Laden...
LKR Erlangen-Höchstadt
Flüchtlinge

80 weitere Asyl-Plätze in Hemhofen

Damit erhöht sich die Zahl der Asylbewerber in der ehemaligen Tennishalle auf 180. Insgesamt muss der Kreis Erlangen-Höchstadt in Kürze weitere 200 unterbringen. Landrat Alexander Tritthart informierte im Kreistag.
Artikel drucken Artikel einbetten
Auf dem Gelände vor der Tennishalle in Hemhofen leben sich die Flüchtlinge in diesen Tagen ein.  Foto: Andreas Dorsch
Auf dem Gelände vor der Tennishalle in Hemhofen leben sich die Flüchtlinge in diesen Tagen ein. Foto: Andreas Dorsch
Erst am Mittwoch vergangener Woche haben 96 Asylbewerber die ehemalige Tennishalle in Hemhofen bezogen. Einen Tag später erreichte Landrat Alexander Tritthart (CSU) ein Schreiben des mittelfränkischen Regierungspräsidenten Thomas Bauer, wonach der Landkreis Erlangen-Höchstadt in Kürze 200 weitere Flüchtlinge aufnehmen soll. 80 davon sind bereits für die provisorische Unterkunft in Hemhofen eingeplant, wie Tritthart in der Sitzung des Kreistags am Montag sagte.

"Wir sind erneut gefordert", erklärte Tritthart zur von Bauer ausgerufenen zweiten Stufe des seit April geltenden Asyl-Notfallplans. Dass nur Mittelfranken und Niederbayern in allen Kreisen und kreisfreien Städten Notunterkünfte haben, in Unterfranken und der Oberpfalz dagegen nur je eine, kommentierte der Landrat mit den Worten, er sehe "nicht ein, dass Mittelfranken das retten soll", aber man werde die Forderungen trotzdem erfüllen.

Allerdings kämen das Gesundheitsamt, der ASB und die ehrenamtlichen Helfer an ihre Grenzen. Denn auch die Stadt Erlangen muss zusätzlich 200 Flüchtlinge aufnehmen. Laut Notfallplan müsse deren Unterbringung, Verpflegung, Überwachung und medizinische Betreuung sichergestellt werden.


Stimmung hat sich geändert

Das Ende sieht Tritthart noch lange nicht erreicht. "Die Zahlen werden nach oben schnellen, dass es uns schüttelt", prophezeite er angesichts des in Erlangen-Höchstadt ohnehin geringen Wohnraums. Dennoch gäbe es noch immer Gemeinden, die sich des Themas nicht annähmen. Auch die Stimmung in der Bevölkerung sei nicht mehr so, wie sie mal war, habe Tritthart bei einem Gespräch in einer Gaststätte vernommen.

"Es ist erschreckend, dass Sie das erst nach einem Wirtshausbesuch merken", entgegnete SPD-Kreisrat Andreas Hänjes. Und Tritthart solle die Gemeinden nennen, die keine Solidarität zeigen. Dem widersprach Röttenbachs Bürgermeister Ludwig Wahl von den Freien Wählern: "Solidarität spiegelt sich nicht in den bloßen Zahlen. Es gibt Gemeinden, in denen einfach kein Wohnraum vorhanden ist."

Ein weiterer Streitpunkt in der äußerst sachlich geführten Debatte waren die in Bayern und auf Bundesebene diskutierten grenznahen Aufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber mit geringer "Bleibewahrscheinlichkeit". Walter Nussel (CSU) hält diese Unterkünfte für nötig, um Wirtschaftsflüchtlinge schneller abschieben zu können und das Asylverfahren von derzeit 18 Monate auf drei zu verkürzen. "Wir tun den Menschen keinen Gefallen, sie länger warten zu lassen", fand Nussel.

"Ohne die Differenzierung werden wir die Herausforderung nicht angehen können", betonte sein Fraktionskollege, Bundestagsabgeordneter Stefan Müller. "Vor einem Jahr wurden Familien aus Syrien und dem Nordirak angekündigt, jetzt kommen junge Männer aus dem Balkan", meinte Müller, der deshalb auch die Ausweitung der sicheren Herkunftsländer auf die Balkanregion begrüßt.


Acht Wäschetrockner laufen

"Angesichts der Lebensumstände ist der Balkan keine sichere Herkunftsregion", entgegnete der SPD-Politiker Konrad Eitel. Jeder Antrag müsse geprüft werden. Zudem bemängelte der Herzogenauracher, dass in der Container-Wohnanlage in seinem Wohnort trotz 35 Grad im Schatten acht Wäschetrockner liefen. Mittlerweile habe die Stadt Wäscheleinen spendiert. "Das Große und Ganze ist schon schwierig genug. Die kleinen Probleme vor Ort manchmal noch schwieriger", antwortete Landrat Tritthart.

Wie dieser das Problem des fehlenden Wohnraums angehen wolle, fragte Grünen-Kreisrätin Retta Müller-Schimmel. "Schnell geht da gar nix", sagte Tritthart mit Verweis auf Umweltschutzauflagen, sowie Ausgleichsflächen und Bedarfsnachweis für neuen Wohnraum.

Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren