Adelsdorf
Niederschlagsrekord

61 Liter in wenigen Minuten waren für Adelsdorf einfach zu viel

In Adelsdorf fiel ein Zehntel der jährlichen Regenmenge in knapp einer Stunde. Damit war die Kanalisation überfordert. Starkregen-Warnungen bald am Handy.
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Soweit das Auge reicht: In dieses natürliche Becken wird  Oberflächenwasser aus dem Baugebiet Reuthsee (im Hintergrund) geleitet.  Der Überlauf aus dem Erdbecken fließt  über  den Reuthgraben ab.  Foto: Andreas Dorsch
Soweit das Auge reicht: In dieses natürliche Becken wird Oberflächenwasser aus dem Baugebiet Reuthsee (im Hintergrund) geleitet. Der Überlauf aus dem Erdbecken fließt über den Reuthgraben ab. Foto: Andreas Dorsch
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Es war der stärkste Regenguss, der je in Adelsdorf aufgezeichnet wurde. Am Abend des Fronleichnamstags registrierte die Messstelle auf dem Gelände der Kläranlage 61 Liter pro Quadratmeter in weniger als einer Stunde. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Niederschlagsmenge pro Jahr liegt in Adelsdorf bei rund 650 Liter.

"Irgendwann greift da kein Kanalsystem der Welt mehr", sagt Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) im Rückblick auf dieses Unwetter, bei dem sich einzelne Straßen in seiner Gemeinde in kleine Bäche verwandelten und sich das Wasser auch den Weg in zahlreiche Keller bahnte. Wenn in wenigen Minuten knapp ein Zehntel des gesamten Jahresniederschlags fallen, muss es wie aus Eimern gegossen haben. Der Bürgermeister nimmt auch Eimer für eine Hochrechnung: "Allein die Kellerstraße hat in 40 Minuten 28 600 Zehn-Liter-Eimer Wasser abbekommen."

Trotz der Wassermassen habe das Kanalsystem der Gemeinde funktioniert, sagt Fischkal. Darüber hinaus müsse jeder Hauseigentümer aber auch selbst Vorsorge treffen. Rückstauventile im Abwassersystem und notfalls auch dichte Kellerfenster sollten vor Fluten wie in Adelsdorf schützen.

Dass der Keller aber trotzdem volllaufen kann, hat der Bürgermeister selbst erlebt. Sein Rückstauventil hat zwar gehalten, "dafür ist ein Abflussrohr unter dem Druck geborsten". In dem betroffenen Kellerraum stieg das Wasser schnell an und schoss schließlich sogar durchs Schlüsselloch.

Noch länger mit den Folgen der sintflutartigen Regenfälle zu kämpfen hat beispielsweise auch Johanna Blum. Die freie Mitarbeiterin des FT war gerade in offizieller Mission in Lettland unterwegs, als im Untergeschoss ihres Hauses am Hang in Aisch das Wasser aus Badewanne, Bidet und WC sprudelte. Ein Schieber hätte die Überflutung eigentlich verhindern sollen, hat er aber nicht. Er ging nicht automatisch zu. Nachdem Blum zufällig von dem Unwetter in der Heimat erfahren und die Nachbarn alarmiert hatte, drehten die den Schieber von Hand ab und verhinderten Schlimmeres.

Schlaf- und Gästezimmer der Familie hat das Wasser aus dem Kanal geflutet und kräftigen Gestank hinterlassen. Kork- und Teppichböden und eventuell sogar der Estrich müssen raus. Die Blums haben sich jetzt vorgenommen, nicht mehr längere Zeit wegzufahren, ohne vorher die Absperreinrichtung von Hand zuzudrehen. In dem 39 Jahre alten Haus war das die zweite Überschwemmung. "Die erste liegt 23 Jahre zurück", kann sich Johanna Blum noch genau erinnern. Die Aischerin hat inzwischen erfahren, dass auch in der Nachbarschaft Keller geflutet wurden.

Am anderen Ende der Gemeinde, im Umfeld des neuen Baugebiets Reuthsee, kam das Wasser auch über die Straßen. Kritik, dass dieses große, teilweise schon bebaute Areal Ursache für die Überflutung in dem Bereich von Adelsdorf sein könnte, weist Bürgermeister Fischkal zurück. Wie an der Farbe unschwer zu erkennen war, sei auch Wasser aus der Baustelle dabei gewesen, räumt Fischkal ein. Er habe mit dem Bauträger bereits ein Gespräch vereinbart, um solche Situationen künftig zu verhindern. Mit dem ehemaligen Aldi-Zentrallager war hier früher auch eine riesige Fläche versiegelt. Damals wurde das Oberflächenwasser über den Reuthgraben in die Aisch geleitet.

Eine solche Lösung ist jetzt auch für weite Teile des neuen Baugebiets vorgesehen. Das Regenwasser wird über ein Trennsystem in ein extra angelegtes, großes Rückhaltebecken geleitet, wo es schnell versickern, oder über einen Überlauf in den Reuthgraben abgeleitet werden kann.

Um die Bürger künftig rechtzeitig vor Starkregen zu warnen, geht in Adelsdorf am 19. Juni ein Frühwarnsystem in Betrieb, das über Handy alarmiert. Drei Warnstufen wird es geben. Die Benachrichtigung der Bürger ist Teil des Pilotprojekts, an dem Adelsdorf schon seit eineinhalb Jahren beteiligt ist. Dazu gehört auch eine Starkregen-Gefahrenkarte, um Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und etwas dagegen zu tun. So habe man im Baugebiet Läusberg schon 15 Maßnahmen umgesetzt, sagt Fischkal, "und vom Läusberg gab es diesmal auch keine Klagen."
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