. "Über die 34 geplanten jugendlichen Flüchtlingen hinaus ist momentan nichts geplant", antwortete Heike Krahmer. Sichere Prognosen traute aber auch sie sich nicht zu. Mit acht erwachsenen Flüchtlingen von insgesamt 500 im ganzen Landkreis drohe in Adelsdorf in naher Zukunft jedoch keine Überbelastung.
Georg Habermann aus Aisch fragte nach der Lukrativität einer Vermietung für die Hausbesitzer und danach, wer die Finanzierung übernehmen wird. Von den Fachleuten erfuhr er, dass die Entgeltkommission der Regierung Mittelfranken für die Bestimmung der jeweiligen Tagessätze verantwortlich ist. Diese betrügen bei betreutem Wohnen etwa 90, im Rahmen einer Wohngruppe 150 Euro. "Ein Großteil davon entsteht durch Personalkosten", erläuterte Heike Krahmer die Zusammensetzung. Als Kostenträger fungiere das Landratsamt. "Sie können sich aber sicher sein, dass nicht mehr gezahlt werden kann als die ortsübliche Miete", betonte Jürgen Ganzmann.
Ina Manowsky äußerte ihre Bedenken über das Asylverfahren und hakte nach: "Wie sicher ist es denn überhaupt, dass die Jugendlichen auch hier bleiben dürfen und unsere Bemühungen am Ende nicht umsonst waren?". Von den Verantwortlichen erhielt sie die Antwort, es könne letztlich keine Sicherheit dafür geben, dass die jungen Flüchtlinge nicht mehr zurückgeschickt würden. "Die Chancen für einen dauerhaften Aufenthalt stehen in diesen Fällen aber äußerst gut", meinte Heike Krahmer.
"Wer viel im Ausland unterwegs ist, kennt die Not und das Elend", sagt Friedrich Diller. Er wohnt in Aisch und hält das Abbauen von Vorurteilen nun für das A und O. "Man muss sich immer fragen, wie man sich an deren Stelle fühlen würde", findet Diller. Ebenfalls helfen möchte Angela Binns. Die junge Frau erkundigte sich am Donnerstagabend nach konkreten Projekten, um mit den jungen Flüchtlingen in Kontakt zu treten. "Wir werden demnächst zu einem Treffen aufrufen, um beispielsweise gemeinsame Ausflüge zu planen", verkündete daraufhin Bürgermeister Fischkal.
Durch einen zentralen Zusammenschluss möchte man das Aufkommen vieler kleiner Gruppierungen vermeiden. Fischkal selbst hat vor, in seiner Gemeinde eine "Willkommenskultur" zu schaffen und sah die Bürgerversammlung nun als einen ersten Schritt in die richtige Richtung an.
Im Anschluss an den offiziellen Teil blieben viele der Bürger noch, um sich mit Nachbarn und Organisatoren auszutauschen. Die meisten von ihnen blicken der Ankunft der jungen Flüchtlinge zwar mit einer gewissen Skepsis, vor allem aber auch hilfsbereit entgegen.
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