Coburg
Auftritt

Zwischen Wahn und Wirklichkeit in Coburg

Wie das Aramis Trio bei seinem Festival "Klanggrenzen" einen spannenden Abend mit Musik und Lesung unter dem Titel "Schumanns Schatten" präsentiert.
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Das Aramis-Trio beeindruckte sein Publikum mit dem Abend "Schumanns Schatten" (von links): Martin Emmerich, Fabian Wankmüller und Heiner Reich. Foto: Jochen Berger
Das Aramis-Trio beeindruckte sein Publikum mit dem Abend "Schumanns Schatten" (von links): Martin Emmerich, Fabian Wankmüller und Heiner Reich. Foto: Jochen Berger
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Das im Mai 2009 gegründete Aramis Trio mit dem Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters Landetheater Coburg Martin Emmerich, Heiner Reich (Violoncello) und Fabian Wankmüller (Klavier) - benannt nach einem der drei Musketiere von Alexandre Dumas - hat sich im In- und Ausland bereits einen guten Ruf erworben.
Gleichzeitig ist das Ensemble auch Initiator des "Klanggrenzen"-Festivals in Coburg, das heuer mit wachsendem Erfolg in die zweite Runde geht. Bewusst werden neue, ungewohnte Wege des Konzertierens beschritten, auf denen neue Zuhörer für klassische Kammermusik gewonnen werden sollen.


Geistige Umnachtung

Ein besonderes Flair hatte auch der Abend im Gemeindesaal von St. Augustin, bei dem Schumanns Seelenzustand während seiner letzten Lebensphase in geistiger Umnachtung geschildert und mit Musik seiner und unserer Zeit vertieft wurde.


Als literarische Vorlage diente dazu Peter Härtlings Buch "Schumanns Schatten", aus dem Schauspieler Frederik Leberle zwischen den Musiksätzen zitierte, wobei er neben den teilweise überlieferten Unterhaltungen Schumanns in der Heilanstalt Endenich auch Rückblicke auf frohe und traurige Ereignisse der Vergangenheit ausgewählt hatte.


Dass der Schriftsteller am Tag vor dieser Veranstaltung gestorben war, hat wohl jeden Zuhörer nachdenklich gestimmt.


Damit der Abend nicht gar so traurig wird, hatte man zu Beginn die überwiegend heiteren, spielfreudigen Noveletten op. 29 von Nils W. Gade aufs Programm gesetzt. Gade, der vor genau 200 Jahren geboren wurde, war mit Schumann eng befreundet, der ihm nicht nur das am Ende erklingende 3. Klaviertrio, sondern auch ein Klavierstück im "Album für die Jugend" widmete. Mit beseeltem Ton, hoher Virtuosität, nahtlosem Zusammenspiel und minuziöser dynamischer Gestaltung brachte das Aramis Trio die fünf unterschiedlichen Sätze zu brillanter, reich applaudierter Wiedergabe.


Schumann in Endenich

Der zeitgenössische Komponist Volker David Kirchner (er wird heuer 75 Jahre) nennt den 1. Satz (Notturno) seines Klaviertrios Nr. 1 "Schumann in Endenich" und schildert die dortige Atmosphäre mit fahlen, verlorenen Tönen und Klängen, aber auch jähen Ausbrüchen. Pizzikati, Flageoletts, Glissandi und gezupfte Klaviertöne bilden das musikalische Material, welches das Aramis Trio souverän beherrschte.


Piazzolla als Zugabe

Das abschließende Klaviertrio Nr. 3 g-Moll op. 110 von Robert Schumann geriet dann zum Höhepunkt des Abends dank der tonschwelgerischen, mit großem Atem gestalteten Interpretation durch die technisch wie musikalisch auf gleicher Wellenlänge befindlichen Künstler.


Ein stimmungsvolles Geschenk gab es nach anhaltendem Beifall noch mit dem ins Ohr gehenden Tango "Oblivion" von Astor Piazzolla.



Interpreten und Macher des Festivals Klanggrenzen



Abschluss-Konzert "Sonnenbrand am Wolgastrand" mit dem Ensemble "Mondieu Operettenassekuranz: Julia Da Rio (Gesang), Julian Krüper (Gesang), Nadine Schuster (Klavier) - Donnerstag, 20 Uhr, "Leise am Markt"

Aramis-Trio Im Jhar 2009 gründeten Martin Emmerich (Violine) Heiner Reich (Violoncello) und Fabian Wankmüller (Klavier) das Aramis-Trio, benannt nach einem der drei Musketiere von Alexandre Dumas. Das Trio war bei renommierten Festivals wie dem Heidelberger Frühling, dem Festival Pablo Casals in Prades und dem Orlando Festival in Kerkrade zu Gast.

Festival Beim interdisziplinären Kammermusikfestival Klanggrenzen stehen musikalische Werke in Wechselwirkung mit den Kunstformen Literatur, Film und Bildender Kunst. Diese Grenzverletzung führt zu spannenden Kontrasten und ungewohnten Kombinationen. Rund um das Festival finden zahlreiche Kinder- und Jugendkonzerte statt. "Klang. grenzenlos!" heißt das Motto, mit dem die Musiker des Festivals durch erfahrene Musikpädagogen begleitet in zahlreiche Bildungseinrichtungen in Coburg gehen (Infos online unter www.klanggrenzen.de)

Karten im Vorverkauf in der Tageblatt-Geschäftsstelle, Hindenburgstraße 3a (online www.klanggrenzen.de ). Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt.
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