Herzogenaurach
Rätsel

12 Jahre sind ein Vierteljahrhundert : Als die Feuerwehr schnell "alterte"

Die Herzogenauracher Feuerwehr feierte 1956 ihr 75-jähriges Bestehen und bereits zwölf Jahre später ihren 100. Geburtstag.. Wie geht das? Wir klären auf.
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Am Sonntag, 10. Juni 1956, bewegte sich ein großer Festzug durch Herzogenaurach. Gefeiert wurde das 75-jährige Bestehen der Feuerwehr.  Foto: Stadtarchiv
Am Sonntag, 10. Juni 1956, bewegte sich ein großer Festzug durch Herzogenaurach. Gefeiert wurde das 75-jährige Bestehen der Feuerwehr. Foto: Stadtarchiv
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Bei der Freiwilligen Feuerwehr ist nichts unmöglich. Nicht nur, dass die Einsatzkräfte stets Höchstleistungen bringen, wenn sie gefordert werden, und das manchmal täglich neben dem Beruf. Sondern auch bei eher festlichen Anlässen steigen die Kreativität und der Anspruch, auch hier Eindruck zu hinterlassen. Beispiel 125-Jahr-Feier 1993: Mit der (damals) größten Wasserwand der Welt schafften es die Herzogenauracher ins Guinessbuch der Rekorde.
Und noch ein paar Jahrzehnte früher gelang es den Floriansjüngern von der Aurach sogar, innerhalb von zwölf Jahren um ein ganzes Vierteljahrhundert zu altern. Zumindest entdeckte man in dieser Zeit gleich zwei Anlässe, entsprechend Jubiläum zu feiern: Am 9. und 10. Juni 1956 war es das 75-jährige Bestehen und ein Dutzend Jahre später wurde vom 28. bis 30. Juni 1968 dann gleich der 100. Geburtstag gefeiert.
Was war geschehen? Karl-Heinz Schalk, langjährige Führungskraft der Herzogenauracher Feuerwehr, erinnert sich. Es war im Jahr 1967, als der damalige Landrat Georg Dassler und der Feuerwehr-Vorsitzende Xaver Binkl im Archiv des Landratsamts offenbar entsprechende Unterlagen gefunden haben, sagte Schalk. Daraus ging wohl hervor, dass die Feuerwehr im Jahre 1868 einen Antrag auf irgendwelche Geräte gestellt haben musste und so entstand die Vermutung, dass die Geschichte der Wehr länger ist als das bis dahin angenommene Gründungsdatum 1881. Und so wurde dann 1968 eben schon das 100. Jubiläum gefeiert.


1868 gilt

Für die aktuelle Feuerwehrführung ist das Jahr 1868 maßgebend, wie Vorsitzender Thomas Geiger sagt. Damals habe es den Korps der Retter gegeben. Da sei die Feuerwehr gewissermaßen eine Abteilung des Turnvereins gewesen. Deshalb feiere man heuer auch den 150. Geburtstag. Die Anfänge bestätigt auch Schalk, der privat auch eine Chronik über die Herzogenauracher Feuerwehr geschrieben hat. Damals mussten sich die Feuerwehren Organisationen suchen und sich diesen offiziell anschließen, sagte er. In Herzogenaurach habe es da nur den Turnverein gegeben. 1881, also zwölf Jahre später, folgte dann die Gründung eines "richtigen" Vereins.


Stadt wurde zum Treffpunkt

Und so kam es, dass in den 50-er und 60-er Jahren eben zweimal groß gefeiert wurde. Auch das Amtsblatt kündigte die Feiern damals groß an. "Unsere Stadt wird zum Treffpunkt der Feuerwehren aus weiten Teilen Bayerns. Führende Persönlichkeiten auf dem Gebiete des Feuerschutzwesens treffen sich zu ihrer Tagung in unserer Stadt", hieß es in der Ausgabe vom 8. Juni 1956. Die Bevölkerung von Herzogenaurach wurde gebeten, "in gewohnter Weise die Verbundenheit mit ihrer Wehr dadurch zu bekunden, dass sie teilnimmt an unseren Veranstaltungen und durch den Erwerb des Festabzeichens und der Festschrift zum Gelingen beiträgt."


Festliches Begehen

Zum 100. Geburtstag am 28. Juni 1968 hieß es im Amtsblatt: "Der hundertste Geburtstag einer nur zum Wohle der Allgemeinheit geschaffenen und tätigen Organisation rechtfertigt wohl in besonderem Maße ein festliches Begehen."
An der Bereitschaft und Notwendigkeit, ein großes Jubiläum entsprechend zu würdigen, hat sich bis heute nichts geändert. Auch wenn heuer am zweiten Maiwochenende das 150. Jubiläum gefeiert wird und sich am Muttertag ein großer Festzug durch die Stadt wälzt, wird es eine Festschrift und ein Festabzeichen geben. Die Chronik ist kurz vor Fertigstellung, das Programm für den Festzug steht.


Festabzeichensammler

Einer, der schon sehnsüchtig auf das Festabzeichen wartet, ist Lorenz Salbaum. Der gebürtige Herzogenauracher, der in Falkendorf lebt, ist seit mehr als einem halben Jahrhundert bei der Feuerwehr und hat alle drei Jubiläen gefeiert und auch alle drei Festabzeichen gesammelt. Zum 75. Geburtstag war er ein neunjähriger Bub. Damals gab's eine große Schauübung in der Hauptstraße, erinnert sich das Ehrenmitglied. Und bei den beiden weiteren Jubiläen 1968 und 1993 war er eingebunden.
"Wir haben da gearbeitet", sagt er, denn bei solchen Anlässen gibt es immer etwas zu tun. Schon bei der 125-Jahr-Feier hatte die Feuerwehr ein Festzelt im Weihersbach aufgestellt, wie es größer bislang nicht mehr war in der Stadt. Salbaum half damals am Ausschank.
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