Fahrer oder Fahrerin des Landrats scheint ein Traumjob zu sein. Wie sonst ließe es sich erklären, dass in einem Landkreis mit praktisch Vollbeschäftigung auf die Stellenausschreibung des Landratsamtes für diese Aufgabe 150 Bewerbungen eingehen.

Wenn Ende des Monats die Amtszeit von Landrat Eberhard Irlinger (SPD) ausläuft, endet nach 36 Jahren auch die Dienstzeit seines Fahrers Gerhard Steinlein. "Ob die Bewerber wissen, worauf sie sich einlassen?", fragt sich Steinlein, als er am Mittwochabend seinen Chef vor dem Hauptportal der Höchstadter Georgskirche absetzt. Hier begrüßt Irlinger als Gastgeber die Besucher eines Harfenkonzerts.

In dreieinhalb Stunden hat Steinlein den Dienst-Audi A8 von der Messe in Hannover direkt vor die Höchstadter Kirche gesteuert. Für den Fahrer, der wie sein Chef das Pensionsalter erreicht hat, keine große Herausforderung.
Autofahren macht Steinlein auch nach 36 Jahren und 2,5 Millionen Kilometern noch Spaß. Muss es auch, bei fast 70 000 Kilometern im Jahr. Steinlein war mit Leib und Seele Fahrer des Landrats. Irlinger ist nach Dassler (CSU) und Krug (CSU) schon sein dritter Chef.

Über das, was er in den vielen Jahren mit ihnen erlebt hat, lässt sich Steinlein nichts entlocken. Und genau das ist auch die wichtigste Eigenschaft, die der neue Landrat Alexander Tritthart (CSU) von seinem künftigen Fahrer erwartet. "Der Fahrer muss ein Vertrauensverhältnis zum Landrat haben", sagt Tritthart.

Es ist kein Job, der um 8 Uhr beginnt und um 16 Uhr endet. "Kein Feierabend, kein Wochenende und kein Feiertag", stellt Steinlein fest. Alexander Tritthart ist überrascht, dass sich trotzdem so viele auf die Stelle beworben haben. Nach einer Vorauswahl der Personalabteilung wird sich Tritthart dann seinen Fahrer natürlich mit aussuchen.

3500 Euro für 60 Stunden-Woche

Wie Landratsamt-Pressesprecherin Hannah Reuter mitteilt, sind die 150 Bewerbungen gleichmäßig über den Ausschreibungszeitraum verteilt eingegangen. Bewerbungsschluss war am 28. März, zwei Tage vor der Stichwahl. Somit wussten die Bewerber auch noch nicht, wen sie ab 1. Mai chauffieren werden.

Bevorzugt wurden in der Ausschreibung Kraftfahrzeugmechatroniker angesprochen. Der neue Fahrer soll auch die Fuhrpark-Wartung unterstützen und nicht nur den Landrat in der Früh in Weisendorf abholen, zu den Terminen fahren und abends wieder zu Hause abliefern.

Für die Fahrer von Politikern gibt es einen eigenen "Tarifvertrag über Arbeitsbedingungen für Personenkraftwagenfahrer der Länder", nach dem auch der Fahrer des Landrats in Erlangen-Höchstadt entlohnt wird. Die Sätze hängen von Arbeitszeit und Dienstalter ab und reichen von 2500 bis 3595 Euro - brutto.