Adelsdorf
Natur

Adelsdorf wappnet sich für Starkregen

Als Teilnehmerin eines Pilotprojekts lässt die Gemeinde eine Karte erstellen und ein Frühwarnsystem installieren, um sich für Überflutungen zu rüsten.
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Wie die Aisch bei Hochwasser anschwellen kann, zeigt das Archivbild aus dem Adelsdorfer Ortsteil Aisch aus dem Januar 2011.  Foto: Johanna Blum
Wie die Aisch bei Hochwasser anschwellen kann, zeigt das Archivbild aus dem Adelsdorfer Ortsteil Aisch aus dem Januar 2011. Foto: Johanna Blum
"Starkregen kann jeden treffen", diese Aussage stellte Ingenieur Reinhard Brodrecht an den Beginn seines Vortrags beim Bund Naturschutz (BN), Ortsgruppe Adelsdorf. Brodrecht, einst Gründer der Gesellschaft beratender Ingenieure (GBI), hat vor einiger Zeit Spekter ins Leben gerufen, eine Organisation aus mehreren Unternehmen, die sich bundesweit zum Erkennen, Warnen und Schützen von und vor Starkregen zusammengeschlossen hat.
Der Referent erinnerte nicht nur an die Unwetter in Brauns-bach und Simbach am Inn im vergangenen Jahr, sondern auch an den Starkregen von Baiersdorf vor zehn Jahren. Das sei der Beginn seiner Aktivitäten rund um den kommunalen Überflutungsschutz gewesen. "Innerhalb von nur fünf Minuten kann ein reißender Fluss durchs Dorf ziehen, und daran ist dann nicht der kleine Bach schuld, sondern es sind die wahnsinnigen Regenmengen, die von oben kommen."
Laut einer Studie der Ergo Versicherung werden 50 Prozent aller Hochwasserschäden von Starkregen verursacht, berichtete Brodrecht. Auswirkungen des Starkregens sind Kanalüberlauf, Übertreten kleiner Flüsse und Bäche und Grundwasseranstieg. Am Beispiel eines kleinen Films konnte man erkennen, wie schnell bei Starkregenüberflutung aus einer Straße ein riesiger Fluss werden kann.
Der Referent zeigte den Unterschied von Hochwasserschutz für Gewässer erster und zweiter Ordnung, für den Bund und Länder zuständig sind, und von Starkregenschutz für Flüsse und Bäche dritter Ordnung, Kanäle, Mulden und Senken, für den die Kommunen zuständig sind. Dabei sei es für die Gemeinde wichtig, eine Starkregen-Gefahrenkarte, eine Starkregen-Risikokarte und ein regionales Frühwarnsystem zu haben. Unter anderem am Beispiel des Baugebiets Läusberg in Adelsdorf führte Brodrecht vor, wie Starkregenereignisse im Zeitraffer simuliert und in einer dynamischen Grafik visuell dargestellt werden können. Damit könnten neuralgische, potenzielle Schwachstellen in Wohngebieten, die es in jedem Gemeindegebiet gibt, frühzeitig aufgedeckt und erkannt werden.
In den Gemeinden Veitsbronn und Adelsdorf wird die Simulation als Pilotprojekt für ganz Bayern realisiert. In Adelsdorf vorerst für den Läusberg, aber geplant ist es für das ganze Gemeindegebiet. Beide Orte bekommen vom Freistaat Bayern einen Zuschuss von 75 Prozent der Kosten für die genauen Berechnungen, die Untersuchungen und die Karten. Die Starkregenkarten für ganz Adelsdorf machen etwa 80 000 Euro aus. Dazu kommt das Frühwarnsystem mit einem Betrag von etwa 50 000 Euro.
"Die Aufgabe dieses Systems ist es, den Menschen vor dem Wasser zu schützen, aber auch das Wasser für den Menschen zu schützen", betonte Brodrecht. Die Berechnungen, wo und wann das Wasser fließt, seien minutengenau. Dann erst sei es möglich, entsprechend zu reagieren und mithilfe des Frühwarnsystem könne die Feuerwehr ihre Einsatzplanung erstellen. In Adelsdorf sind bereits Regensensoren an zwei Regenüberlaufbecken im Gewerbegebiet installiert. Spekter hat mit der Firma Elektro Amon ein Regenmessgerät entwickelt, mit dem in Echtzeit Niederschlagswerte gemessen und online in die Cloud übertragen werden. Anhand von Messung und Starkregenkarte werden Gefahren erkannt und Rettungsdienste und Bürger frühzeitig alarmiert.
Vor Brodrechts Vortrag hatte BN-Ortsvorsitzender Helmut König den Gästen der Jahreshauptversammlung einen kurzen Rückblick über die Aktivitäten des Vereins wie das Biotop-radeln im Mohrhof, Fledermausbeobachtung, BN-Kino mit dem Film "Plastic Planet", eine Pilzwanderung, Unterschriftenaktion gegen Ceta und mehr gegeben. In diesem Jahr stehen unter anderem die Erweiterung des Internetauftritts und die Schaffung von Hinweisschildern an Biotopen auf dem Programm. König zeigte stolz über die konstante Zahl von 202 Mitgliedern und erklärte, dass der BN hinter der verdichteten Bebauung des Reuthseegebietes stehe.


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